Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die Marbella-Gesellschaft im Fadenkreuz der "Cloacas"-Ermittlungen
Chronik einer geprüften Schaltstelle
Die spanische Zentralermittlungseinheit (UCO) der Guardia Civil hat eine in Marbella ansässige Gesellschaft namens Andalkadi S.L. als eine der potenziellen juristischen Hüllen identifiziert, die von der mutmaßlichen Schattenstruktur, den sogenannten “Cloacas”, für verdeckte Geldflüsse erwogen wurde. Dies geht aus dem Ermittlungsbericht 89/2026 hervor, der diesem Beitrag vorliegt.
Konkret wurde die Nutzung von Andalkadi in abgehörten Gesprächen zwischen der ehemaligen sozialistischen Aktivistin Leire Díez und Vicente Fernández, dem früheren Präsidenten der staatlichen Beteiligungsgesellschaft SEPI, diskutiert. Wie die UCO dokumentiert, äußerte Fernández dabei Zweifel, ob das Gesellschaftszweck der Firma geeignet sei. „Ich weiß nicht, ob der Gesellschaftszweck von Andalkadi der beste ist, um diese Zahlungen zu erhalten. Wenn ich mich nicht irre, war er sehr immobilienlastig“, so eine zitierte Aussage Fernández’.
Steuerliche Durchleuchtung offenbart Leerlauf
Das Finanzamt übermittelte dem Ermittlungsrichter der Audiencia Nacional auf Anfrage die Steuerakten von Andalkadi für die Jahre 2023 bis 2025. Diese Dokumente, die am 6. April 2026 offiziell in das Verfahren aufgenommen wurden, zeigen ein bemerkenswertes Bild: Als alleinige Gesellschafterin und Vertreterin wird María Leire Díez Castro mit einem Anteil von 100 Prozent geführt. Trotz des offiziellen Sitzes in Marbella weisen die Unterlagen keinerlei relevante wirtschaftliche Aktivität aus.
Es sind keine deklarierten Bankkonten, keine Baroperationen, keine Wertübertragungen, Investmentfonds, Immobilien oder Fahrzeuge verzeichnet. Auch Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder Geschäftsbeziehungen mit aktiven Firmen fehlen in den analysierten Dokumenten. Die steuerliche Adresse – „Avenida Cuesta Correa, Esc. 9, 20“ im Komplex Playa Real – entspricht zudem keiner vollständigen Wohnungsnummer in dem Gebäude, was auf einen Fehler oder eine Lücke in der Angabe hindeutet.
Netzwerk und Kontext in Marbella
Die Verbindung der Beteiligten zu Marbella geht über die reine Firmenadresse hinaus. Vicente Fernández besitzt laut den Ermittlungen drei Immobilien in der Stadt. Zudem suchten Fernández und Díez während seiner Zeit bei der SEPI gemeinsam das Rathaus von Marbella auf, um sich über die „städtebaulichen Merkmale von Vermögenswerten“ der staatlichen Gesellschaft in der Gemeinde zu informieren, wie Quellen aus der Kommunalverwaltung gegenüber diesem Medium bestätigten. Dies sei damals aufgrund des öffentlichen Charakters der SEPI nicht weiter aufgefallen.
In der gleichen Gegend von Las Chapas befindet sich auch eine ehemalige Residenz des aufgelösten Instituto Nacional de Industria (INI), des Vorläuferorgans der SEPI.
Systematik der mutmaßlichen Finanzierungswege
Die Erwähnung von Andalkadi steht laut UCO-Analyse nicht isoliert da. Sie wird in einen Kontext von Diskussionen über verschiedene Gesellschaftskonstrukte eingeordnet, die die mutmaßliche Tarnung von Zahlungen ermöglichen sollten. Das Muster sei stets ähnlich: formale Zahlungen, ein passender Rechnungslegungsbegriff und eine dokumentarische Distanz zwischen Geldgeber und letztlichem Begünstigtem.
In den Gesprächen verglichen Díez und Fernández mehrere Optionen. Díez verwies dabei auch auf „Allies“, eine mit Fernández verbundene Firma, und merkte an: „Allies sind nicht du und ich.“ Dieser Austausch belegt, dass das zentrale Problem nicht das Einnehmen von Geldern, sondern deren verdeckter und legitim erscheinender Empfang war. Die Zweifel an Andalkadi entstanden genau deshalb, weil ihr Gesellschaftszweck möglicherweise nicht zu bestimmten Zahlungen passte – die Gruppe suchte nach einer passenden juristischen Fassade.
Schlussfolgerung der Ermittler
Die UCO schließt aus diesen Befunden, dass Andalkadi S.L. als eine der möglichen Wege geprüft wurde, um die Finanzierung von Leire Díez auf undurchsichtige Weise zu kanalisieren. Die Gesellschaft wird einem operativen Umfeld zugeordnet, das die wirtschaftliche Unterstützung der „Cloacas“-Struktur durch die PSOE zum Ziel gehabt haben soll, wie aus dem Ermittlungsverfahren hervorgeht.
Der Nachweis, dass Andalkadi tatsächlich für Zahlungen an die mutmaßliche Schattenstruktur genutzt wurde, bleibt der Untersuchung vorbehalten. Die Ermittlungsakten belegen jedoch, dass ihre Eignung für diesen Zweck aktiv von Schlüsselfiguren des beschuldigten Netzwerks erörtert wurde – während die Gesellschaft steuerlich betrachtet im Leerlauf war.
Quelle: diariosur.es