Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff löst Regierungskrise aus

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff löst Regierungskrise aus

von Redaktion

Politischer Streit um Seuchen-Schiff

Die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius vor der Küste Teneriffas hat am frühen Sonntagmorgen einen schwerwiegenden Konflikt zwischen der autonomen Regierung der Kanarischen Inseln und der spanischen Zentralregierung in Madrid offengelegt. An Bord des Schiffs war zuvor ein Ausbruch des Hantavirus, eines potenziell gefährlichen Erregers, bestätigt worden. Während das Schiff auf Reede liegt, eskaliert der Dissens über den Umgang mit der Lage in eine öffentliche Auseinandersetzung.

Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, erklärte am Sonntag, seine Regierung habe den Aufenthalt des Schiffs nicht autorisiert, um nicht "Mithelfer einer Gefährdung der Gesundheitssicherheit" zu werden. Wie er in einer Stellungnahme darlegte, fordere seine Regierung seit Tagen technische Berichte und wissenschaftliche Erklärungen vom Gesundheitsministerium in Madrid, habe diese aber nicht erhalten. "Wir haben keinen einzigen technischen Bericht, der uns sagt, dass das Risiko gleich Null ist", so Clavijo. Er berief sich auf die lokalen Gesundheitsbehörden, die eine minimale Verweildauer des Schiffes in kanarischen Gewässern empfehlen.

Zentrale Anordnung gegen regionale Bedenken

Die Bedenken der Regionalregierung stießen auf unmittelbaren Widerstand der Zentralbehörden. Die Generaldirektion für die Handelsmarine, dem Verkehrsministerium unterstellt, erließ noch am Sonntag eine Resolution, die den Einlauf des MV Hondius in den Hafen von Granadilla anordnet – sei es durch kontrolliertes Ankern oder direktes Anlegen. Die Direktorin Ana Núñez Velasco begründete den Schritt mit einem kombinierten Risiko für die maritime Sicherheit und der Notwendigkeit medizinischer Hilfe an Bord.

Der Kern des Streits liegt in der Zeitplanung. Die kanarische Regierung bestand darauf, dass alle Passagiere noch am Sonntag repatriiert werden. Das Gesundheitsministerium wies dies zurück und erklärte, etwa 40 Passagiere könnten erst am Montag ausfliegen, da das dafür vorgesehene Flugzeug noch nicht eingetroffen sei. Folglich könne das Schiff frühstens am Montag seine Weiterreise in die Niederlande antreten.

Gegenseitige Vorwürfe und wissenschaftliche Kontroverse

Die Auseinandersetzung artete in gegenseitige politische Vorwürfe aus. Der kanarische Präsident Clavijo kritisierte laut Berichten den mangelnden Dialog und warf unlogische Entscheidungen vor, etwa warum Passagiere in Busse, aber nicht in ein Flugzeug mit 250 Sitzplätzen steigen dürften. Als konkretes Risiko nannte er die theoretische Möglichkeit, dass ein infiziertes Nagetier von Bord schwimmen und das Virus an Land tragen könnte.

Das Gesundheitsministerium konterte scharf. Staatssekretär Javier Padilla beschuldigte Clavijo, mit "Politik eine weltweit bedeutende Operation zu sabotieren". Die Vorstellung eines infizierten Nagetiers, das 200 Meter schwimme und einen Kai erklimme, um Teneriffa zu kolonisieren, stelle kein realistisches Risiko dar, so Padilla in einer Fernsehstatement. Er betonte, medizinisches Personal habe bestätigt, dass alle Personen an Bord asymptomatisch seien und das Schiff nagetierfrei sei. Zudem handele es sich beim Überträger des Hantavirus um einen Berg-, keinen Meeressäuger. Die Operation zur Evakuierung der Passagiere aus 23 Ländern folge europäischen Protokollen und laufe in Rekordzeit ab.

Gesundheitsministerin Mónica García appellierte am Montagmorgen, die Behörden arbeiten zu lassen. Derzeit läuft unter hoher Spannung der Abtransport der verbliebenen Passagiere. Die Resolution der Handelsmarine erlegt der Hafenbehörde von Granadilla die Pflicht auf, alle notwendigen Dienstleistungen wie Lotsung und Schlepper bereitzustellen, um die Ankunft des MV Hondius sicherzustellen.