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DNA-Spur soll auf „indirekte Übertragung“ zurückgehen
Zweifel an der Beweiskette
Im jahrzehntealten Mordfall Helena Jubany hat die Verteidigung des einzigen Beschuldigten, Santiago Laiglesia, am Freitag vor Gericht eine neue Hypothese ins Spiel gebracht. Sein Anwalt Jaime Lapaz argumentierte bei einer Anhörung in Sabadell, die DNA-Spur seines Mandanten an der Kleidung des Opfers könne auf eine „indirekte Übertragung“ zurückzuführen sein – also auf eine Kontamination der Asservate.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, stellte Lapaz die Integrität der Beweiskette infrage. Er verwies darauf, dass Laiglesia einst als Referendar in der Kanzlei des Anwalts von Montserrat Careta arbeitete. Careta, ebenfalls einst verdächtigt, hatte sich 2002 in Untersuchungshaft das Leben genommen. Der Verteidiger vermutet, dass bei einem Zugriff auf die Beweisstücke durch den damaligen Anwalt Caretas eine „Kreuzkontamination“ entstanden sein könnte.
Verschwundene Beweisstücke
Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage der Familie Jubany wiesen die Darstellung umgehend zurück. Ihr Anwalt Benet Salellas bezeichnete die Theorie als „unglaubwürdig“ und warf der Verteidigung vor, das Funktionieren des Gerichts anzugreifen. Zudem sei die Kontaminationsgefahr durch die eigenen Mandanten provoziert worden. Er erinnerte daran, dass die Verteidigung in der Vergangenheit selbst ein Gutachten vorgelegt hatte, das die Beweiskette nicht anzweifelte.
Für zusätzliche Brisanz sorgt ein weiterer Aspekt des Falles: Wie aus Justizkreisen verlautete, ist die Unterwäsche des Mordopfers während der Ermittlungen spurlos verschwunden. Beamte der Nationalpolizei hätten bei der Abholung der Asservate für neue DNA-Tests festgestellt, dass das entsprechende Beweismittel „unversiegelt und leer“ war.
Antrag auf Verfahrenseinstellung abgelehnt
Die Verteidigung von Laiglesia forderte erneut die Einstellung des Verfahrens und beantragte zusätzliche Ermittlungen. Die zuständige Ermittlungsrichterin lehnte dies jedoch ab. Sie verwies auf den Abschluss der Untersuchung und erklärte, sie werde „keine weiteren Verzögerungstaktiken“ akzeptieren.
Die Richterin muss nun innerhalb von drei Tagen entscheiden, ob sie das Hauptverfahren gegen Laiglesia eröffnet. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage haben Anklage erhoben und fordern eine Verhandlung. Laiglesia selbst erschien zu der Anhörung in Begleitung seines Anwalts. Er war im November 2025 vorläufig festgenommen worden, kam aber im Januar dieses Jahres nach einem erfolgreichen Rechtsmittel wieder auf freien Fuß – unter Auflagen wie der Abgabe seines Passes und regelmäßigen Meldepflichten.
Fast 25 Jahre nach der Tat
Sollte das Gericht die Anklage zulassen, drohen Laiglesia im Falle einer Verurteilung bis zu 26 Jahre Haft. Die Anklage wirft ihm Mord mit Heimtücke und Freiheitsberaubung vor. Die Familie des Opfers fordert zudem eine Entschädigung von 600.000 Euro. Auch Xavier Jiménez, der ebenfalls in dem Fall ermittelt wurde, erschien zu der Anhörung. Gegen ihn wurde jedoch keine Anklage erhoben.
Nach der Anhörung zeigte sich Joan Jubany, der Bruder des Opfers, erleichtert über den Fortgang des Verfahrens. Fast ein Vierteljahrhundert nach der Tat hoffe die Familie nun auf einen baldigen Prozessbeginn, um das Leid nicht weiter zu verlängern. Man wolle der „wahren Realität“ durch die „offizielle Wahrheit“ so nahe wie möglich kommen.
Quelle: europapress.es