
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ein Zentrum kippt: Disziplinarprozess gegen gesamte Leitung
Es war ein lange gärendes Konfliktherd, jetzt bricht die Kruste: Die Bildungsadministration der Balearen hat gegen die gesamte Führungsetage des Centro de Tecnificación Deportiva de Balears (CTEIB) in Palma Disziplinarverfahren eröffnet. Das ist kein Routineverwaltungsakt, sondern der institutionelle Vollzug eines Skandals, dessen Dimensionen – von finanzieller Schlamperei über systematischen Absentismus bis zur persönlichen Demütigung im Kollegium – nun offen liegen. Die Bildungsbehörde, wie aus deren Antwort auf eine Nachfrage dieses Journals bekannt wurde, handelt auf Basis vertraulicher Inspektionsberichte vom Juni. Ein Punkt ohne Rückkehr ist erreicht.
Die Führungsetage im Fadenkreuz
Im Kern der Vorwürfe steht Direktorin Sonia Gabaldón. Gegen sie wird eine schwere Disziplinarmaßnahme wegen „mangelnder Leistung, die die Dienstfunktion beeinträchtigt“ vorgeschlagen. Diese administrative Formulierung ist die Sanktion für eine, wie interne Kritiker längst monierten, „irrationale und wenig engagierte Führung“, die die pädagogischen Bedürfnisse des Sportzentrums vernachlässigte.
Nicht weniger gravierend sind die Vorwürfe gegen ihren Mann, Antoni Albertí, den Leiter des Studienbereichs für Spezialregime. Auch ihm droht eine schwerwiegende Sanktion. Der Kern: Er soll, laut den Untersuchungsberichten, aktiv versucht haben, das System zur Zeiterfassung zu unterlaufen, um unbegründete Abwesenheiten vom Arbeitsplatz zu verschleiern. Dies korrespondiert direkt mit früheren Warnungen in der Jahresprogrammierung, die die Leitung dazu verpflichtete, ihre Mindestpräsenz im Zentrum wieder einzuhalten – weil Unterrichtsstunden wohl nur auf Papier, nicht in Realität existierten.
Finanzen und Personal: Ein System der Absenz
Das organisatorische Versagen zieht weitere Kreise. Die Sekretarin des Zentrums steht wegen einer leichteren Verfehlung unter Verfahren: Vernachlässigung in der Ausübung eigener Funktionen, konkret im Management, der Registrierung und Kontrolle der finanziellen Mittel der Institution. Besonders heikel hier: Die Inspektion hatte bereits einen Restbetrag von 159.000 Euro und die Notwendigkeit, jede Ausgabe über 2.100 Euro mit drei verschiedenen Budgets zu rechtfertigen, ins Visier genommen.
Der Leiter der Studienabteilung für Berufsbildung komplettiert das Bild des Kontrollverlusts. Auch ihm wird eine leichte Sanktion wegen „mangelnder Sorgfalt oder Negligence der eigenen Funktionen“ vorgeschlagen. Er soll kein adäquates Monitoring der Lehrkräfte-Präsenz durchgeführt haben, wodurch ein effektives, systematisches Zeiterfassungssystem fehlte. Die Berichte zeigen ein operatives Desaster: Lehrer, die angeblich mehrere Jobs parallel ausübten und als „präsent“ im Zentrum eingetragen wurden, während sie physisch nicht dort waren – eine Praxis, die unter der Duldung der Studienleitung florierte.
Demütigung als Betriebskultur
Über die administrativen Missstände hinaus dokumentiert das Verfahren einen zerrütteten menschlichen Umgang, besonders konzentriert auf den Berater des Zentrums. Dieser profilierte sich als Hauptakteur des Konflikts: Gegen ihn liegen fünf Sanktionsvorschläge vor, drei schwerwiegende, zwei leichte. Die schweren betreffen wieder „mangelnde Leistung“ und „Gehorsamsverweigerung gegenüber Vorgesetzten“.
Die leichteren Verfehlungen jedoch illustrieren das toxische Klima, das, laut den offiziellen Untersuchungsprotokollen, die Hallen des CTEIB dominierte. Dem Berater wird eine konstante „Unkorrektheit“ gegenüber anderen Mitgliedern der Bildungsgemeinschaft zugeschrieben. Episoden werden detailliert: Er habe die Direktorin abwertend als „Mädchen“ bezeichnet und vor Kollegen grobe Kommentare über ihre Professionalität gemacht. Gegen Albertí zeigte er eine „Absicht zu demütigen“, richtete sich mit „erhöhtem Ton“ an ihn und verwendete offensive Bezeichnungen bezogen auf sein physisches Erscheinungsbild, wie „Fettsack“. Diese Vorkommnisse waren, so die Indizien, nicht isoliert, sondern Teil eines Patterns der Missachtung, das das Kollegium irreparabel zerriss und eine unhaltbare Arbeitsumgebung schuf.
Ein Papierberg als Beweis
Ein Kuriosum im digitalen Zeitalter unterstreicht die Dimension der Ermittlungen: Die Administration verschickte die Resolutionen per certified mail. Grund: Die Dichte und Ausdehnung der Dokumentation, über Monate von Inspektoren zusammengestellt, machte eine übliche digitale Übermittlung unpraktikabel.
Auf Nachfrage dieses Journals bleibt die Bildungsbehörde zurückhaltend: „Es ist ein langer Prozess, und einmal abgeschlossen und mit einem definitiven Resolutionvorschlag, werden wir es bewerten“, so die Konsultation von Educación y Universidades. Doch die Verfahrenseröffnung selbst ist bereits eine deutliche Bewertung: Die Leitung eines öffentlichen Bildungs- und Sportzentrums hat auf multiplen Ebenen – finanziell, organisatorisch, menschlich – ihre Verantwortung verletzt. Nun wird der administrative Hammer fallen. Die Frage bleibt: Wer wird, nach dieser implodierten Führung, das Zentrum wieder aufrichten können?
Quellen: Inspektionsberichte der Bildungsbehörde der Balearen vom Juni; Kommunikation der Conselleria de Educación y Universidades; Programmación General Anual des CTEIB.
Quelle: diariodemallorca.es