Kanpai-Plan: Kataloniens Offensive gegen Serienstraftäter

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Kanpai-Plan: Kataloniens Offensive gegen Serienstraftäter

von Redaktion

Strategiewechsel in der Kriminalitätsbekämpfung

Die katalanische Regierung bewertet ihr gezieltes Vorgehen gegen Serienstraftäter als wirksamen Paradigmenwechsel. Innenministerin Núria Parlon bezeichnete den sogenannten Kanpai-Plan zusammen mit dem neuen Gesetz gegen Multireinzidenz in einer aktuellen Stellungnahme als "gewinnbringende" Strategie. Ziel sei es, einen Kreislauf der Straflosigkeit zu durchbrechen und Katalonien als schwieriges Terrain für kriminelle Aktivitäten zu etablieren, wie aus einem Bericht von El Periódico de Catalunya hervorgeht, der von Europa Press aufgegriffen wurde.

Laut Parlon sind diese Maßnahmen ein Wendepunkt, da sie sich auf eine spezifische Tätergruppe konzentrieren. Diese Gruppe, die etwa 10 Prozent aller Straftäter ausmache, sei für knapp 39 Prozent aller begangenen Delikte verantwortlich. Die Effektivität der Maßnahmen wird laut der Ministerin durch die Justiz und die Möglichkeit, örtliche Aufenthaltsverbote für bekannte Deliktszonen zu verhängen, verstärkt, was die Täter direkt zur Rechenschaft ziehe.

Erste statistische Trends zeigen gemischtes Bild

Die Bewertung stützt sich auf vorläufige Kriminalstatistiken für das erste Quartal des Jahres 2026. Parlon verwies auf einen Rückgang bei Eigentumsdelikten, die etwa 80 Prozent der Gesamtkriminalität in Katalonien ausmachen. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025 sei hier ein Minus von 7,1 Prozent zu verzeichnen. Konkret genannt wurden ein Rückgang von Raubüberfällen mit Gewaltanwendung um 10.277 Fälle im Vergleich zum ersten Quartal 2022, ein Minus von 8,1 Prozent bei Raubdelikten unter Einschüchterung und ein Rückgang von 11,2 Prozent bei Einbrüchen in Wohnungen.

Die Innenministerin mahnte jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Frühdaten. Es gehe darum, einen strukturellen Abwärtstrend zu konsolidieren und nicht nur die Effekte punktueller Aktionen zu messen.

Mobile Einsatzkonzepte und erweiterte Präsenz

Ein Kernelement des Kanpai-Plans ist seine Flexibilität. Die Einsatzkonzepte werden dort implementiert, wo akute Problemstellen identifiziert werden, und in Koordination mit anderen Polizeibehörden sowie privaten Sicherheitsdiensten. Als Beispiel nannte Parlon den Kampf gegen Diebstähle auf Autobahnen und Schnellstraßen, wo die Deliktzahlen nach ihren Angaben um 37 Prozent gesunken sein sollen. Für die nahe Zukunft kündigte sie ähnliche fokussierte Einsätze im öffentlichen Busverkehr an.

Parallel dazu wird der "Plan Confianza" umgesetzt, der auf eine verstärkte Präsenz und Bürgernähe der Mossos d'Esquadra abzielt. Die personelle Aufstockung um 1.300 Absolventen der Polizeischule, die insbesondere in touristischen Gebieten eingesetzt werden sollen, werde die Arbeit gegen Serienstraftäter im Sommer "mit mehr Solidität" ermöglichen.

Langfristige Sicherheitsarchitektur als Ziel

Jenseits unmittelbarer Strafverfolgung sieht Parlon die größte Herausforderung im Aufbau einer umfassenden Sicherheitsarchitektur. Diese umfasse technische Maßnahmen wie Videoüberwachung und verbesserte Straßenbeleuchtung ebenso wie sozialpräventive Ansätze durch Gemeinwesenarbeit und Mediation. Die Strategie, so ihr abschließendes Statement, ziele darauf ab, wirksame Maßnahmen umzusetzen, die nicht autoritär, sondern integrativ seien.