
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Collboni: Wohnen ist nationale Priorität
In der aktuellen politischen Debatte um nationale Prioritäten hat sich Barcelonas Bürgermeister Jaume Collboni klar positioniert. In einem Interview mit Onda Cero, über das Europa Press berichtet, erklärte er, dass für ihn die Wohnungsfrage eindeutig an erster Stelle stehe. Damit bezog er sich auf den Begriff der "nationalen Priorität", der zuvor in einem Abkommen zwischen der konservativen PP und der rechtspopulistischen Vox in der Region Extremadura aufgetaucht war.
Wohnungsbau als zentrale Aufgabe
Collboni kritisierte, dass die Ultrarechte zwar von Prioritäten spreche, die PP aber keine konkrete Antwort darauf habe, worum es sich dabei handele. "Für uns und für mich als Bürgermeister ist die nationale Priorität heute zweifellos die Wohnungsfrage", betonte er. Er räumte ein, dass Barcelona aufgrund seiner geografischen Lage und physischen Grenzen vor besonderen Herausforderungen beim Bau neuer Wohnungen stehe. Die Stadtverwaltung habe jedoch "mit der Harke über die ganze Stadt" gegangen, um neue Flächen zu identifizieren. Als Beispiele nannte er Entwicklungsgebiete wie La Sagrera und Marina del Prat Vermell.
Die Anstrengungen zeigen laut Collboni bereits Wirkung. Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2023 seien in Barcelona etwa 500 öffentlich geförderte Wohnungen pro Jahr gebaut worden. Für das Jahr 2026 rechnet der Bürgermeister nun mit der Übergabe von "wahrscheinlich" 1.200 solcher Wohnungen. Dies bedeute einen deutlichen Sprung in der Produktion von bezahlbarem Wohnraum.
Kampf gegen Ferienwohnungen geht weiter
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit Ferienwohnungen. Collboni bekräftigte das Ziel, diese bis zum Jahr 2028 aus dem Stadtbild zu verbannen. Er gestand ein, dass der Druck von Plattformen, die solche Apartments anbieten, in diesem Jahr "sehr stark" sei. Dennoch verteidigte er die geplanten Maßnahmen als legitim und legal. Es gehe darum, in den Markt einzugreifen, um das Grundrecht auf Wohnen zu garantieren.
"Da gibt es einerseits die Demokratie, die lokale Macht, die Macht des Bürgermeisters. Und andererseits die superreichen Anwaltskanzleien, die von den Geierfonds angeheuert werden, die Tausende von Wohnungen in Barcelona besitzen, um genau das zu verhindern. Aber wir werden es trotzdem schaffen. Denn ich glaube, dass wir uns hier auch die Frage stellen müssen, wozu die Demokratie eigentlich da ist", so Collbonis kämpferische Worte.
Barcelona als Bühne für progressive Politik
Auf die Frage nach dem kürzlich in Barcelona abgehaltenen Gipfeltreffen progressiver Politiker sagte der Bürgermeister, es sei ein Stolz, ein weltweiter Bezugspunkt für die Verteidigung der Demokratie und der Menschenrechte zu sein. "Alle progressiven Führungspersönlichkeiten, die wir uns in Barcelona versammelt haben, haben diese Botschaft in einem Moment der Besorgnis, der Angst und der Unsicherheit über diejenigen ausgesandt, die die Welt lenken. Einige scheinen völlig den Verstand verloren zu haben, und andere setzen den Planeten in Brand", resümierte er die Stimmung der Veranstaltung.