Der Kampf ums Meer für alle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Der Kampf ums Meer für alle

von Redaktion

Ein Privileg, das verteidigt werden muss

Ein kleiner Liegeplatz für ein bescheidenes Boot – für Tomeu Calafell und Lorenzo Riutord ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern ein hart erkämpftes Stück Lebensqualität. Die beiden sind Präsident und Vizepräsident der „Plattform für öffentliche Liegeplätze“ im Hafen von Palma. Sie kämpfen für den Erhalt dessen, was sie „soziale Liegeplätze“ nennen: bezahlbare Plätze für Boote bis zu acht Metern Länge, die es der lokalen Bevölkerung ermöglichen, das Meer zu nutzen.

„Wie viele Mallorquiner, die einen normalen Job haben, könnten sich einen Platz für ein Sechs-Meter-Boot in einer Marina leisten? Sehr wenige“, sagt Calafell im Gespräch mit dem „Diario de Mallorca“. „Wir sprechen von Preisen, die wir nicht tragen können.“ Diese sozialen Liegeplätze werden von staatlichen Hafenbehörden verwaltet und sollen einer breiten Schicht den Zugang zum Wasser ermöglichen – zum Fischen, für Familienausflüge oder einfach, um der Sommerhektik an den Stränden zu entkommen.

Die Angst vor der Verdrängung

Der Auslöser für die Gründung ihrer Plattform war, wie sie berichten, das nahende Ende der Konzession für den Club Nàutic Portitxol Anfang 2025. Es gab Befürchtungen, dass sich die Geschichte des Molinar de Levante wiederholen könnte: Nach einer Konzessionsänderung wurde aus einem einstigen Verein mit vielen kleinen Booten ein elitärer Marina-Betrieb mit wenigen, großen Yachten. „Von heute auf morgen begannen sich Leute uns anzuschließen, wir wurden 500“, so Riutord. Heute zählt die Plattform 480 Mitglieder.

„Wir wollten einfach nur unseren Platz behalten“, erklärt Calafell. „Ich wollte immer ein kleines Boot zum Fischen haben, mehr nicht.“ Sie fürchten den „Merkantilismus“, in den viele Nautikclubs verfallen seien: Ausländische Investoren zahlen mehr, verdrängen die alten Boote und schaffen exklusive Anlagen. „Im Molinar de Levante gab es früher 70-80 Boote, jetzt sind es 28. Alles ist vermietet. Kein einziger Mallorquiner mit einem Boot zum Fischen ist mehr dort. Das wollen wir verhindern.“

Mehr als nur ein Boot: Es geht um Kultur

Für die Aktivisten ist der Kampf um die Liegeplätze ein kultureller. „Wir verteidigen den mallorquinischen Lebensstil, unsere Geschichte und den Zugang zum Meer der Balearen“, betont Calafell. Der Meerzugang gehöre zur Identität der Insel wie die Tänze, die Musik oder die Sprache. Er selbst fühle sich als „Privilegierter“, weil er seinen Kindern das Fischen beibringen oder mit der Familie an ruhigen Stellen schwimmen gehen könne.

Diese Traditionen seien bedroht, wenn alles an den Meistbietenden verkauft werde. Calafell zieht eine Parallele: „Vor etwa 40 Jahren wurde die Lateinersegel-Tradition im Portixol wiederbelebt. Damals nannte man uns, die das praktizierten, ‚die Erleuchteten‘. Heute ist sie geschützt und gilt als unser Erbe. In 40 Jahren werden Leute wie wir hoffentlich auch geschützt sein – weil es uns sonst nicht mehr geben wird.“

Was ein sozialer Liegeplatz kostet – und was er wert ist

Ein sozialer Liegeplatz für ein vier Meter langes Boot kostet nach ihren Angaben etwa 600 Euro im Jahr. Dazu kommen Nebenkosten wie Wasser, Strom am Steg, Versicherung und Instandhaltung – ein für viele erschwinglicher Betrag. Im Gegensatz dazu liegen die Mitgliedsbeiträge in privatisierten Clubs schnell im fünfstelligen Bereich.

Die Plattform betont, dass sie nicht gegen Marinas an sich sind – diese seien wichtig für die Wirtschaft. Sie fordern jedoch eine ausgewogene Politik, die den sozialen und kulturellen Aspekt des Meerzugangs für Einheimische bewahrt. „Wenn diese Liegeplätze verschwinden, verlieren wir einen wichtigen Teil unserer Geschichte und das Erbe unserer Großeltern“, so ihr Resümee. Es gehe darum, den „Erben“ der Insel etwas zu hinterlassen, das nicht nur aus Beton und Luxusyachten besteht.