Das digitale Sicherheitsnetz für einen Betonkoloss

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Das digitale Sicherheitsnetz für einen Betonkoloss

von Jonas Beck

Ein halbes Jahrhundert ohne relevantes Problem – doch die Risiken bleiben

Die Talsperre La Concepción, die zwischen Marbella und Istán den Río Verde abschließt, ist seit 1972 in Betrieb. Nach über 50 Jahren Dienst hat sie, wie aus technischen Dokumenten ersichtlich ist, nie größere Probleme gezeigt. Ihre primäre Funktion ist die Regulierung der Wasserzufuhr für die Gemeinden der Costa del Sol Occidental. Doch diese scheinbare Stabilität steht im Kontrast zu ihrer potentiellen Gefährlichkeit: Sie ist als sogenannte „Presas de categoría A“ klassifiziert. Diese Kategorie, laut dem spanischen Real Decreto 638/2021, umfasst alle Staudämme, bei deren Bruch oder Fehlfunktion Menschenleben gefährdet werden könnten.

Diese gesetzliche Einordnung macht eine permanente, hochsensible Überwachung zur Pflicht. Das aktuelle System jedoch basierte noch weitgehend auf analogen Methoden. Die Auswirkungen der verschärften Sicherheitsnormen von 2021 und der technologischen Entwicklung sind nun der Kern eines neu vergebenen Auftrags.

2,1 Millionen Euro für die Transformation von Analog zu Digital

Die Consejería de Agricultura der Junta de Andalucía hat, wie aus Vergabeinformationen bekannt ist, ein Projekt zur integralen Modernisierung der Sicherheitssysteme an der Talsperre La Concepción vergeben. Der Auftrag mit einem Volumen von 2,1 Millionen Euro und einer Ausführungszeit von neun Monaten ging an das Konsortium Sando-Ofiteco-HCC. Das zugrundeliegende technische Projekt wurde von HGM und Inproes unter der Leitung des Ingenieurs José Antonio Remesal und der Ausarbeitung durch Rafael Garrote erstellt.

Das Ziel ist eindeutig: Die Abschaffung der periodischen, manuellen Messungen und deren Ersetzung durch ein automatisches System, das Daten in Echtzeit an zwei Knotenpunkte sendet – das lokale Centro de Control de la Presa und das übergeordnete Centro de Control de Cuenca de las Cuencas Mediterráneas Andaluzas in Málaga.

Der Kern der Modernisierung: Echtzeit-Monitoring für jeden Parameter

Die Maßnahmen sind methodisch strukturiert und umfassend. Bislang wurden etwa die Filtrationen durch das Bauwerk an acht spezifischen Punkten in den Beton-Galerien nur einmal pro Woche manuell gemessen. Diese Kontrolle wird nun automatisiert und kontinuierlich.

Ebenso werden die Bewegungen der Struktur, die bisher durch fünf direkte und drei inverse Pendel sowie durch elf mechanische Messgeräte an den Blockfugen in den vier oberen Galerien ermittelt wurden, in das digitale Kontrollsystem integriert. Auch die meteorologischen Daten und die Wasserstandsmessung, die aktuell aus einer Kombination von manuellen Pegeln, einem Ultraschallsensor und einer hydraulischen Waage am Grundablauf bestehen, werden zu einem einheitlichen, permanenten Überwachungsinstrument zusammengefasst.

Das redundante Kommunikationsnetz: Die letzte Verteidigungslinie

Die vielleicht kritischste Komponente des Projekts liegt im Bereich der Kommunikation und Alarmierung. Der implementierte Plan de Emergencia sieht ein redundant ausgelegtes Kommunikationsschema vor, das selbst unter widrigsten Umweltbedingungen oder bei Stromausfall funktionieren soll. Konkret werden vier parallel arbeitende Übertragungswege zwischen der neuen Sala de Emergencia an der Talsperre und dem Kontrollzentrum in Málaga installiert: Mobilfunk, Radio, Glasfaser und Satellit.

Dieses Netzwerk steuert ein ebenfalls erneuertes System zur Warnung der Bevölkerung. Mehrere Sirenenposten im Gemeindegebiet und in den möglichen Gefahrenzonen entlang des Río Verde werden von einem Software-System für Fernsteuerung im Centro de Control aktiviert. Ergänzend wird die Ausrüstung in Málaga komplett erneuert, und spezifische Ausbildungskampagnen für Betriebspersonal und die Bevölkerung sollen die Kenntnis der Protokolle sicherstellen.

Zusätzliche bauliche Maßnahmen: Das innere Drainage-System

Neben der technologischen Aufrüstung sind auch signifikante bauliche Arbeiten vorgesehen. Das Projekt beinhaltet eine Erneuerung des gesamten internen Drainage-Systems der Talsperre. Diese Netzwerke sind entscheidend für die Ableitung von Sickerwasser und die damit verbundene Reduzierung von Zwischenraumdruck im Bauwerk – ein oft unterschätztes, aber vitales Element für die Langzeitstabilität einer Gewichtsstaumauer aus Beton, wie es die 89,55 Meter hohe La Concepción ist.

Die Gesamtheit dieser Maßnahmen stellt eine systematische Absicherung einer kritischen Infrastruktur dar, deren Alter und Klassifizierung eine solche Modernisierung nicht nur rechtlich vorschreiben, sondern auch technisch zwingend erforderlich machen.


Quelle: diariosur.es