
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Granada: Über 420 Beben binnen vier Tagen
Granada erlebt eine außergewöhnliche seismische Aktivität. Innerhalb von nur vier Tagen verzeichnete das Instituto Geográfico Nacional (IGN) mehr als 420 Erdbeben in der Provinz. Der Großteil der Erdstöße blieb mit einer Magnitude unter 1,5 jedoch für die Bevölkerung kaum wahrnehmbar, wie der Sismologe Carlos González gegenüber 20minutos erläuterte. In einem offiziellen Bericht listet das IGN insgesamt 136 Seismen mit einer Stärke von mindestens 1,5 oder solchen, die von Bürgern deutlich gespürt wurden – beginnend mit dem 15. August, 00:03 Uhr.
Intensive Sequenz erreicht Höhepunkt
Die Serie erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt am Dienstag. Ein Erdbeben der Magnitude 4,8 erschütterte Gójar und erreichte dort eine Intensität von V bis VI auf der Mercalli-Skala. Kurz darauf folgte ein Beben der Stärke 4,2 nördlich von Alhendín. Weitere Erdstöße mit Magnituden von 4,0 östlich von Ogíjares und 3,9 in Churriana de la Vega wurden ebenfalls registriert. Besonders bemerkenswert ist eine Phase zwischen 08:37 und 10:40 Uhr, als innerhalb von etwas mehr als zwei Stunden 23 Erdbeben auftraten – beginnend mit dem Epizentrum in Gójar und endend mit jenem bei Ogíjares.
Behörden erhöhen Alarmstufe
Die Provinzverwaltung hat angesichts der anhaltenden Erschütterungen die Phase von der Vorwarnung auf die Notfallsituation 1 angehoben. Dieser Schritt ermöglicht den Einsatz zusätzlicher Mittel und verbessert die Informationsweitergabe an die Bevölkerung. Beim Notruf 112 sind bisher rund 500 Anrufe eingegangen. Die seismische Aktivität forderte nach Angaben von Antonio Sanz, dem regionalen Minister für Notfallmanagement, drei leicht verletzte Personen – darunter ein Minderjähriges, das in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Eine zwölfköpfige Sanitätshilfe wurde geleistet, vorwiegend aufgrund von Angstzuständen, Nervosität und einigen Stürzen.
Geologische Ursachen in der Betichen Kordillere
Die Ursache für die Erdbeben liegt in der geologischen Beschaffenheit der Region: Granada befindet sich in der Betichen Kordillere, einem Gebiet, in dem zahlreiche Verwerfungssysteme aufeinandertreffen und sich ständig bewegen. Durch diese Bewegungen sammeln sich Spannungen in der Erdkruste an, bis das Gestein dem Druck nicht mehr standhalten kann und sich schlagartig verschiebt – ein Prozess, der Energie in Form seismischer Wellen freisetzt. Carlos González erklärt dies mit einem anschaulichen Vergleich: „Die Verwerfungen akkumulieren Anstrengungen und Spannungen; wenn die Erde nicht mehr kann und zu viel Druck konzentriert, bewegt sie sich – als würde man etwas schieben, bis es plötzlich nachgibt. Diese Bewegung entlädt sich in Form von seismischen Wellen, die den Boden erschüttern."
Keine Vorhersage möglich
Der Experte erwartet, dass die Erdbeben anhalten werden, warnt jedoch vor falschen Erwartungen: „Die Erschütterungen werden sich in den kommenden Tagen fortsetzen, aber es ist unmöglich, ihre Magnitude oder die Region vorherzusagen, in der sie auftreten." Er verweist auf das Jahr 2021, als ähnliche Sequenzen über Monate anhielten – die stärksten Beben wurden damals im Winter registriert, doch auch im Sommer folgten weitere Erdstöße. Eine zeitliche Begrenzung sei nicht absehbar.
Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung
Das IGN hat klare Richtlinien für den Umgang mit Erdbeben veröffentlicht. Wer sich in einem Gebäude aufhält, sollte Abstand zu Möbeln, Fenstern und Lampen halten und den Kopf schützen – idealerweise unter einem robusten Tisch. Auf der Straße gilt: Abstand zu Gebäuden, Mauern und Strommasten suchen, offene Flächen wie Parks ansteuern. Autofahrer sollten ihr Fahrzeug anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und im Wagen bleiben. Generell sind Aufzüge zu meiden, beschädigte Gebäude dürfen nicht betreten werden, und offene Flammen sind zu vermeiden. Nach dem Beben sollten Wasser-, Strom- und Gasleitungen geschlossen werden.
Die Situation in der Provinz bleibt angespannt – die Behörden rechnen mit weiteren Erdstößen und raten der Bevölkerung, die Sicherheitshinweise strikt zu befolgen.
Quelle: Informationen basierend auf Berichten und Angaben des Instituto Geográfico Nacional sowie Aussagen von Carlos González, wiedergegeben in 20minutos.
Quelle: 20minutos.es