Junges Trio belebt Film-Labor in Andalusien

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Junges Trio belebt Film-Labor in Andalusien

von Redaktion

Die Rückkehr des Handwerks

In einer Ära, die von digitaler Flut und KI-gestützter Bildgenerierung geprägt ist, erlebt eine fast verschwundene Handwerkskunst ein unerwartetes Comeback: die analoge Fotografie und Filmentwicklung. Dieser Trend manifestiert sich auch in Málaga, wo ein professionelles Labor für analoge Prozesse lange fehlte. Eine Lücke, die drei junge Gründer vor zwei Jahren schlossen.

Das Projekt „Buganvillas Film Lab“ ist das Ergebnis dieser Initiative. Gegründet wurde es von Beatriz Delgado und Bruno Campos, beide ausgebildet im audiovisuellen Bereich. Später stieß ein dritter Partner zum Team. Die Idee entstand, wie Beatriz Delgado im Gespräch mit dieser Redaktion erläutert, aus einer praktischen Notwendigkeit: „Wir begannen, Filme zu Hause selbst zu entwickeln, weil wir in Málaga keinen Ort fanden, der das anbot.“ Aus diesem persönlichen Bedürfnis heraus wuchs der Plan, einen eigenen, umfassenden Raum für analoge Leidenschaften zu schaffen.

Mehr als nur Entwicklung: Ein Kulturraum im Herzen der Stadt

Der Standort des Labors ist bewusst gewählt: in der Calle Miguel Bueno Lara, in unmittelbarer Nähe zum Campus der Schönen Künste und dem Konservatorium. Damit verfolgt das Projekt von Anfang an einen doppelten Zweck – es ist sowohl ein technischer Servicebetrieb als auch ein kultureller Treffpunkt.

Das Angebot reicht über die klassische Entwicklung von Schwarz-Weiß- und Farbfilmen sowie die Reparatur historischer Kameras hinaus. Kernstück sind regelmäßige Workshops, in denen Interessierte jeden Alters die handwerklichen Prozesse des Scannens und Entwickelns erlernen können. Zudem verbindet das Team, das zuvor in der Filmindustrie tätig war, das Analoge mit dem Digitalen durch eine eigene Produktionsfirma, die auf Dokumentarfilm spezialisiert ist.

Gründungsrealität: Selbstfinanzierung und weibliches Unternehmertum

Die Umsetzung des Projekts erfolgte komplett durch Eigenfinanzierung – ein herausfordernder Weg, besonders für junge Gründer. Beatriz Delgado hebt dabei geschlechtsspezifische Hürden hervor. Ihre vorherigen Erfahrungen in der Filmindustrie beschreibt sie als „sehr machtvoll strukturiert“. Einen freundlicheren, einladenderen Ort zu schaffen, war ein zentrales Motiv. „Ich wollte ein Projekt realisieren, das inklusiv ist und nicht ausgrenzt. Es war mir wichtig, dass es hier in Málaga entsteht“, so Delgado.

Ihr Geschäftspartner Bruno Campos betont den langen Atem, den ein solches Unterfangen erfordert: „Es ist ein Marathon, kein Sprint. Wir sind mit der Einstellung gestartet, dass es nicht darum geht, dass das Geschäft nach einem Jahr bereits den Lebensunterhalt sichert.“ Nach einer zweijährigen Aufbauphase sei das Projekt nun an einem Punkt, an dem es sich selbst trage. Der Erfolg basiere auf kontinuierlicher Reflexion und Anpassung. „Man muss ständig darüber nachdenken, was funktioniert und was nicht, und sich immer wieder neu erfinden“, fasst Campos zusammen.

Resignifikation des Analogen in der digitalen Gesellschaft

Die Gründer deuten den Erfolg ihres Ladens nicht als nostalgischen Rückwärtsgang, sondern als bewusste Neuinterpretation. „Es ist ein Moment, in dem viele zum Analogen, zum Manuellen, zum Haptischen zurückkehren“, analysiert Beatriz Delgado. Der Grund liege in der Gegenwart: „Wir leben in einer so digitalen, von KI geprägten Welt. Das Analoge war immer da, aber jetzt bekommt es eine neue Bedeutung – wir resignifizieren es.“

Bruno Campos sieht darin einen gesellschaftlichen Trend zurück zu traditionellen Handwerken in einer schnelllebigen Zeit. „Der menschliche Körper und der Geist brauchen andere Dinge, sie müssen zur Ruhe kommen. Wir wollen, dass das Althergebrachte zurückkehrt, die Geschäfte von einst.“ Diese Haltung, so die einhellige Überzeugung des Trios, trifft den Nerv einer Generation, die nach echter Erfahrung und einem Gegenpol zur virtuellen Welt sucht.

Quelle: Eigene Recherchen und Gespräche mit den Gründern von Buganvillas Film Lab.