Madrids Cercanías: Investitionen oder Sicherheitsrisiko?

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Madrids Cercanías: Investitionen oder Sicherheitsrisiko?

von Redaktion

S-Bahn-Störungen als tägliche Routine

Wenn die S-Bahn-Netze in Madrid wieder einmal Probleme haben, ist das für Borja Carabante, Delegierter für Stadtplanung, Umwelt und Verkehr, kaum eine Überraschung. Nach neuen Störungen auf sechs Linien während der morgendlichen Rushhour dieses Mittwochs kritisiert er gegenüber Medien: „Was im täglichen Leben der Stadt überrascht, ist, dass es keine Störung gibt.“ Die Zahlen des vergangenen Jahres geben ihm recht: 2025 wurden 1.521 Vorfälle registriert, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine „schlechte Nachricht für die nachhaltige Mobilität“, wie er im Betriebszentrum der städtischen Busgesellschaft EMT erklärte.

Vertrauensverlust mit konkreten Folgen

Das häufige Fehlfunktionen des Systems führt laut Carabante zu einem praktischen Vertrauensverlust der Bürger. Die Folge: Die Pendler verlassen die Cercanías. Dies spiegelt sich in den Fahrgastzahlen wider. Die städtischen EMT-Busse verzeichneten 19 Millionen mehr Fahrten gegenüber 2019, das Metro-Netz 15 Millionen mehr. Das S-Bahn-Netz von Renfe hingegen verzeichnet Rückgänge – weil die Menschen, so Carabante, „ihr nicht vertrauen“.

Warnung vor Sicherheitsrisiken

Die Kritik des Stadtrats geht jedoch weit über unpünktliche Züge hinaus. Carabante warnte „mit aller Deutlichkeit“, dass die Zentralregierung als maximal verantwortliche Instanz nicht handelt. Wer das Problem lösen könne, der Staat, tut es nicht und werde damit, so seine Prognose, „nicht für die Probleme der Pünktlichkeit, sondern für die Sicherheitsprobleme, die aufgrund der mangelnden Instandhaltung der Cercanías auftreten könnten“, verantwortlich sein. Eine Investition in die Sicherheit der Infrastruktur sei daher dringend.

Ein vergessener Plan als Lösung?

Carabante sieht eine konkrete Lösung auf dem Tisch, die jedoch nicht genutzt wird. Er verwies auf einen S-Bahn-Plan, der unter der früheren Regierung der Volkspartei (PP) mit einem Budget von rund 10 Milliarden Euro genehmigt worden sei. „Aber die nationale Regierung hat ihn in die Schublade der Vergessenheit gesteckt und nicht das investiert, was wir benötigen“, sagte er laut Berichten der Medien. Der Delegierte fordert den Minister für Transport und nachhaltige Mobilität, Óscar Puente, daher direkt auf, die notwendigen Mittel für Madrid und die Region zu investieren, damit die Bürger „ruhig, in voller Sicherheit und vor allem auch in voller Pünktlichkeit“ reisen können. Das aktuelle Unterlassen sei ein Angriff auf die nachhaltige Mobilität und somit auf den Alltag der Stadt.

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