Barcelona-Krawalle schüren Wahlkampfstreit

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Barcelona-Krawalle schüren Wahlkampfstreit

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Gewaltausbruch erschüttert die Stadt

Die schweren Ausschreitungen am vergangenen Samstag in Barcelona haben die politische Landschaft Spaniens aufgewühlt. Was als nicht genehmigte Versammlung begann, endete in einer Nacht der Zerstörung: Mehr als 500 zumeist junge Menschen lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, plünderten Geschäfte und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Die Bilanz ist beachtlich: 128 Festnahmen, die meisten davon minderjährig, 15 verletzte Beamte und über 20 geplünderte Läden. Der Sachschaden wird auf rund 36.000 Euro beziffert.

Ermittlungen und politische Reaktionen

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Mossos d'Esquadra suchen im Austausch mit europäischen Partnerbehörden nach dem Ursprung der Mobilisierung, die sich vor allem über die Plattform TikTok verbreitete. Die Polizeiführung zeigt sich ratlos ob der Dynamik der Krawalle. Bürgermeister Jaume Collboni kündigte an, die Stadt werde sich in den Verfahren gegen Erwachsene sowie gegen die Erziehungsberechtigten der minderjährigen Randalierer als Nebenklägerin anschließen. Er äußerte zudem den Verdacht, die Einladung zu den Protesten könnte bewusst mit schädlicher Absicht gestreut worden sein.

Fronten im Wahlkampf verhärten sich

Die Ereignisse haben den beginnenden Wahlkampf für die Parlamentswahlen Ende November schlagartig neu sortiert. Die Sicherheitspolitik ist nun das bestimmende Thema. Salvador Illa, Regierungschef von Katalonien und Spitzenkandidat der Sozialisten, gelobte eine lückenlose Aufklärung. Jeder Beteiligte werde identifiziert und vor Gericht gestellt – die Täter müssten „einen Preis zahlen“.

Von konservativer Seite kommt derweil scharfe Kritik an der Regierung in Madrid. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo macht Premierminister Pedro Sánchez persönlich für die Eskalation verantwortlich. Die Linke habe die Straße verloren und wolle sie nun „anzünden“, polterte er bei einem Auftritt in Salamanca. Er versprach im Falle eines Wahlsiegs ein kompromissloses Vorgehen gegen Störer der öffentlichen Ordnung.

Deutungsmuster zwischen Migration und Staatsmanöver

Die politische Deutung der Krawalle fällt höchst unterschiedlich aus. Von rechts außen zieht Vox eine direkte Verbindung zwischen den Unruhen und der Migrationspolitik. Parteichef Santiago Abascal sprach von einer Bedrohung durch den Islamismus und forderte drastische Maßnahmen. Sein Generalsekretär Ignacio Garriga stellte die Wahl als Richtungsentscheidung zwischen Chaos und Ordnung dar, die nur mit seiner Partei zu gewinnen sei.

Auf der Linken werden andere Verschwörungstheorien bemüht. Gabriel Rufián von der katalanischen Republikanischen Linken ERC wittert ein Komplott der Ultrarechten: Wenn eine Aktion dieser politischen Strömung nütze, liege es nahe, dass sie dahinterstecke. Er sprach sogar von einer „Staatsoperation“, die darauf abziele, progressive Regierungen zu destabilisieren. Seine Parteikollegin Ada Colau rief zu friedlichen Gegenprotesten auf und warnte vor Spaltungsversuchen von rechts.

Appelle aus der Wirtschaft und von Junts

Die wirtschaftlichen Akteure der Stadt zeigen sich tief verunsichert. Die Vereinigung Barcelona Oberta beklagt fehlende offizielle Warnungen vor den Ausschreitungen und fordert Entschädigungen sowie einen direkten Draht zur Polizei. Auch das Gastgewerbe kritisiert die Polizeipräsenz als unzureichend und verlangt schnelle Hilfen.

Junts, die Partei des geflüchteten Ex-Präsidenten Carles Puigdemont, verurteilte die Gewalt ebenfalls, lenkte den Blick aber auf die leidtragenden Geschäftsleute. Spitzenkandidatin Miriam Nogueras zog einen Vergleich mit Frankreich – ein Zustand wie dort sei weder gewollt noch akzeptabel. Sie positionierte ihre Partei als Bollwerk gegen die zunehmende Polarisierung und stellte sich auf die Seite der hart arbeitenden Bevölkerung. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleiben die Ermittlungen zu den Hintermännern der eskalierenden Proteste vorerst das zentrale Thema im beginnenden Wahlkampf.


Quelle: 20minutos.es

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