Der Tod des Mango-Gründers: Ein Wanderausflug mit dunklen Folgen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Der Tod des Mango-Gründers: Ein Wanderausflug mit dunklen Folgen

von Clara Weber

Ein Bergausflug mit fatalem Ende

Am 14. Dezember 2024 begab sich Isak Andic, der Gründer der internationalen Modekette Mango, auf einen Wanderausflug in die Berge von Montserrat bei Barcelona. Als einziger Begleiter war sein Sohn Jonathan mit ihm. Bei der Route nahe den Coves del Salnitre stürzte der 70-jährige Unternehmer in einen 150 Meter tiefen Barranco und verstarb. Die erste Untersuchung der Mossos d’Esquadra ergab keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, der Fall wurde im Januar 2025 als tragischer Bergunfall archiviert.

Widersprüche führen zur Wiederaufnahme

Wie aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, ließen jedoch die späteren Aussagen des Sohnes Jonathan Zweifel aufkommen. In seinen verschiedenen Gesprächen mit den Behörden gab der Mann widersprüchliche Angaben zu seiner eigenen Position, der seines Vater und sogar zum Parkplatz seines Autos, der laut Polizei nicht mit der Geografie des Wanderwegs vereinbar war. Diese Inkonsistenzen, zusammen mit der Kenntnis einer damals angespannten persönlichen und beruflichen Beziehung zwischen Vater und Sohn, führten im März 2025 zur Wiederaufnahme der Untersuchung durch das Untersuchungsgericht Nr. 5 in Martorell.

Die Festnahme und die Familie

Dieses Jahr, am Dienstag, wurde Jonathan Andic schließlich festgenommen. Die Staatsanwaltschaft erhob die Anklage und beantragte Untersuchungshaft, die mit der Zahlung einer Kaution von einer Million Euro abgewendet werden konnte. Die Familie machte diese Summe kurz nach der Entscheidung der Richterin verfügbar. In einer anschließenden Mitteilung betonten autorisierte Familienvertreter die "absolute" Überzeugung von Jonathans Unschuld und verwiesen auf das Prinzip der Unschuldsvermutung. Sie seien sicher, dass der Prozess dies beweisen werde.

Hintergrund: Das Imperium Mango und ein privates Drama

Isak Andic, geboren 1953, baute Mango seit 1984 zu einem globalen Modeunternehmen mit über 2.800 Stores und einer Umsatzprognose von 4 Milliarden Euro für 2026 aus. Er war eine der größten Vermögenspersönlichkeiten Spaniens. 2020 übergab er die operative Leitung, blieb aber non-executive Chairman. Nach seinem Tod ging die Kontrolle über 95% des Unternehmens gleichmäßig auf seine drei Kinder – Jonathan, Sarah und Judith – über. Jonathan ist nun Präsident des Verwaltungsrats.

Ein weiterer privater Konfliktherd war die Regelung seines Nachlasses. Andic hatte seine langjährige Partnerin Estefanía Knuth, mit der er nicht verheiratet war, mit 5 Millionen Euro bedacht. Sie hielt diese Summe für unzureichend und forderte zunächst 70 Millionen. Die Kinder boten später eine erhöhte Summe, doch die Verhandlungen scheiterten. Ein geplanter Abschluss im Dezember 2025 wurde nicht erreicht.

Die Ermittler untersuchen nun detailliert mögliche Motive. Ein Faktor ist die vorausgegangene Inspektion der Route: Jonathan Andic gab zu, dass er den Wanderweg zwei Tage vor dem gemeinsamen Ausflug mit seinem Vater bereits begangen hatte, um ihn, wie er sagte, "zu sehen" und "die Route zu planen". Der Ausflug selbst wurde, wie aus Untersuchungen bekannt wurde, organisiert, um zwischen den beiden "Asperezas zu limar" – Differenzen auszubügeln.

Die Tragödie um Isak Andic bleibt somit eine vielschichtige Geschichte: ein plötzlicher Tod in der Natur, ein wiedereröffneter Justizfall, Familienbande und das Schicksal eines milliardenschweren Modeimperiums.


Quelle: 20minutos.es