Jordi Pujol wegen Demenz nicht verurteilbar

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Jordi Pujol wegen Demenz nicht verurteilbar

von Redaktion

Entscheidung basiert auf medizinischen Befunden

Die Audiencia Nacional hat den früheren Präsidenten der katalanischen Regionalregierung, Jordi Pujol, aus dem gegen ihn und seine Familie angestrengten Prozess ausgeschlossen. Die Entscheidung des Gerichts folgte einer neuerlichen medizinischen Untersuchung des 95-jährigen Politikers am Sitz des Gerichts in Madrid. Der Richter verkündete, dass Pujol aufgrund seines Gesundheitszustandes „aus dem Verfahren“ entlassen wird.

Diagnose: schwerer und irreversibler kognitiver Abbau

Die Grundlage für diese Entscheidung bildet ein bereits im November erstelltes forensisch-medizinisches Gutachten. Dem Bericht zufolge, der der Nachrichtenagentur Europa Press zugänglich war, wurde bei Jordi Pujol eine „große neurokognitive Störung gemischten Typs (Alzheimer-Typ und vaskulärer Typ)“ diagnostiziert. Die damit verbundene kognitive Beeinträchtigung wird als moderat, jedoch „irreversibel, progressiv, evolutiv und ohne effektive Behandlung“ beschrieben. Die Mediziner stellten fest, dass der Ex-Regierungschef nicht in der Lage sei, sich vor Gericht zu verteidigen oder eine Reise nach Madrid zu unternehmen.

Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen

Die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine neunjährige Haftstrafe und eine Geldstrafe von 204.000 Euro für Jordi Pujol gefordert. Er wurde als mutmaßlicher Haupttäter einer kriminellen Vereinigung und der Geldwäsche angeklagt. Die Behörde behauptet, dass Pujol und seine sieben Kinder über Jahrzehnte eine illegale Struktur bildeten, um sich durch Korruption zu bereichern. Die Anklage gegen seine Kinder und 15 mutmaßliche Mitarbeiter, einschließlich Unternehmer, die angeblich zur Geldwäsche beigetragen haben, bleibt vollständig bestehen. Für Pujols ältesten Sohn, Jordi Pujol Ferrusola, fordert die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe von 29 Jahren Haft.

Verfahren gegen die Familie wird fortgesetzt

Wie Europa Press berichtet, werden die Vernehmungen der weiteren Angeklagten, unter ihnen alle sieben Kinder des Ex-Präsidenten, fortgesetzt. Die Kernanklage bleibt unberührt: Die Staatsanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft vertreten die Position, dass die Familie Pujol über eine kriminelle Vereinigung öffentliche Aufträge gegen Kommissionen verkaufte und die illegal erlangten Gelder durch fingierte Transaktionen und Gesellschaften verschleierte. Die Behauptung der Familie, dass ihr Vermögen in Andorra eine Erbfolge sei, wird von den Anklagebehörden bestritten.