Chemsex: Eine stille Sucht gewinnt an Boden

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Chemsex: Eine stille Sucht gewinnt an Boden

von Clara Weber

Während Alkohol und Kokain nach wie vor die häufigsten Suchtmittel in der andalusischen Provinz Málaga sind, zeichnet sich am Horizont ein neues, komplexeres Problem ab. Fachleute beobachten einen besorgniserregenden Trend, der mit einem speziellen Konsumverhalten einhergeht: Chemsex. Dabei handelt es sich um den Konsum psychoaktiver Substanzen, vornehmlich um die sexuelle Leistungsfähigkeit und Dauer zu steigern.

Ein Phänomen mit spezifischem Profil

"Wir sehen dies in der Praxis deutlich häufiger", bestätigt Dr. Juan Jesús Ruiz, Leiter des Provinzzentrums für Drogenabhängigkeiten (CPD) in Málaga. Die Nachfrage nach Hilfe sei zwar noch vergleichsweise gering – das Zentrum verzeichnete im vergangenen Jahr etwa 50 Fälle –, doch im Verborgenen liege die Zahl vermutlich deutlich höher. Auffällig ist das Profil der Betroffenen: Es handelt sich meist um Männer zwischen 35 und 48 Jahren, mit höherer Bildung, aus der LGBTQI+-Community und mit wirtschaftlich stabilen Jobs. Damit unterscheiden sie sich deutlich vom durchschnittlichen Patienten des Zentrums.

Laut Ruiz gehören Málaga, insbesondere aufgrund von Orten wie Torremolinos, neben Sevilla zu den wichtigsten Hotspots für diese Praxis in ganz Andalusien. Eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung spielten Dating-Apps mit Geolokalisierungsfunktion, deren Nutzung seit der Pandemie noch intensiver geworden sei. "Málaga ist eine kosmopolitische Stadt, mit allen Vor- und Nachteilen. Wir sind stark beeinflusst von den vielen Menschen, die hierherkommen, und auch von den Substanzen, die von anderswo hergebracht werden", so der Experte. Während in Málaga vor allem Mephedron konsumiert werde, sei es in Barcelona eher Methamphetamin – eine Frage der Verfügbarkeit.

Das unsichtbare Spektrum der Abhängigkeit

Das CPD, das dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert, behandelt derzeit rund 4.300 aktive Patienten, mit etwa 800 bis 1.000 Neuzugängen pro Jahr. Neben den stoffgebundenen Süchten wie Chemsex gewinnen auch verhaltensbezogene Abhängigkeiten an Bedeutung. "Die Spielsucht nimmt immer mehr zu, und der Gebrauch neuer Technologien und Bildschirme bei jungen und nicht mehr so jungen Menschen ist unglaublich", erklärt Ruiz. Während der klassische Tabakkonsum rückläufig sei, würden E-Zigaretten von Jugendlichen fälschlicherweise als weniger schädlich wahrgenommen.

Der therapeutische Ansatz des multidisziplinären Teams aus Ärzten, Psychologen und Sozialarbeitern basiert auf der "Regel der 3S": Subjekt, Substanz und Gesellschaft. Jede Behandlung wird individuell auf diese drei Variablen zugeschnitten. Im Fokus steht nicht allein die Abstinenz, sondern die Gewinnung eines "konsumfreien Lebensraums". Kurze, erreichbare Ziele und die Akzeptanz von Rückfällen als Teil des chronischen Prozesses sind zentrale Elemente der Therapie, die sowohl Einzel- als auch Gruppenangebote umfasst.

Die Patienten finden über verschiedene Wege zum Zentrum: durch das Gesundheitssystem, aus eigener Initiative, über Familienmitglieder, Vereine oder kommunale Sozialdienste. Entscheidend ist stets die eigene Motivation, das Problem anzuerkennen und ändern zu wollen. "Die große Mehrheit derjenigen, die zu uns kommen, erlebt eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität", betont Ruiz. Der Weg heraus aus der Abhängigkeit beginne mit diesem ersten Schritt.

Quelle: Angaben von Dr. Juan Jesús Ruiz, Leiter des Provinzzentrums für Drogenabhängigkeiten (CPD) Málaga.


Quelle: malagahoy.es