Machtwechsel bei Movimiento Sumar

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Machtwechsel bei Movimiento Sumar

von Clara Weber

Einigung auf eine einzige Liste

Der Rückzug von Lara Hernández als Koordinatorin von Movimiento Sumar ebnet den Weg für ihre parteiinternen Kritiker. Bei der bevorstehenden Versammlung am 11. Juli wird nur eine einzige Kandidatur antreten: die Liste der Parlamentssprecherin Verónica Martínez und der Staatssekretärin für soziale Rechte, Rosa Martínez. Hernández selbst wird sich nicht in diese Liste einreihen. Ihre Entscheidung markiert das vorläufige Ende einer der turbulentesten Phasen der noch jungen Partei, die Yolanda Díaz einst als treibende Kraft des Bündnisses Sumar ins Leben gerufen hatte.

Vorwürfe und eine öffentlich gewordene Krise

Den unmittelbaren Auslöser für Hernández' Rückzug bildete ein Ende Juni bekannt gewordener interner Konflikt. Am 9. Juni war ein Brief der damaligen Organisationssekretärin Laura Moreno durchgesickert, in dem sie ihren Rücktritt erklärte und auf eine interne Untersuchung wegen Mobbingvorwürfen gegen Hernández verwies. Sechs Führungskräfte hatten entsprechende Anschuldigungen erhoben. Wie Hernández nun selbst mitteilte, sei das Verfahren gegen sie jedoch eingestellt worden – keine der Beschwerden wurde aufrechterhalten. Sie sprach von einer „Kampagne der Rufschädigung“ gegen ihre Person. Erst am 18. Juni sei sie über die Vorwürfe informiert worden. Nach ihrer Stellungnahme und Aussagen von acht Zeugen habe die mutmaßliche Hauptbetroffene schließlich auf eine Bestätigung der Anschuldigung verzichtet. Noch am selben Tag, dem 26. Juni, präsentierten Rosa Martínez und Verónica Martínez ihre Kandidatur.

Eine Kette von Rücktritten

Die aktuelle Krise reiht sich nahtlos in eine Serie von Personalentscheidungen ein, die Movimiento Sumar seit dem Abgang von Yolanda Díaz erschüttern. Díaz hatte nach der Europawahl 2024 ihre Ämter niedergelegt und sich seitdem nicht zu den innerparteilichen Querelen geäußert. Ihre Nachfolge war in einer Doppelspitze organisiert: Neben Hernández übernahm Carlos Martín die Koordination – allerdings nur für vier Monate; er trat im August 2025 zurück. Seither blieb der Posten unbesetzt. Insgesamt haben innerhalb von anderthalb Jahren der Koordinator, die Nummer drei sowie zwei Kommunikationschefs die Partei verlassen. Zuletzt hatten sich Elizabeth Duval und David Comas von ihren Aufgaben getrennt.

Schwindender Einfluss in der Allianz

Movimiento Sumar war von Díaz als Kern der Wahlallianz Sumar konzipiert, die sich zurzeit in einem grundlegenden Erneuerungsprozess befindet. Die kurze Parteigeschichte und fehlende regionale Verankerung hatten die Formation bereits zuvor zum schwächsten Glied innerhalb des Bündnisses gemacht. Der Rückzug von Díaz und die anhaltenden internen Querelen haben diese Position weiter geschwächt. Während etablierte Partner wie Izquierda Unida, Más Madrid oder die Comuns über feste Strukturen verfügen, ist der Einfluss von Movimiento Sumar zunehmend geschrumpft. Hinzu kommt das Erstarken linkssouveränistischer Kräfte wie der Chunta Aragonesista, Adelante Andalucía oder Compromís, die bei künftigen Wahlen eine Schlüsselrolle spielen dürften.

Zukunftsperspektiven vor schwierigen Verhandlungen

Der künftige Einfluss der Partei hängt maßgeblich von ihrem Gewicht in den Koalitionsverhandlungen für die nächsten Wahlen ab. Experten rechnen damit, dass Movimiento Sumar bei der Verteilung aussichtsreicher Listenplätze das Nachsehen haben wird – die Aussichten für die linken Kräfte jenseits der PSOE gelten ohnehin als gedämpft. Derweil arbeitet die Allianz Sumar an einem Neustart: Eine neue Marke und eine Führungspersönlichkeit für die für 2027 erwarteten Parlamentswahlen müssen noch gefunden werden. Der bevorstehende politische Herbst verspricht alles andere als ruhig zu werden, berichtet die spanische Presse.


Quelle: 20minutos.es