
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Der Mord an Helena Jubany: Ein ungelöster Fall nach 25 Jahren
Eine junge Frau wird gefunden
Am 2. Dezember 2001 fand ein Bewohner in Sabadell eine Leiche im Innenhof seines Wohnblocks. Es war Helena Jubany, eine 27-jährige Journalistin und Bibliothekarin, deren Familie sie seit zwei Tagen suchte. Das Opfer war nackt, hatte Brandverletzungen auf der Haut und war mit einer extrem hohen Dosis von Beruhigungsmitteln unterdrückt worden. Auf dem Dach des Gebäudes wurden Teile ihrer Kleidung gefunden, ein abgeschnittener Haarschopf, verbrannte Unterwäsche und die Reste verwendeter Streichholzschachteln.
Der Kreis der Verdächtigen
Die Ermittler konzentrierten sich schnell auf die Unió Excursionista de Sabadell (UES), einen Verein für Naturausflüge, dem Helena angehörte. Besonders das Verhalten einer Mitgliedin, Montse Careta, erregte Aufmerksamkeit. Sie reagierte bei der ersten Kontaktaufnahme durch die Polizei abweisend und "distantiert". Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Careta Streichholzschachteln des gleichen Typus wie auf dem Dach sowie Tabletten des Beruhigungsmittels Noctamid gefunden. Die Menge der vermissten Tabletten stimmte laut Ermittlungen mit der extremen Dosis in Helena Jubany's Körper überein – eine Menge, die den normalen Konsum um mehr als 35 Mal überstieg.
Ein entscheidendes Problem der Ermittler: Montse Careta hätte die bewusstlose Helena kaum allein vom Dach transportieren können. Die Logik führte zu ihrem Partner, Santi Laiglesia. Careta wurde inhaftiert, beharrte aber auf ihrer Unschuld und nahm sich im Mai 2002 in der Haft das Leben. Laiglesia blieb unter Verdacht, wie mehrere Medienberichte dokumentieren.
Die anonymen Drohbriefe
Ein entscheidendes Bindeglied zwischen dem Mord und dem Bekanntenkreis waren zwei handgeschriebene Briefe, die Helena einige Monate vor ihrem Tod erhalten hatte. Der erste war eher kryptisch, der zweite, längere Brief deutete bereits eine Gefahr an: "Helena, vor allem anderen, wir hoffen, dass du das mit dem gleichen Sinn für Humor nehmen wie wir... Es ist ziemlich sicher, dass du dich zum Lachen kringeln wird." Der Brief endete mit "Besos" und war neben einem Glas Pfirsichsaft abgelegt.
Helena, die zunächst eine harmlose Neckerei aus der Wandergruppe vermutete, probierte den Saft. Sie wurde so schwer erkrank, dass Bekannte sie heimbringen mussten; am nächsten Tag hatte sie eine Amnesie. Eine Analyse des Getränks ergab: Es war mit Benzodiazepinen – genau der Wirkstoffgruppe, die später in ihrem Körper gefunden wurde – versetzt.
Die Ermittler ordneten drei Schriftvergleiche an. Ein ersten Experte sah eine Übereinstimmung mit der Schrift von Montse Careta. Ein zweiter Analyse deutete auf eine andere UES-Mitgliedin, Ana Echeguivel, mit der Helena laut Berichten wegen einer vermeintlichen romantischen Avance in Konflikt stand. Eine dritte Analyse schloss Echeguivel jedoch aus; sie wird nun als Zeugin im neuen Verfahren gelistet.
Widersprüchliche Aussagen und neue Spuren
Die Zeit zwischen Helena's Verschwinden am 30. November und der Auffindung ihres Körpers am 2. Dezember bleibt ein Schlüsselzeitraum. Die Polizei vermutete, dass sie in dieser Zeit in Montse Caretas Wohnung festgehalten wurde. Bei den Vernehmungen von Careta und Laiglesia traten jedoch erhebliche Diskrepanzen auf: Sie widersprachen sich in Details über ihren Aufenthaltsort und ihre Aktivitäten in diesen Tagen. Laiglesia korrigierte seine erste Aussage später, um sie mit der Version seiner Partnerin abzustimmen.
Auch andere Mitglieder der Wandergruppe lieferten laut Ermittlungsakten so widersprüchliche Versionen, dass ein Richter ein "careo" – eine Gegenüberstellung – anordnete, um die Wahrheit zu prüfen. Einige Ermittler kritisierten diesen Schritt, da er den Verdächtigen die Chance gebe, ihre Stories abzustimmen. Es gab damals sogar die Theorie einer möglichen kollektiven Täterschaft.
Ein forensisches Detail erwies sich als langfristig entscheidend: Auf Helena's Körper wurde eine Substanz gefunden, deren Ursprung zunächst unklar war – möglicherweise ein Gleitmittel. Dieses Spurenmaterial führte, zusammen mit anderen Beweisen, dazu, dass ein Richter das Verfahren 2021 wieder aufrollte. Der Hauptverdächtige Santi Laiglesia steht nun wieder vor Gericht; die Staatsanwaltschaft fordert 26 Jahre Haft. Das Verfahren könnte endlich Antworten auf einen Fall liefern, der seit über zwei Jahrzehnten ungelöst ist.