Anzeigen steigen, Schutzanordnungen sinken

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Anzeigen steigen, Schutzanordnungen sinken

von Jonas Beck

Die Entwicklung bei der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt in Spanien zeigt ein widersprüchliches Bild: Im ersten Quartal 2026 gingen bei den Gerichten insgesamt 50.911 Anzeigen ein – ein Anstieg von 6,36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der beantragten Schutzanordnungen um 2,5 Prozent auf 10.853. Dies teilte das Observatorio contra la Violencia Doméstica y de Género des Generalrats der Justiz (CGPJ) mit.

Opferzahlen und Herkunft

Die Rate der anzeigenden Gewaltopfer pro 10.000 Frauen lag landesweit bei 18,1 – ein halber Punkt mehr als im ersten Quartal 2025 (17,6). Von den betroffenen Frauen waren 60,73 Prozent spanische Staatsangehörige, 39,27 Prozent stammten aus anderen Ländern. Zudem wurden 107 Minderjährige als Opfer in den Anzeigen erfasst, darunter 72,90 Prozent mit spanischer Staatsangehörigkeit.

Regionale Unterschiede

Die höchsten Opferraten verzeichneten die Balearen mit 28,7, gefolgt von Navarra (24,5), den Kanarischen Inseln (23,4), der Valencianischen Gemeinschaft (23), Madrid und Murcia (je 21,2) sowie Andalusien (18,8). Deutlich unter dem Durchschnitt lagen Kastilien und León (11,4), Galicien (12,4), Extremadura (13,7) und Katalonien (13,9).

Aussageverweigerung und Anzeigewege

5.337 Frauen – 11,8 Prozent der Opfer – machten von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage gegen den Täter zu verweigern. Das waren 8,63 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der von den Opfern selbst eingereichten Anzeigen stieg auf 75,01 Prozent. Polizeiliche Unfallberichte machten 13,75 Prozent der Eingänge aus, gefolgt von ärztlichen Verletzungsberichten (6,33 Prozent) und Anzeigen durch Angehörige (1,94 Prozent).

Schutz- und Strafmaßnahmen

Die Gerichte ordneten 7.417 Schutzanordnungen an – ein Minus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden 20,47 Schutzanordnungen pro 100 Opfer ausgesprochen (2025: 21,6). Parallel ergingen 13.886 strafrechtliche Schutzmaßnahmen, darunter 5.537 Kontaktverbote und 5.330 Näherungsverbote. Zivilrechtliche Maßnahmen wie Unterhaltspflichten (1.352) und Aussetzung des Besuchsrechts (935) wurden 4.520 Mal verhängt.

Verurteilungen und Sexualstraftaten

Von den 15.474 Urteilen im ersten Quartal endeten 81,78 Prozent mit einem Schuldspruch – acht von zehn Verfahren. Im Bereich sexualisierter Gewalt außerhalb von Paarbeziehungen gingen 3.451 Anzeigen ein. Die Gerichte erließen 252 Urteile, davon 204 Verurteilungen. 611 Schutzanordnungen wurden beantragt, 441 bewilligt. Die häufigsten Delikte waren Straftaten gegen die sexuelle Freiheit (3.454), gefolgt von sexueller Belästigung (326) und Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung (72).

Quelle: Observatorio contra la Violencia Doméstica y de Género des Consejo General del Poder Judicial (CGPJ)


Quelle: 20minutos.es