Architekten fordern langfristigen Wohnungspakt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Architekten fordern langfristigen Wohnungspakt

von Jonas Beck

Eine Forderung jenseits der Tagespolitik

Die neu gewählte Dekanin des Col·legi d’Arquitectes de Catalunya (Coac), Sandra Bestraten, setzt gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine klare Priorität: die Schaffung einer stabilen, über Legislaturperioden hinweg tragfähigen Wohnungspolitik. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Europa Press forderte sie am Donnerstag einen “Pacte Nacional per l’Habitatge” – einen Nationalen Pakt für das Wohnen. Dieser soll, so Bestraten, von allen politischen Kräften getragen werden und Maßnahmen “mit langem Atem” festlegen, die über eine einzelne Wahlperiode hinaus Bestand haben.

Fachwissen als Grundlage für Lösungen

Um Effizienz und Praxistauglichkeit zu gewährleisten, müsse dieses Abkommen in enger Zusammenarbeit mit den Berufskammern entstehen. “Nicht nur mit der der Architekten”, präzisierte Bestraten, sondern mit allen relevanten Fachverbänden. Dieser kooperative Ansatz sei notwendig, um das gemeinsam diagnostizierte Problem des Wohnungsdefizits anzugehen. Sie räumte ein, dass die Absichten der aktuellen Regionalregierung (“Govern”) gut seien, betonte aber die Notwendigkeit einer engeren und kooperativeren Arbeitsweise mit den Profis der Branche.

Territoriales Gleichgewicht und neue Wohnformen

Ein zentraler Punkt ihrer Strategie ist die Forderung nach einem territorialen Gleichgewicht. “Es kann nicht sein, dass alles an der Küste stattfindet”, so Bestraten. Stattdessen müssten wirtschaftliche Impulse für das Landesinnere Kataloniens geschaffen werden, um die sogenannten “Zwischenstädte” zu stärken. Parallel dazu plädiert sie für strategische Innovationslinien, die das “Übergangsmanagement” verbessern sollen. Dazu gehörten Pilotprogramme zur Erprobung neuer Wohnungstypologien. Ein bewährtes und sozial bereicherndes Modell sei dabei die Durchmischung: von Miet- und Eigentumswohnungen sowie von kleinen, mittleren und großen Wohneinheiten.

Priorität: Umbau vor Neubau

Bevor über flächenhaften Neubau nachgedacht werde, müsse die Garantie für städtebauliche Regeneration und umfassende Sanierung im Vordergrund stehen, erklärte die Dekanin. Sie kritisierte die Vielzahl verlassener historischer Stadtkerne. Die Sanierung sei zwar kostspielig, müsse aber durch die Intervention in ganzen Häuserblöcken wirtschaftlich tragfähig gemacht werden. Ein großes Potenzial sieht sie zudem in der Umwandlung obsoleter Büro- und Industriegebäude in Wohnraum. Dies ermögliche eine deutlich schnellere Bereitstellung neuer Wohnungen als ein Neubau von Grund auf. Die derzeitige Gesetzgebung sei jedoch zu sehr auf Neubauten ausgelegt; hier brauche es mehr Flexibilität für solche Umnutzungen.

Sicherheit durch urbane Mischung

Abschließend verwies Bestraten auf eine oft unterschätzte Dimension der Architektur und Stadtplanung: die Sicherheit. Der Erhalt und die Förderung von Nahversorgern erhöhten das Sicherheitsgefühl in Städten maßgeblich. “Der Handel sind die Augen im Erdgeschoss”, brachte sie es auf den Punkt. Die Schaffung eines ausgewogenen Mix aus Nutzungen und Aktivitäten gehöre daher essenziell zur Arbeit von Architekten und Stadtplanern.

Die Informationen basieren auf einem Interview, das Sandra Bestraten der Nachrichtenagentur Europa Press gegeben hat.


Quelle: europapress.es

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