
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Das Wasser läuft uns davon
Lecks, Daten, Klimateuerung
Es ist schon ein starkes Stück: Ausgerechnet in einem Land, das die Sonnenkönige des 21. Jahrhunderts in Teilen der Landwirtschaft beherbergt, hat es die städtische Infrastruktur geschafft, bis tief ins dritte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts brachliegen zu müssen. Wer jetzt denkt, es ginge um Dürrehilfen oder Entsalzungsanlagen, liegt falsch – es geht um so Unsensationelles wie Rohrleitungen, Druckventile und Telemetrie. Die Gemeinde Torrox an der Costa del Sol wagt sich mit einem Investitionspaket von fast einer halben Million Euro an die Modernisierung ihres Trinkwassernetzes. Der Beifall dafür sollte nicht allzu laut ausfallen, sondern spät, aber nicht zu spät, erfolgen.
Der Ruf nach der Digitalisierung
Das Rathaus unter Bürgermeister Óscar Medina preist die Initiative als großen Wurf. Man wolle mit der Digitalisierung der Hydranten und dem Einbau neuer Mess- und Steuerungstechnik die Lecks im System orten, bevor sie zu gefährlichen Schlaglöchern im Budget der Wasserverluste werden. Mehrmals ist in der Pressemitteilung von „effizientem Management“ und „Digitalisierung“ die Rede. Wie fortschrittlich das alles klingt – und wie peinlich, dass es dazu erst finsterster Prognosen über ausgetrocknete Wasserhähne bedurfte. Denn in Spanien, dem Land mit den meisten Poolbesitzern pro Kopf und Ferien vom Grundwasserspiegel, war das Thema Wasserverlust schon immer eines: die bequemste Methode, die Hähne der Kritik im Keller der Verdrängung trocken zu halten.
Der Chor der Betroffenheit
Jetzt also die Kehrtwende im Akkord. Man modernisiert den Tanks in Calaceite, digitalisiert Druckventile und redet sich einmal mehr damit heraus, dass man sich der „Innovation und Verbesserung“ verpflichtet fühle, wie Planungsdezernentin Paula Moreno betont. Man überhört es fast: Es geht um 440.000 Euro für zwei Haushaltsjahre, mit denen zwei Drittel der städtischen Verlustleistung wieder in den grünen Bereich geholt werden soll. Man stelle sich vor, so viel Geld würde in die Hand genommen, weil man die Aufgabe erst durch den Zahn der Zeit bekommt – nicht als Kür der Verwaltung, sondern als Notwendigkeit.
Wir erleben aktuell eine Politik der wässrigen Wunder, die nicht mehr Landespolitik, sondern schlicht und ergreiflich Anspruch an zukunftsfähige Daseinsvorsorge hätte sein müssen. Die Baufirmen sind bereits benannt, die Bauzeiten knapp kalkuliert. Und doch: Wer die Ankündigungen liest, könnte meinen, man hätte das Rad der Erkenntnis neu erfunden. Es ist die Essenz des politischen Geschäfts, sich zu erklären. Ob die Bürger von Torrox die Digitalisierung im Wasser dann spüren, wird man an den Wasserrechnungen ablesen können. Und daran, ob das Wasser in Zeiten der Krise nicht nur in den Gläsern, sondern auch in den Leitungen bleibt.
Der Auftrag an die Verantwortlichen bleibt, nicht bei der Hälfte der Umsetzung stehen zu bleiben, sondern die nötigen technischen Verbesserungen auch als Daueraufgabe zu begreifen. Sonst ist die nächste Hiobsbotschaft aus Andalusien schon wieder vorprogrammiert – und die Zahlen der versickerten Liter eine Konstante der Besorgnis.
Dieser Kommentar entstand unter Zuhilfenahme des Artikels von AxarquiaPlus zur Investition in das Torroxer Trinkwassernetz, abrufbar unter: AxarquiaPlus
Quelle: axarquiaplus.es