Bistum plant Tageszentrum für Obdachlose

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

La Laguna

Bistum plant Tageszentrum für Obdachlose

von Redaktion3 Min. Lesezeit

In San Cristóbal de La Laguna nimmt ein Projekt für wohnungslose Menschen konkrete Formen an. Das Bistum Teneriffa und die Diözesane Caritas planen die Einrichtung eines Tageszentrums – eine Idee, die ursprünglich mit möglichen Überschüssen der Papst-Reise nach Gran Canaria finanziert werden sollte.

Doch die Rechnung ging nicht auf: Die offizielle Bilanz des Besuchs von Papst Leo XIV. weist Kosten von gut 31 Millionen Euro aus, an denen sich die beiden kanarischen Bistümer mit 5,5 Millionen Euro beteiligten. Für das Bistum Teneriffa blieb dabei kein Cent übrig, das Vorhaben stand zunächst auf der Kippe.

Trotz der leeren Kassen will man das Projekt nicht aufgeben. Wie Ricardo Iglesias, Generalsekretär der Caritas Diocesana de Tenerife, gegenüber Europa Press erklärte, gehe es darum, dass der Papstbesuch eine bleibende Spur hinterlasse und die Gemeinden mobilisiere. Man habe einen klaren Bedarf ausgemacht, besonders mit Blick auf Migranten und Migrantinnen.

Ehemaliges Seniorenheim als neue Anlaufstelle

Erster konkreter Schritt ist die Wahl des Standorts: Ein Gebäude in der Calle Anchieta, das dem Bistum gehört und früher als Zentrum für ältere Menschen diente, soll umgebaut werden. Für die Adaptierung kommt das Bistum selbst auf, wobei sich Bischof Eloy Santiago persönlich für das Vorhaben einsetzt. In einer zweiten Phase, sobald es um den Betrieb geht, will man öffentliche Gelder einwerben.

Iglesias gibt sich ambitioniert und denkt bereits über ein spezielles Angebot für Frauen nach, die neben der Migrationsbevölkerung oft unzureichende Unterstützung erhielten. Der Zeitplan bleibt vage: „Es sei denn, die Dinge laufen ganz schief, wird dieses Projekt eröffnen. Nicht kurzfristig, aber es ist mehr oder weniger alles auf den Weg gebracht.“ Möglich erscheinen ihm 2027 oder Anfang 2028.

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Die Einrichtung soll Duschen, eine Küche und Räume für die soziale Arbeit bieten – ein „ziemlich bedeutender“ Umbau, wie Iglesias einräumt. Doch selbst wenn die Finanzierung ausbleibt, sei das Projekt nicht vom Tisch. Viele Freiwillige aus den Gemeinden La Lagunas haben bereits Interesse angemeldet, um die Menschen zu begleiten. Auch die mobile Einheit, die mit Unterstützung der Inselregierung im Einsatz ist, könnte hier einen festen Stützpunkt finden. Auf La Palma funktioniere dieses Modell bereits erfolgreich.

Wichtig ist den Verantwortlichen eine klare Abgrenzung: Es soll kein weiterer Sozialkotten entstehen, sondern ein Tageszentrum mit einer „doppelten Perspektive“ aus praktischer Hilfe und therapeutisch-sozialer Betreuung. Geplant sind eine Sozialarbeiterin, eine sozialpädagogische Fachkraft sowie juristische Beratung für Ausländer und Ausländerinnen.

Hilfe zur Selbsthilfe durch Netzwerke

Der Bedarf ist laut Caritas gerade in der Innenstadt groß: Das nächste Dusch- und Waschangebot befindet sich in La Cuesta und wird vom Roten Kreuz betrieben. Das neue Zentrum soll wärmer und einladender sein und Begegnung ermöglichen – nicht nur mit Hilfsangeboten, sondern auch mit Nachbarn, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. „Es geht nicht darum, Essen auszugeben und Schlafplätze zu schaffen, sondern darum, Verbindungen zur Gesellschaft herzustellen“, betont Iglesias.

Er verweist darauf, dass es oft schwerfalle, Menschen in neue Netzwerke einzubinden. Ohne soziale Kontakte sei das Rückfallrisiko in die Wohnungslosigkeit hoch. Die jüngsten Zahlen der Caritas untermauern die Dringlichkeit: Im Jahr 2025 befanden sich allein in der Provinz Santa Cruz de Tenerife 2.853 Menschen in extremer Wohnungslosigkeit. Weitere 1.376 Personen wurden durch mobile Einheiten erreicht, 215 fanden in acht Einrichtungen der Organisation auf Teneriffa und La Palma Unterkunft. Wie die Zeitung Europa Press berichtet, bleibt die Finanzierung des Zentrums eine Herausforderung – der Wille zur Umsetzung ist jedoch ungebrochen.


Quelle: europapress.es

Mehr aus La Laguna & Teneriffa & Kanarische Inseln