Der Kampf um Malagas altes Gefängnis

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Der Kampf um Malagas altes Gefängnis

von Redaktion

"Paquito, ladrón, devuelve la prisión"

Unter diesem und anderen Sprechchören versammelten sich am Samstag etwa einhundert Menschen vor den trutzigen Mauern der alten Provinzhaftanstalt an der Avenida Ortega y Gasset in Málaga. Ihr Anliegen: Sie fordern einen öffentlichen, sozialen und kulturellen Zweck für das seit Jahren leerstehende Gebäude und wehren sich gegen die von der Stadtverwaltung favorisierten Pläne für ein privates Berufsbildungszentrum. Die Demonstration wurde vom "Movimiento por la Antigua Prisión" (MAP) organisiert, einer Plattform verschiedener Nachbarschaftsvereine und Kollektive.

"Wir setzen uns für eine öffentliche Nutzung ein", erklärt Francisco Zugasti, Mitglied des MAP, gegenüber Medien. Er wirft der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Francisco de la Torre – mit "Paquito" gemeint – vor, einen früheren Beschluss zu ignorieren. Laut Zugasti hatte das Stadtparlament bereits 2009 festgelegt, dass das Gelände sozialen Zwecken und einem Zentrum für das Demokratische Gedächtnis dienen soll.

Ein Ort mit schwerer Geschichte

Das Gebäude ist mehr als nur eine Immobilie; es ist ein steinernes Archiv der Stadtgeschichte. Eröffnet 1933 unter der Ägide der republikanischen Gefängnisdirektorin Victoria Kent, durchlief es dunkelste Kapitel. Nachdem Málaga 1937 an Francos Truppen fiel, wurde es zum zentralen Ort der Repression. Die Vereinigung gegen das Schweigen und Vergessen schätzt, dass über 30.000 Menschen hier inhaftiert waren, viele wurden im nahegelegenen Friedhof San Rafael erschossen.

In späteren Jahrzehnten war es Schauplatz der Drogenproblematik der 80er Jahre und überstand 1991 sogar einen Bombenanschlag der ETA. Seit der Verlegung der Gefangenen nach Alhaurín de la Torre und der endgültigen Schließung 2009 steht der riesige Komplex mit etwa 14.000 Quadratmetern brach.

Vision gegen Spekulation

Die Aktivisten haben eine klare Alternative zu den Stadtplänen: Sie fordern ein gemeinwohlorientiertes Soziokulturzentrum mit Räumen für Jugendliche und Senioren, inklusive der Möglichkeit einer öffentlichen Seniorenresidenz oder eines Tageszentrums. Zugasti sieht hinter den aktuellen Absichten der Stadt jedoch andere Interessen am Werk. Er vermutet, dass "ein britischer Geierfonds im Hintergrund" stecke, der eine spekulative Immobilienoperation in den angrenzenden, einkommensschwachen Vierteln plane. Diese seien für private Investoren und die Stadtverwaltung "ein Zuckerle", so seine kritische Einschätzung.

Die MAP kündigte an, ihre Proteste fortzusetzen und die inhaltlichen Vorschläge für das Gebäude in kommenden Versammlungen weiterzuentwickeln. Der Konflikt um die ehemalige Haftanstalt ist damit noch lange nicht beendet. Er bleibt ein Streit um die Frage, wem die historischen Räume einer Stadt gehören und welchem Gedächtnis sie dienen sollen.

Quellen: MAP (Movimiento por la Antigua Prisión), Asociación contra el Silencio y el Olvido, Berichte lokaler Medien.