Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ein Papstbesuch, der Wunden aufreißt
Symbolpolitik statt echter Reue
Wenn Worte und Taten auseinanderklaffen, nennt man das Heuchelei. Wenn dies im höchsten Amt der katholischen Kirche geschieht, ist es ein Skandal. Während Papst Leo XIV. in Barcelona von der “Plage” des Missbrauchs und der “Wunde in nacktem Fleisch” spricht, inszeniert er gleichzeitig einen pastoralen Besuch in der Abtei Montserrat. Für die Opfer ist das kein Trost, sondern ein Schlag ins Gesicht. Miguel Hurtado, der erste Denunziant der Missbräuche in Montserrat und Sprecher der Gruppe “Reparación Integral Ya” (Umfassende Wiedergutmachung jetzt), bringt es auf den Punkt: “Das heilt nicht, das ist, wie Salz in die Wunde zu streuen.” Seine deutliche Kritik übermittelte er in einem Videostatement von Montserrat aus, wie verschiedene Medien berichten.
Montserrat: “Moralisch ungehorsam” gegenüber den Opfern
Die Empörung ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern fußt auf konkreten, schmutzigen Fakten. Die Abtei erkannte 2019 an, dass der Mönch Andreu Soler über drei Jahrzehnte hinweg mindestens zwölf Kinder sexuell missbraucht hatte. Sieben Jahre später, so klagt Hurtado, warten die Opfer noch immer auf umfassende Wiedergutmachung. Noch dreister: Nach dem staatlich-kirchlichen Abkommen zur Entschädigung von Missbrauchsopfern habe sich Montserrat zum “moralischen Ungehorsam” bekannt. Die Begründung der Mönche sei zynisch: Ohne gerichtliches Urteil werde kein Cent gezahlt. Hier offenbart sich die Strategie einer Institution, die auf Zeit spielt und darauf hofft, dass die Opfer verstummen, bevor Gerechtigkeit sie erreicht.
Bad Bunny vs. Glaubwürdigkeit: Die falschen Prioritäten des Papstes
Die Glaubwürdigkeitskrise des Papstbesuchs wird durch eine bittere Pointe vollends absurd. Hurtado wirft Leo XIV. vor, zwar Zeit für ein Treffen und Fotos mit dem Popstar Bad Bunny im Madrider Bernabéu-Stadion gehabt zu haben, nicht aber für ein Gespräch mit einem Missbrauchsopfer, das darum bat. “Das zeigt, dass er die falschen Prioritäten hat”, so der scharfe Vorwurf. Anstatt in Montserrat ein klares Zeichen zu setzen – etwa durch ein stilles Geburt an einem Mahnmal für die Opfer oder ein verbindliches Gespräch –, wählte der Pontifex die ungebrochene Symbolik des Gottesdienstes in der “Ground Zero des katalanischen Klerikalismus”, wie Hurtado den Ort nennt.
Die Forderung: Mahnmal statt frommer Gesten
Die Schlussfolgerung der Betroffenen ist eindeutig und sollte für die Kirche verbindlich sein: Es braucht Taten, keine frommen Worte. Hurtado fordert die Errichtung eines Denkmals für die katalanischen Missbrauchsopfer und öffentliche Anerkennungsakte bei bedeutenden Anlässen. Stattdessen erleben sie, wie die höchste Autorität der Kirche den Ort des Verbrechens besucht, ohne die Opfer zu treffen und ohne auf Wiedergutmachung zu drängen. Diese Inszenierung der Normalität ist der eigentliche Affront. Sie signalisiert: Das Schweigen geht weiter, die Machtstrukturen bleiben unangetastet. Dagegen hat Hurtado nun eine Unterschriftensammlung gestartet. Ein letzter Appell an eine Kirche, die taub zu sein scheint.
Quellen: Statement von Miguel Hurtado, Reparación Integral Ya, übermittelt an Redaktionen; Anerkennung der Missbrauchsfälle durch die Abtei Montserrat (2019); Berichte über den Papstbesuch in Barcelona und Montserrat.
Quelle: europapress.es