Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Gibraltar-Vertrag: Albares und Picardo bereiten Umsetzung vor
Neuer Anlauf für Gibraltar-Abkommen
Die Umsetzung des vertrackten Brexit-Abkommens über Gibraltar nimmt konkrete Formen an. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wird Spaniens Außenminister José Manuel Albares an diesem Mittwoch den Chief Minister von Gibraltar, Fabián Picardo, im Madrider Palacio de Viana empfangen. Kernthema des Treffens sind die finalen Vorbereitungen für die vorläufige Anwendung des Vertrags zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, die nun für den 15. Juli geplant ist.
Der Termin markiert einen neuen Schritt in einer langwierigen Prozedur. Das Abkommen selbst muss noch das Ratifizierungsverfahren in den Parlamenten der EU und Großbritanniens durchlaufen. Interessant ist der aktuelle Sonderstatus an der Grenze: Spanien wendet am Grenzübergang zur britischen Überseegebiet-Felsen weiterhin nicht das neue EU-Ein- und Ausreisesystem (EES) an, das eigentlich seit dem 10. April hätte eingeführt werden müssen.
Ein symbolträchtiges Wiedersehen in Madrid
Picardos Besuch in der spanischen Hauptstadt ist mehr als Routine. Neben der Arbeitsbesprechung mit Albares – an der auch Gibraltars Ministerin für Unternehmen, Gemma Arias-Vásquez, und Generalstaatsanwalt Michael Llamas teilnehmen – steht eine öffentliche Intervention auf dem Programm. Der Regierungschef wird am Donnerstag beim Forum Europa im Hotel Palace sprechen, einem Format, von dem er vor über einem Jahrzehnt ausgeschlossen war.
Damals, 2015, war eine geplante Konferenz Picardos inmitten diplomatischer Spannungen mit der damaligen konservativen Regierung unter Mariano Rajoy abgesagt worden. Sein heutiger Auftritt symbolisiert somit einen deutlich entspannteren Kurs unter der aktuellen sozialistischen Führung. Beide Politiker hatten sich erst am vergangenen Wochenende in Barcelona bei einer internationalen Konferenz getroffen, zu der Picardo auf Einladung von Ministerpräsident Pedro Sánchez gekommen war.
Albares reist in die Grenzregion
Die diplomatischen Aktivitäten konzentrieren sich nicht nur auf die Hauptstadt. Am Donnerstag, dem 23. April, wird Außenminister Albares selbst in die betroffene Grenzregion reisen. Im Campo de Gibraltar ist seine Teilnahme an einem informativen Seminar der örtlichen Handelskammer geplant, bei dem er mit institutionellen, wirtschaftlichen und sozialen Vertretern zusammentrifft.
Zudem sind Treffen mit dem Verband der Gemeinden des Campo de Gibraltar und mit Juan Franco, dem Bürgermeister von La Línea de la Concepción, der Stadt unmittelbar an der Grenze zu Gibraltar, angesetzt. Diese Termine stehen, wie es heißt, im Kontext der politischen Begleitung des Abkommens.
Eine “Impfung” gegen Brexit-Folgen
Picardo selbst hatte das künftige Abkommen erst kürzlich in Barcelona als eine Art “Impfung” gegen die Probleme des Brexit und den Einfluss extremer rechter Kräfte bezeichnet – insbesondere für das Verhältnis zwischen Gibraltar und seinem spanischen Umland. Die offenen Fragen sind jedoch weiterhin komplex und reichen von der praktischen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bis zu steuerlichen Themen.
Für Picardo rundet ein Interview im Programm “La Noche en 24 Horas” des spanischen Staatssenders TVE seine Agenda ab, die Diplomatie, Grenzpolitik und internationale Außenwirkung verbindet. Nach der heutigen Besprechung in Viana will sich der Regierungschef zudem direkt den Fragen der Medien stellen.