Die Gelateria Ca'n Miquel: Widerstand im Altstadt-Oase

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Die Gelateria Ca'n Miquel: Widerstand im Altstadt-Oase

von Redaktion

Ein Start mit Symbolkraft

Am Mittwoch markierte die Gelateria Ca'n Miquel in Palma den Beginn der Sommer-Saison mit einer ungewöhnlichen Initiative. Laut einer Pressemitteilung der Kommunikationsagentur Slowkind wurden 25 Porträts von Kunden erstellt, die im Gegenzug 25 gratis handwerkliche Eiscremes erhielten. Die Aktion zielte laut Maria Antònia Valero, Tochter der Eigentümerin Teresa Solivellas, darauf ab, „Lebenszeit-Kunden“ zu porträtieren und das Establishment als „Flaggschiff der mallorquinischen Gastronomie“ zu zeigen.

Ein Oase inmitten des Wandels

Das Café befindet sich in der Carrer Montcades, einer Straße im historischen Kern von Palma, die laut Berichten der lokalen Presse als „letzter Oase der Ruhe“ beschrieben wird. Diese steht im Kontrast zur etwa 30 Meter entfernten, von multinationalen Unternehmen und Massen frequentierten Carrer Jaume III. Die Initiative wurde laut Valero auch von Eigentümern anderer historischer Betriebe unterstützt, wie der seit über 75 Jahren existierenden Floristik La Rosaleda, als Akt der Nachbarschaftspflege.

Ein Stammkunde, Tomeu Nadal, der das Geschäft seit über 15 Jahren regelmäßig besucht, verdeutlicht diesen Wert: „Für mich ist es ein Luxus, einen alten, natürlichen und handwerklichen Betrieb zu genießen. Hier hat man das immer. Zusammen mit einem hervorragenden menschlichen Umgang.“

Handwerkliche Produktion und lokale Herausforderungen

Das Geschäft, seit 1979 in Betrieb, bietet aktuell 183 Sorten an, die laut Valero „nicht stark variiert“ haben. Die Produktion erfolgt mit „100% natürlichen“ Zutaten, viele davon laut Nadal lokal und authentisch: mallorquinische Mandeln, valencianische Erdmandeln oder auch einzigartige Kreationen wie Eis aus Feigenkaktus oder Mahón-Käse. Ein besonderer Sorten-Highlight dieses Sommers ist laut Valero das Eis aus Madroño-Früchten, die bei übermäßigem Konsum eine berauschende Wirkung haben können.

Gleichzeitig skizziert Valero die Herausforderungen für kleine handwerkliche Betriebe. Die lokale Rohstoffbasis sei knapper geworden; es gebe beispielsweise keine mallorquinische Frischmilch mehr für die Eisproduktion. „Es ist jetzt schwierig. Meine Mutter hatte es einfacher, weil mehr Lieferanten vorhanden waren und der Markt für kleine Betriebe zugänglicher war“, erklärt sie gegenüber einem Reporter des Diario de Mallorca. Die administrative Belastung sei hoch: „Von den sieben Tagen der Wochen verbringe ich drei mit Papierkram. Wir können niemanden bezahlen, der diese Arbeit übernimmt.“

Das Fundament: lokale Bindung und Eigentum

Als Gründe, warum der Betrieb trotz dieser Widrigkeiten weiter besteht, nennt Valero zwei entscheidende Faktoren: „Unsere Kunden sind von hier, seit immer, und das Lokal ist unser Eigentum. Wir halten durch für die Generation von hier. Wir pflegen die Menschen von hier.“ Dieser lokale Rückhalt spiegelt sich auch in den Aussagen anderer Kunden wie Jesús, einem Stammgast seit der Eröffnung, der die Behandlung „sehr gut“ und die Ware „erstklassig“ findet.

Die persönliche Motivation für Valero ist, wie sie berichtet, trotz der enormen Arbeitszeit „Stolz“. „Es ist eine Lebensweise. Es ist mein Haus, es ist wo wir alle zusammenkommen.“ Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft ist jedoch, dass ihre eigene Tochter nicht die Nachfolge antritt: „Ich werde alles möglich machen, damit meine Tochter einen Arbeitsplan mit Urlaub hat und die Möglichkeit, sich krank zu sein, ohne zur Arbeit gehen zu müssen.“

Mit dem Ende der Porträt-Session und dem Sammeln des Materials verließ eine Kundin, Gema, Hand in Hand mit ihrem Enkel Joan das Lokal mit einer einfachen Idee: „Ich mag, dass er es genießt.“