Die Pujol-Erben und das undurchsichtige Andorra-Vermögen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Die Pujol-Erben und das undurchsichtige Andorra-Vermögen

von Redaktion

In einem der prominentesten Korruptionsverfahren Spaniens haben fünf der sieben Kinder des ehemaligen katalanischen Präsidenten Jordi Pujol vor der Audiencia Nacional ausgesagt. Im Zentrum der Befragung stand die Herkunft eines Millionenvermögens, das die Familie über Jahrzehnte in andorranischen Banken verwaltet hatte. Die Aussagen der Angeklagten, von der Nachrichtenagentur Europa Press protokolliert, folgten einer klaren gemeinsamen Linie: Die Verantwortung liegt bei ihrem Großvater.

Die undeklarierte Erbschaft des Großvaters

Marta und Mireia Pujol Ferrusola, zwei der Töchter, beschrieben das von ihrem Großvater Florenci Pujol hinterlassene Vermögen als „opak“. Es sei bewusst nicht Teil der offiziellen Erbschaft gewesen und nicht dem spanischen Finanzamt gemeldet worden, wie Marta Pujol gegenüber dem Gericht angab. Alle fünf anwesenden Geschwister beteuerten übereinstimmend, ihr Vater Jordi Pujol habe von diesem Vermögen nie gewusst und selbst keine Konten in Andorra besessen.

Nach ihren Angaben hinterließ Florenci Pujol bei seinem Tod im Jahr 1980 umgerechnet etwa 140 Millionen Peseten in Dollar in dem Pyrenäen-Staat. Durch die Verwaltung ihres ältesten Bruders, Jordi Pujol Ferrusola, sei dieses Vermögen bis 1990 auf den Gegenwert von 500 Millionen Peseten in Wertpapieren und Staatsanleihen angewachsen. Die Auszahlung an die einzelnen Geschwister – jeweils über 62 Millionen Peseten – erfolgte laut ihrer Schilderung zwischen 1992 und 2000 über Konten bei der damaligen Banca Reig, der späteren Andbank.

Strukturierung über Stiftungen und der Druck der Öffentlichkeit

Als die Bank sie 2010 aufgrund ihrer politischen Exposition als „politisch exponierten Personen“ einstufte, transferierten sie das Geld zur Banca Privada d'Andorra (BPA). Dort rieten ihnen Berater 2012 aus „Sicherheitsgründen“ zur Eröffnung von Konten auf Stiftungsnamen. Sie nannten als Gründe den Schutz vor neugierigen Bankangestellten, die nach der Veröffentlichung der Falciani-Liste als „Whistleblower“ hätten auftreten können, sowie die Umgehung einer neuen andorranischen Sparsteuer.

Die entscheidende Wende kam 2014. Ein Bericht der Zeitung „El Mundo“, der ihre Konten aufdeckte, zwang sie nach eigener Darstellung zur Regularisierung der gesamten Gelder. „Der Grund für die Regularisierung der Gelder ist der Screenshot von 'El Mundo'“, fasste Marta Pujol die Situation zusammen.

Verteidigung der eigenen Unschuld und Angriff auf die Beweisführung

Auf Nachfrage zur Herkunft des Vermögens verwies Marta Pujol auf die unternehmerischen Erfolge ihres Großvaters, darunter den Kauf des Laboratorio Martín Cuatrecasas und die Mitgründung der Banca Catalana. Die Geschwister betonten, das Geld nicht für ihren Lebensunterhalt genutzt, sondern gespart oder reinvestiert zu haben. Sie bestritten einstimmig, jemals versucht zu haben, Beamte oder Behörden zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Oriol Pujol griff zudem die Beweisführung der Anklage an. Die Belastung seiner Ehefrau in dem Verfahren beruhe auf der angeblichen Mitinhaberschaft eines Kontos mit seinem Bruder, über das „El Mundo“ berichtet hatte. Diese Information stamme aus einem nicht unterzeichneten, „apokryphen“ Polizeibericht derselben Einheit, der in der Vergangenheit bereits falsche Konten verschiedenen Personen in Katalonien zugeschrieben habe.

Der Prozess soll klären, ob es sich bei dem Familienvermögen um das Ergebnis illegaler Aktivitäten unter Ausnutzung der politischen Position Jordi Pujols handelt oder, wie die Familie behauptet, um eine legale, wenngleich ursprünglich undeklarierte Erbschaft.