Balearische Mieten entgleiten

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Balearische Mieten entgleiten

von Redaktion

Ein Archipel im Ausverkauf

Die Zahlen des spanischen Nationalen Statistikinstituts (INE) sprechen eine klare Sprache: Während sich andere Regionen vielleicht über eine leichte Entspannung freuen könnten, dreht sich auf den Balearen die Preisspirale weiter – und zwar deutlich schneller. Mit einem Plus von vier Prozent für Bestands- und schockierenden zehn Prozent für Neuverträge im Jahr 2024 haben wir keinen Markt mehr, wir haben einen Höhenflug ohne Sauerstoffmasken für die ansässige Bevölkerung. Wer hier noch von „marktkonformen“ Entwicklungen faselt, hat die soziale Realität der Inseln verkannt.

Nicht nur Palma ist betroffen

Zugegeben, die Hauptstadt Palma führt mit 4,2 Prozent die traurige Rangliste an. Doch das Problem ist archipelweit. Maó auf Menorca? 4,3 Prozent. Eivissa (Ibiza-Stadt)? 3,3 Prozent. Selbst das vermeintlich ruhigere Formentera verzeichnet ein Plus von 2,5 Prozent. Diese flächendeckende Steigerung zeigt: Es ist kein lokales Phänomen eines hippen Stadtviertels, sondern eine systemische Krise, die das gesamte Wohnraumgefüge aushöhlt. Die kollektive Wohnung mit 4,1 Prozent stärker zu belasten als das Einfamilienhaus (3,4 Prozent) trifft dabei genau jene, die ohnehin weniger haben.

Das eigentliche Drama: Neue Verträge

Die wahre Sprengkraft liegt im Detail der Vertragstypen. Ein Plus von 3,1 Prozent bei bestehenden Mietverhältnissen ist bereits eine Belastung. Das katapultartige Anspringen der Preise für Neuverträge um satte zehn Prozent hingegen ist ein Offenbarungseid der Politik. Es schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft des Wohnens: Wer seine Wohnung hält, kommt noch irgendwie über die Runden. Wer neu sucht – sei es wegen Jobwechsels, Familienzuwachs oder einer notwendigen Trennung –, wird vom Markt gnadenlos abgestraft. Das ist die konsequente Fortführung einer Politik, die den Wohnraum vorrangig als Kapitalanlage und nicht als Grundbedürfnis begreift.

Ein Wettlauf, den die Valencianische Gemeinschaft anführt

Nur eine Region in ganz Spanien übertrumpft die Balearen noch: die Comunidad Valenciana mit fünf Prozent. Diese traurige Führungsposition sollte den Verantwortlichen in Palma und Madrid zu denken geben. Sie sind auf dem besten Weg, den Fehlentwicklungen der festländischen Touristenhochburgen nachzueifern. Ein Wettbewerb, bei dem am Ende nur die großen Portfoliobesitzer und Plattformen gewinnen – und die lokale Mittelschicht sowie der Dienstleistungssektor das Nachsehen haben. Wer soll künftig die Hotels bedienen, die Krankenhäuser staffen oder die Schulen leiten, wenn eine einfache Wohnung zum unerreichbaren Luxusgut wird?

Die Statistiken des INE sind nicht nur trockene Zahlen. Sie sind der biometrische Fingerabdruck einer Gesellschaft, die dabei ist, ihre Seele zu verkaufen. Ein weiter so ist keine Option. Es ist ein Weg in die soziale Versteppung eines einst lebendigen Archipels.

Quelle: Die Daten basieren auf der experimentellen Statistik zum Mietpreisindex (IPVA) des Instituto Nacional de Estadística (INE), veröffentlicht am 12. Mai 2025.