
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die spanischen Städte mit der teuersten Wohnungslage
Ein aktueller Bericht des Bewertungsunternehmens Tinsa zeichnet ein klares Bild der angespannten Wohnungssituation in Spanien. Die Analyse basiert auf der sogenannten „theoretischen Kaufanstrengungsquote“. Diese simuliert, welchen Prozentsatz ihres jährlichen verfügbaren Einkommens ein durchschnittlicher Haushalt für die erste Rate einer Hypothek aufwenden müsste, um 80 Prozent des aktuellen Durchschnittspreises einer Wohnung zu finanzieren.
Kritische Belastung in über zwei Drittel der Gemeinden
Als kritische Schwelle gelten internationale Standards, die empfehlen, nicht mehr als 35 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufzubringen. Die Tinsa-Studie, die relevante Gemeinden mit Ausnahme der Provinzhauptstädte untersucht, kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: In 67 Prozent der analysierten Kommunen liegt die theoretische Kaufanstrengung über dieser Grenze. Für einen Großteil der spanischen Bevölkerung ist der Erwerb von Wohneigentum demnach finanziell kaum mehr zu stemmen.
Marbella führt Negativ-Ranking an
An der Spitze dieses Negativrankings steht die andalusische Stadt Marbella. Hier müsste ein durchschnittlicher Haushalt rechnerisch 63 Prozent seines jährlichen Einkommens für die Hypothekenrate aufbringen – der höchste Wert unter allen untersuchten Gemeinden. Die Situation wird als „kritisch“ eingestuft, ein Status, der beginnt, sobald die Quote 45 Prozent übersteigt.
Auf den weiteren Plätzen folgen Benidorm (Provinz Alicante) mit 59 Prozent und Hospitalet de Llobregat (Provinz Barcelona) mit 56 Prozent. Auch Vélez-Málaga, ein weiterer Ort in der Provinz Málaga, liegt mit einer Quote von 50 Prozent deutlich im kritischen Bereich. Insgesamt 25 Gemeinden überschreiten die 45-Prozent-Marke. Sie konzentrieren sich fast ausnahmslos auf touristisch geprägte Küstenregionen wie das Mittelmeer und die Küste von Cádiz sowie auf das Ballungsgebiet Madrid.
Preissteigerungen verschärfen die Lage
Diese extreme finanzielle Belastung wird durch anhaltende Preissteigerungen weiter verschärft. Laut Tinsa verzeichneten etwa die Hälfte der untersuchten Gemeinden Jahrespreissteigerungen von über zehn Prozent. Besonders betroffen sind die Metropolregion Madrid sowie Küstengemeinden in den Provinzen Málaga, Valencia, A Coruña, Alicante, Cádiz und auf den Kanarischen Inseln.
In Marbella stiegen die Preise im betrachteten Zeitraum um mehr als 20 Prozent, in Vélez-Málaga um über 15 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3.672 Euro zählt Marbella zu den teuersten Gemeinden Spaniens. Ein weiterer Indikator für die lokale Marktüberhitzung: In acht untersuchten Küstengemeinden, darunter Marbella, Benidorm und Getxo, liegen die Immobilienpreise mittlerweile über denen der jeweiligen Provinzhauptstadt. In Marbella kostet der Quadratmeter 31 Prozent mehr als in der Stadt Málaga.
Die Daten der Studie zeigen eine tiefe Spaltung des spanischen Immobilienmarktes. Während die Nachfrage in beliebten Küsten- und Metropolregionen die Preise in für Normalverdiener unerreichbare Höhen treibt, wird der Traum vom Eigenheim für einen Großteil der Haushalte zur theoretischen Rechenübung.
Quelle: diariosur.es