Dolores Vázquez: 519 Tage im Gefängnis für ein fremdes Verbrechen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Dolores Vázquez: 519 Tage im Gefängnis für ein fremdes Verbrechen

von Redaktion

Ein Fehlurricht und seine Folgen

Am 9. Oktober 1999 verschwand die 19-jährige Rocío Wanninkhof in Mijas an der Costa del Sol. Wochen später wurde ihre Leiche mit zahlreichen Stichwunden gefunden. Der Fall dominierte die Medien und erzeugte enormen öffentlichen Druck, ohne dass ein klar identifizierter Tatverdächtiger existierte. Wie die Zeitung „Malagahoy“ berichtet, richtete sich die Aufmerksamkeit der Ermittler unter diesem Druck schließlich auf Dolores Vázquez, die Ex-Partnerin der Mutter des Opfers.

Das Verfahren: Vorverurteilung statt Beweise

Im September 2000 wurde Dolores Vázquez von der Guardia Civil festgenommen. Die Grundlage waren nicht substantielle Beweise, sondern widersprüchliche Indizien und ein konstruiertes Profil, das ihre sexuelle Orientierung als Motiv für einen angenommenen „Crime passionnel“ instrumentalisiert. Nach einem Prozess, der laut späterer gerichtlicher Feststellung von schweren Verfahrensfehlern geprägt war, verurteilte ein Laienrichtergericht („Jurado Popular“) Vázquez im Jahr 2001 zu 15 Jahren Freiheitsentzug.

Sie verbrachte 519 Tage im Gefängnis, bevor der Oberste Gerichtshof von Andalusien (TSJA) im Februar 2002 aufgrund einer „fehlenden Motivation“ der Urteilsbegründung eine Wiederaufnahme des Prozesses anordnete und sie unter Auflagen freiließ.

Die Aufklärung und das Leben nach der Haft

Die definitive Aufklärung des Falls erfolgte erst vier Jahre später. Im Jahr 2006 wurde Tony Alexander King wegen des Mordes an der 17-jährigen Sonia Carabantes in Coín festgenommen. Ein Abgleich der DNA-Proben führte zur Entdeckung, dass King auch der Mörder von Rocío Wanninkhof war. Dolores Vázquez wurde damit endgültig entlastet.

Die persönlichen Folgen für Vázquez waren katastrophal. In einem Statement vor der Verleihung der „Medaille zur Förderung der Gleichstellungswerte“ am Tag der lesbischen Sichtbarkeit beschrieb sie ihre Erfahrungen als ein „Kalvarienberg“. Sie sagte, sie sei „sehr wütend auf die Welt“ gewesen und habe es „sehr schlecht“ erlebt. Ihre Familie musste öffentliche Anfeindungen überstehen. Lange Zeit konnte sie nicht arbeiten und ist aufgrund fehlender Beitragsjahre heute auf eine nicht-kontributive Grundrente angewiesen.

Die Frage der Rehabilitation

Vázquez äußerte die Hoffnung auf eine formelle Entschuldigung, insbesondere von der Presse, sowie auf eine staatliche Entschädigung für das erlittene Unrecht. „Das muss die Regierung entscheiden. Ich glaube, mit gutem Willen ist alles möglich“, sagte sie gegenüber Medien. Sie bestätigte, bisher keine Kompensation erhalten zu haben und widerlegte zugleich kursierende Gerüchte über eine fehlerhafte Entschädigungsforderung ihres Anwalts.

Nach Jahren des Rückzugs und der psychischen Belastung erklärte Vázquez, sie habe den Weg der Vergebung gewählt, um nicht selbst zu verloren gehen. „Ich wurde eine Person, die ich nicht war, ich fand mich selbst nicht“, sagte sie, aber sie habe den Prozess Schritt für Schritt überwunden. Die jüngste Ehrung durch die Regierung sowie ein früherer Preis der Stadt Betanzos in Galicia, wo sie heute leben, markieren öffentliche Gesten der Wiedergutmachung.