Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Gibraltar: Abbau der Grenzanlagen beginnt vor Juli
Erste bilaterale Gespräche nach Abschluss des Abkommens
Der Abbau der physischen Grenzanlagen, der sogenannten “Verja”, zwischen Gibraltar und Spanien wird noch vor dem 15. Juli beginnen. Das gab die Regierung des britischen Überseegebiets nach einem Treffen zwischen dem spanischen Außenminister José Manuel Albares und Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo bekannt. Die vollständige Beseitigung der Barrieren werde jedoch erst nach diesem Stichtag erfolgen, wie aus Regierungskreisen verlautete.
Das Treffen der beiden Politiker im Madrider Palacio de Viana war das erste seiner Art und diente der Vorbereitung auf die vorläufige Anwendung des im Dezember zwischen der EU und Großbritannien ausgehandelten Abkommens. Picardo betonte in einer Pressekonferenz, dass der 15. Juli der Zieltermin für den Start der neuen Schengen-Kontrollen am Flughafen und im Hafen Gibraltars sei. “Es ist viel Zaun, wir können das nicht alles an einem Tag machen”, so Picardo wörtlich. Der Prozess des physischen Abbaus solle aber bereits davor eingeleitet werden, um die vertraglichen Verpflichtungen rechtzeitig erfüllen zu können.
Normalisierung der Beziehungen im Fokus
Picardo wertete das bilaterale Gespräch als wichtigen Schritt zur Normalisierung. “Es wäre sehr abnormal, wenn wir in Zukunft so weitermachen wie in der Vergangenheit, mit einer Grenze zwischen uns, die uns trennt”, erklärte er. Stattdessen müsse man auch den “Geist des Vertrages” umsetzen, was regelmäßige Gespräche erforderlich mache. Er hoffe, dass solche Treffen in Zukunft zur Normalität würden und keine Schlagzeilen mehr wert seien.
Hintergrund ist das Abkommen, das den freien Personen- und Warenverkehr über die Grenze ermöglichen soll, ohne dass Reisende Dokumente vorzeigen müssen. Ein ursprünglich für den 10. April geplanter Start war verschoben worden, unter anderem wegen der Einführung des neuen Europäischen Einreise-/Ausreisesystems (EES).
Albares besucht die Grenzregion
Zur konkreten Umsetzung reist Außenminister Albares am Donnerstag in die andalusische Grenzregion Campo de Gibraltar. Sein Programm umfasst, wie aus Regierungskreisen verlautete, Gespräche mit lokalen Bürgermeistern und Wirtschaftsvertretern sowie einen Besuch der Baustellen im Grenzbereich bei La Línea de la Concepción.
In Algeciras wird der Minister ein Informationsseminar zum Gibraltar-Abkommen eröffnen und eine Pressekonferenz abhalten. Geplant sind auch Treffen mit dem Bürgermeister von San Roque, Juan Carlos Ruiz Boix, der zugleich Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im spanischen Parlament ist.
Ein historischer Schritt für die Mobilität
Für die Bewohner auf beiden Seiten der Grenze bedeutet das Abkommen einen historischen Wandel. Picardo äußerte seine persönliche Motivation: “Ich werde nicht aufhören zu arbeiten, bis ich den ersten gibraltarischen Bürger, den ersten Einwohner Gibraltars, den ersten Bewohner des Campo de Gibraltar sehe, dort hinübergehen zu sehen, wo immer eine Grenze war, ohne ein Dokument vorzeigen zu müssen.”
Alle beteiligten Parteien betonen ihren guten Willen, den Zeitplan einzuhalten und keine weiteren Verzögerungen zuzulassen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Vision eines nahtlosen Grenzübergangs Wirklichkeit wird.