
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
DANA Adam flutet Spanien: Der Süden ist am Limit
Die Lage ist dramatisch, nicht nur am Himmel
Während die Behörden die Warnstufe offiziell auf „geringe Gefahr" herunterstufen, spielt sich an der valencianischen Küste ein Drama ab, das mit nüchternen Kategorien kaum zu fassen ist. Die DANA Adam hat binnen Stunden niedergehen lassen, was sonst in Monaten fällt – und die Infrastruktur der Region steht vor dem Kollaps. Besonders betroffen: die Kleinstadt Oliva, wo der stellvertretende Bürgermeister Salvador Llopis in einem Interview mit RTVE ein verheerendes Bild der Lage zeichnet.
Rettungskräfte im Wettlauf gegen die Zeit
Llopis macht unmissverständlich klar, worum es gerade geht: „Die Priorität ist die Evakuierung all dieser Menschen, besonders der älteren, die in ihren Wohnungen mit dem Wasser bis zur Hüfte auf Tischen und Möbeln ausharren müssen." Die Bilder, die er beschreibt, sind erschütternd. Ältere Menschen, die auf Möbel gestiegen sind, um nicht im kalten Wasser zu stehen. Familien mit kleinen Kindern, die auf Hilfe warten. Die Zahl der Notrufe ist laut Llopis „unermesslich", die städtische Brigade habe sogar Bagger und Schaufeln mobilisiert, um Menschen aus ihren Häusern zu retten.
Es ist ein Eingeständnis der Überforderung, wenn ein Kommunalpolitiker öffentlich zugibt: „Wir mussten die UME anfordern, weil es unmöglich war, alle eingehenden Notrufe abzudecken." Genau das ist passiert – die Militäreinheit für Notfälle musste anrücken, um die zivilen Kräfte zu unterstützen. Das Rote Kreuz ist ebenfalls im Einsatz, ein Notfallzentrum wurde eingerichtet. Die Kritik an der offiziellen Risikoeinschätzung, die die Lage als „peligro bajo" einstuft, liegt angesichts dieser Realität auf der Hand – von Entwarnung kann keine Rede sein.
Vom Regen in die Krise: Was die Prognosen verschwiegen
Natürlich werden nun Stimmen laut, die auf die Unberechenbarkeit solcher Wetterphänomene verweisen. Doch diesmal greift die Ausrede nicht. Die Bewohner von Oliva und Umgebung wurden erneut von einer Flutwelle überrascht, die in ihrer Heftigkeit alles Bekannte übertraf. Wasser, das „komplett die Fahrzeuge bedeckt", wie Llopis berichtet. Das ist kein lokales Gewitter, das ist Klimawandel in Reinform – und die Warnsysteme haben erneut versagt.
Man mag argumentieren, dass eine solche Menge an Niederschlag jede Planung über den Haufen wirft. Aber genau darum geht es: Es reicht nicht, nach dem Desaster die Schuldigen zu suchen. Es braucht eine grundlegende Überarbeitung der Notfall- und Evakuierungspläne, die nicht erst dann greifen, wenn das Wasser in den Wohnzimmern steht. Die Soldaten der UME sind tapfere Helfer in der Not – aber sie sollten nicht zum Regelfall werden müssen, nur weil die zivile Infrastruktur am Tropf hängt.
Kein Ende in Sicht, nur Hoffnung auf sinkende Pegel
Immerhin gibt es einen Funken Hoffnung: Ersten Berichten zufolge sinken die Wasserstände langsam. „Die Lage ist unter Kontrolle", scheint die Devise der Behörden, doch davon kann vor Ort keine Rede sein. Solange ältere Menschen auf Tischen ausharren müssen und Familien in ihren Häusern festsitzen, gilt der Grundsatz, den Llopis ausgibt: „Wichtig ist, dass wir keine Todesopfer zu beklagen haben." Bislang berichtet die Nachrichtenagentur EFE von fünf Toten im Zusammenhang mit dem Unwetter, verursacht durch die Fluten auf der Iberischen Halbinsel.
Die Hilfsmaßnahmen laufen auf Hochtouren, doch die entscheidenden Fragen werden sich erst in den kommenden Tagen stellen: Wer hilft den Menschen, deren Häuser unbewohnbar geworden sind? Wie schnell wird die Versorgung wiederhergestellt? Und vor allem: Wann lernen die Verantwortlichen, dass die Warnstufen der Realität entsprechen müssen, nicht dem Wunschdenken der Tourismusbranche? Die Antworten darauf schulden die Behörden den Bewohnern von Oliva – und allen anderen, die in den Flutgebieten um ihr Hab und Gut kämpfen.
Die Ausmaße der Zerstörung sind noch nicht absehbar, die Nachwehen werden die Region noch lange beschäftigen. Die DANA Adam hat eines deutlich gemacht: Spanien muss sich auf weitere Extremwetterlagen einstellen – und die Strategien dagegen sind bislang unzureichend. Wie die Tageszeitung 20 Minutos berichtet, bleibt die Lage in mehreren Provinzen angespannt, auch wenn der Höhepunkt der Krise in einigen Gebieten überschritten scheint.
Quelle: 20minutos.es