
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Inklusives Theater: Ein Klassiker neu interpretiert
Ambitionierte Neuinterpretation eines Klassikers
In den Probenräumen der ONCE in Malaga laufen die finalen Vorbereitungen für eine besondere Premiere. Am Samstag, den 13. Juni, stellt die inklusive Theatergruppe 'El Malecón' ihre neueste Produktion vor: 'Las preciosas ridículas… ¿de Molière?'. Unter der Regie von Jamp Palô adaptiert das Ensemble, das aus blinden und schwer sehbehinderten Darstellern besteht, die französische Komödie aus dem 17. Jahrhundert für die Gegenwart. Es handelt sich um eine eigenständige Interpretation, die, wie Palô gegenüber Axarquía Plus erklärt, Elemente der Commedia dell‘arte sowie französisches und spanisches Theater aufnimmt.
Die Besonderheit dieser Inszenierung liegt nicht nur in der kreativen Textbearbeitung, sondern vor allem in ihrer Entstehung. Zehn Darsteller, sechs davon Mitglieder der ONCE Malaga, haben sich fast ein Jahr lang auf die Produktion vorbereitet. Ihr Ziel ist klar formuliert: Sie wollen demonstrieren, dass inklusives Amateurtheater ein professionelles Niveau erreichen kann.
Regiearbeit und persönliche Entwicklung
Für Regisseur Jamp Palô, der die Gruppe seit 2023 leitet, ist es die dritte Inszenierung mit diesem Ensemble. Seine Methode beschreibt er als maßgeschneidert: "Ich erschaffe die Charaktere so, dass sie zur Anzahl unserer Schauspieler passen. Aber nur in der Zahl. Danach fordere ich sie heraus, ihren Stil zu wechseln, zu lernen und über sich hinauszuwachsen." Diese Herangehensweise wird von der Darstellerin Gracia Acedo bestätigt: "Jamp weiß genau, was er jedem Einzelnen abverlangen kann, und er begnügt sich nie mit weniger. Diese Forderung nach Exzellenz hat uns alle besser werden lassen."
Die Probenarbeit geht über die schauspielerische Leistung hinaus und schließt individuelle Lernprozesse ein. Juan Jesús, der seit seiner Geburt blind ist, beschreibt seine Erfahrung: "Man hat mir nonverbale Kommunikation beigebracht. Jetzt weiß ich, wie ich meine Hände bewegen oder mich im Raum positionieren muss, um etwas auszudrücken." Für Lola Rodríguez, eine weitere Neueinsteigerin, hatte die Teilnahme einen deutlich positiven Effekt auf ihr Selbstvertrauen nach einem Verlust an Sehkraft.
Technische und dramaturgische Anpassungen
Die Inszenierung setzt gezielt auf multisensorische Elemente, um allen Ensemblemitgliedern die Orientierung und Teilhabe zu ermöglichen. Die Bühne ist mit podotaktilen Markierungen ausgestattet, und die Positionierung von Requisiten folgt einem konsistenten System. Diese Anpassungen werden nicht als Einschränkung, sondern als kreatives Werkzeug genutzt. So integriert Gracia Acedo, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, eine Satteltasche als wichtiges Requisitenlager in ihre Rolle.
Verstärkt wird das Team durch drei neue Mitglieder: Sergio als Regieassistent sowie Elena und Juanma im Bereich Kostüm. Ihre Mitarbeit hat, wie Darstellerin Manoli González betont, die professionelle Qualität der Produktion spürbar gesteigert. Die Kostüme dienen dabei der klaren Charakterdefinition und folgen einer von Palô vorgegebenen einheitlichen Ästhetik.
Ein Statement für inklusive Kultur
Die Produktion von 'El Malecón' ist mehr als eine Theateraufführung; sie ist ein Statement. Sie zeigt, wie künstlerische Arbeit unter inklusiven Vorzeichen funktionieren und qualitativ überzeugen kann. Die Gruppe nutzt ihre spezifischen Voraussetzungen nicht nur, sie macht sie zum integralen Bestandteil ihrer Kunst. Damit positioniert sie sich bewusst im Kulturleben der Region und fordert eine Neubewertung von Amateur- und inklusivem Theater ein.
Parallel zu diesem Projekt engagiert sich Regisseur Jamp Palô auch an der Universität Malaga und im Teatro Cánovas für Projekte wie 'Teatro fácil', die Kunst für Menschen mit intellektuellen Behinderungen zugänglicher machen.
Quelle: axarquiaplus.es