Datenschutz-Strafen höher als für tödliche Unfälle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Datenschutz-Strafen höher als für tödliche Unfälle

von Redaktion

Die Gewerkschaft UGT hat in Katalonien die Diskrepanz zwischen den Sanktionen für Datenschutzverletzungen und für Verstöße gegen die Arbeitssicherheit kritisiert. Es sei absurd, dass der Verlust eines USB-Sticks höhere Strafen nach sich ziehen kann als der Tod eines Arbeitnehmers durch einen Arbeitsunfall, so die Kernaussage.

125 tödliche Arbeitsunfälle in einem Jahr

Bei der Präsentation ihres Jahresberichts zur Arbeitssicherheit 2025 meldete UGT Katalonien 125 tödliche Arbeitsunfälle. Nach harmonisierten Daten ereigneten sich 84 dieser Unglücke während der Arbeitszeit, 24 auf dem Weg zur Arbeit oder zurück („in itinere“). Besonders alarmierend ist der Anstieg der tödlichen Unfälle im ersten Quartal 2026: Mit 25 Todesfällen während der Arbeit liegt die Zahl bereits 31,58 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Reyes Solaz García, nationale Sekretärin der UGT in Katalonien und verantwortlich für Gesundheit am Arbeitsplatz, fasste die Situation mit den Worten zusammen: „Wir bezeichnen 2025 als ein schwarzes Jahr und ich kann Ihnen versichern, dass wir für 2026 keine Verbesserung prognostizieren.“

Prävention statt Absenzen – die eigentliche Lösung

Der Bericht wurde unter dem Motto „Es ist die Prävention, nicht die Absenzen“ veröffentlicht. Er zeigt, dass im vergangenen Jahr über 206.306 Arbeitsunfälle registriert wurden, was einem täglichen Mittel von etwa 564,3 entspricht. Mehr als 115.800 davon führten zu Arbeitsunfähigkeit. „Jeden Tag sind 315 Menschen gezwungen, ihre Arbeit einzustellen, weil sie einen Unfall hatten oder ihre Gesundheit sich als direkte Folge ihrer Arbeit verschlechtert hat“, erklärte Solaz.

Die Gewerkschaft unterstreicht, dass von den 84 Todesfällen während der Arbeit 35 auf nicht-traumatische Ursachen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle zurückzuführen sind. Dies führt zur Forderung, dass psychosoziale Risiken und Arbeitsorganisation stärker reguliert werden müssen.

Bau und Industrie mit dramatischen Anstiegen

Die Analyse nach Branchen zeigt besonders dramatische Entwicklungen. In der Bauindustrie stieg die Zahl der tödlichen Unfälle innerhalb eines Jahres um 140 Prozent – von 10 auf 24. Im Industriesektor gab es einen Anstieg von 60 Prozent.

Territorial konzentriert sich die Problematik stark auf Barcelona, das laut Bericht 60 Prozent aller Arbeitsunfälle verzeichnet und einen Anstieg tödlicher Unfälle von 38 Prozent erlebte. „Das ist kein Zufall. Hier ist die Arbeitsbelastung und das Arbeitsvolumen am höchsten und die Prävention wird immer weiter vernachlässigt“, so Solaz.

Forderungen: Gleichstellung der Sanktionen und Gesetzesreform

Als Reaktion auf diese Zahlen fordert UGT eine tiefgreifende Reform des Gesetzes zur Prävention von Arbeitsrisiken, das aus dem Jahr 1995 stammt. Eine neue Regelung soll neben klassischen Sicherheitsaspekten auch die Gender-Perspektive, den Klimawandel und sichere, nachhaltige Mobilitätspläne integrieren.

Ein zentraler Punkt ist die Gleichstellung der Sanktionshöhe. Die Gewerkschaft fordert, dass Verstöße gegen die Arbeitssicherung ähnlich hoch bestraft werden wie Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). „Unternehmen befolgen die Datenschutzgesetze skrupulös, weil die Strafen Millionenbeträge erreichen können. Wenn es jedoch darum geht, Leben zu retten, scheint ihnen alles zu teuer“, argumentierte Solaz. Diese Vergleichsweise sei notwendig, um die Werteskala des Systems offenzulegen.

Zusätzlich zu einer gesetzlichen Reform fordert UGT eine echte Investition in Präventionsmaßnahmen, die in der DNA der Unternehmen verankert sein müssen, nicht nur auf Papier existieren, sowie mehr Ressourcen für die Arbeitsinspektion. „Ohne Überwachung, ohne Kontrolle und ohne Sanktionen, die denen, die sich nicht daran halten, wirklich wehtun, werden Unternehmen weiterhin mit unserem Leben russisches Roulette spielen“, warnte Solaz.

Quelle: Jahresbericht zur Arbeitssicherheit 2025 der UGT Katalonien.