Balearische Partei attackiert "Malle"-Kampagne und Aeropuerto-Modell

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Balearische Partei attackiert "Malle"-Kampagne und Aeropuerto-Modell

von Jonas Beck

Politischer Vorstoß gegen umstrittene Tourismuswerbung

Die balearische Partei MÉS per Mallorca hat im Parlament der Balearen eine Entschließung eingereicht, die die sofortige Entfernung einer spezifischen Werbekampagne am Flughafen von Palma de Mallorca fordert. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, zeigt die umstrittene Anzeige den auf Deutsch verfassten Slogan "Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen". Dieser stellt eine direkte Adaption des bekannten Spruchs "What happens in Vegas, stays in Vegas" dar und wird mit "Lo que pasa en Mallorca se queda en Mallorca" übersetzt.

Für die ecosoberanistische, also ökologisch-souveränistische Formation, ist die Verwendung des Begriffs "Malle" kein harmloses Wortspiel. Sie sieht darin eine gezielte Assoziation der Insel mit einem Tourismusmodell, das auf Exzessen und der Banalisierung Mallorcas basiert.

Fundamentale Kritik am Flughafenmanagement

In ihrer Initiative geht die Partei jedoch über die reine Werbekritik hinaus und attackiert das zugrundeliegende Verwaltungssystem. MÉS per Mallorca verurteilt das von der staatlichen Flughafenbehörde AENA praktizierte Management als "zentralistisch, ausbeuterisch und völlig losgelöst von den sozialen, territorialen und ökologischen Interessen der Inseln".

Die Partei stellt die aktuelle Werbung in einen größeren strategischen Kontext. Sie sei "kein anekdotischer Vorfall oder eine bloße Werbefrage", sondern "Ausdruck eines Modells, das Mallorca in ein Konsumprodukt verwandelt, das den touristischen und wirtschaftlichen Interessen von AENA dient". Dies schließt auch die im Rahmen des DORA-III-Plans vorangetriebenen Expansionsprojekte an den Flughäfen Palma und Ibiza ein. Diese würden, so die Argumentation, die touristische Überlastung verschärfen, den Druck auf das Territorium erhöhen und direkt zur Wohnungskrise beitragen.

Forderung nach Mitsprache und persönliche Rügen

Die parlamentarische Initiative wiederholt die bereits früher geäußerte Forderung nach einer Co-Gestion, einer gemeinsamen Verwaltung der Flughäfen durch staatliche und regionale Instanzen. Das balearische Parlament hatte hierzu bereits ein Gesetzesvorhaben gebilligt, dessen zügige Behandlung im spanischen Kongress nun angemahnt wird. Die Inselinstitutionen müssten effektiv an strategischen Entscheidungen über die Flughäfen des Archipels beteiligt werden können.

Die Entschließung enthält zudem persönliche Rügen. Getadelt wird AENA-Präsident Mauricio Lucena für seinen öffentlichen Widerstand gegen die Co-Gestion und seine Verteidigung eines auf "die Maximierung des wirtschaftlichen Gewinns und nicht auf das Wohl der ansässigen Bevölkerung" ausgerichteten Modells. Auch der Direktor des Flughafens Palma, Tomás Melgar, wird gerügt, weil er Werbekampagnen zugelassen habe, "die die Identität und die sozialen Interessen Mallorcas missachten".

Konfliktlinie: Wirtschaftswachstum versus Lebensqualität

Der Sprecher von MÉS per Mallorca im Parlament, Lluís Apesteguia, zog eine klare Trennlinie. "Während die Bürger unter den Folgen der touristischen Sättigung leiden, fördert AENA weiterhin mehr Wachstum, mehr Flüge und mehr Druck auf das Territorium", kritisierte er. Seine Schlussfolgerung markiert den Kern des politischen Streits: "Mallorca ist kein Freizeitpark und keine Handelsmarke im Dienst des touristischen Exzesses."

Der Vorstoß im Parlament zeigt eine zunehmende Politisierung der Tourismusfrage auf den Balearen, bei der Imagekampagnen und Infrastrukturpolitik als zwei Seiten derselben Medaille betrachtet werden. Die Debatte über den Slogan "Malle" ist somit nur der sichtbare Ausdruck eines grundlegenden Konflikts um die künftige Ausrichtung des wichtigsten Wirtschaftszweiges der Insel.


Quelle: europapress.es