Die Kurios-Revolution: Wie der größte Sprung des Cirque du Soleil gelingt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Die Kurios-Revolution: Wie der größte Sprung des Cirque du Soleil gelingt

von Redaktion

Seit seiner Premiere im Jahr 2014 hat das Cirque du Soleil-Spektakel "Kurios – Cabinet of Curiosities" weltweit sechs Millionen Zuschauer in 40 Städten erreicht. Am 4. Juni feiert die Produktion nun ihre Erstaufführung in Malaga. Im Zentrum des Shows steht eine fundamentale Neuausrichtung, wie der Autor und Regisseur Michel Laprise in einem exklusiven Interview darlegt.

Eine neue Ära der Verbindung: Die Bühne auf Augenhöhe

Laprise betont eine entscheidende architektonische und philosophische Veränderung. "Wir haben die Bühne abgesenkt, sodass der Blick des Künstlers auf Augenhöhe mit dem des Publikums ist", erklärt er. Dieser Schritt sei bewusst gewählt, um eine unmittelbarere, menschlichere Verbindung herzustellen. Die traditionellen, übermenschlichen "Kreaturen" des Cirque du Soleil wichen in "Kurios" bewusst identifizierbaren Personen. "Die Menschen müssen sehen, wie andere Menschen schwierige Situationen meistern. Das ist Zirkus", so Laprise.

Diese Intimität ist eingebettet in ein Paralleluniversum des späten 19. Jahrhunderts, inspiriert von der industriellen Revolution und ihren Erfindungen wie Telegraph und Grammophon. Laprise versteht das Zelt als eine riesige Radioantenne, die unsichtbare Energien einfängt und auf der Bühne manifestiert. "Es war das goldene Zeitalter der Magie", sagt er. Ein zentrales Anliegen sei es, die menschliche Verbindung durch diese historischen Technologien zu thematisieren – im Kontrast zur heutigen, digitalen Welt.

Die größte Innovation: Eine neue Disziplin und kollektiver Optimismus

Die signifikanteste technische Neuerung in "Kurios" ist laut Laprise eine völlig neue akrobatische Disziplin, die auf einem gigantischen Trampolin basiert. "Der größte Sprung aller Cirque du Soleil-Shows ist in Kurios", stellt er fest. Entdeckt wurde sie von einem Artist und seinem Trainer: Bilden mehrere Artisten einen Kreis und positionieren einen Kollegen in der Mitte, kann dieser zu bisher unerreichten Höhen katapultiert werden. "Die Botschaft ist: Wenn wir uns zusammentun, kann jeder Einzelne Grenzen überwinden, die er alleine nie erreichen könnte", erläutert Laprise das metaphorische Fundament des Stücks.

Dieser kollektive Geist durchdringt die gesamte Produktion. Bis zu 120 Mitwirkende aus 30 Ländern sind beteiligt. Laprise gab an, dass 70 bis 80 Prozent seiner Arbeit dem "Unsichtbaren" – der Atmosphäre, der Emotion, der Seele der Objekte – gewidmet seien. Er entwickelte das Stück maßgeblich basierend auf den Träumen und Wünschen der beteiligten Künstler. "Es ist ihr Spektakel, sie lieben es, es aufzuführen und sind emotional voll dabei", berichtet er.

Universalität und Langzeitkonzept

"Kurios" ist mit insgesamt 14 Nummern – darunter Rola Bola, Luftakrobatik, Handtheater und Contortion – auf globale und langfristige Verständlichkeit angelegt. Laprise betont den universellen Anspruch: "Man muss für den gesamten Planeten denken, dass es allen gefällt und in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren noch relevant ist." Dies stehe im starken Kontrast zu kurzlebigeren Projekten, wie etwa einer Tournee für einen Popstar, die nach wenigen Jahren wieder verschwinde.

Mit seiner Mischung aus historischer Faszination, technischer Innovation und dem Fokus auf menschliche Resilienz und Verbindung stellt "Kurios" nach den Worten seines Schöpfers eine entscheidende Evolution im Werk des Cirque du Soleil dar. Die zentrale Botschaft, die das Publikum mitnehmen soll, ist ebenso simpel wie kraftvoll: Optimismus. Dass alles möglich ist.