Andalusien wählt: Moreno vor der Königsmacht

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Andalusien wählt: Moreno vor der Königsmacht

von Clara Weber

Die Wahllokale in Andalusien sind geschlossen, und die Spannung steigt. Hochrechnungen und Analysen deuten stark darauf hin, dass der amtierende Regionalpräsident Juanma Moreno (PP) seine Machtposition ausbauen könnte. Einem gewichteten Mittelwert aus 28 Umfragen zufolge, der mithilfe von 10.000 Monte-Carlo-Simulationen berechnet wurde, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine absolute Mehrheit der Konservativen bei 81 Prozent. Das entspräche 55 der 109 Sitze im Regionalparlament. Die endgültige Entscheidung lag jedoch bei den rund 6,8 Millionen Wahlberechtigten, von denen erfahrungsgemäß nur etwa 60 Prozent bei solch isolierten Regionalwahlen ihre Stimme abgeben.

Die Machtfrage in Sevilla

Sollte Moreno tatsächlich die absolute Mehrheit erreichen, stünde ihm eine dritte Legislaturperiode ohne parlamentarische Hindernisse bevor. Dies würde ihn nicht nur in Sevilla festigen, sondern ihn auch zu einer Schlüsselfigur für die nationale PP aufsteigen lassen. Der 58-jährige Politiker aus Malaga hat stets betont, nur acht Jahre regieren zu wollen, könnte nun aber zwölf Jahre amtieren. Über seine langfristigen Pläne schweigt er taktisch klug, um Spannungen in der eigenen Partei zu vermeiden. Ein klares Erben-Duo ist nicht in Sicht.

Seine Zukunft hängt auch vom nationalen Schachbrett ab. Sollte PP-Chef Alberto Núñez Feijóo die nächsten spanischen Parlamentswahlen gewinnen, wäre Moreno ein heißer Kandidat für einen Minister- oder Vizepräsidentenposten in Madrid. Scheitert Feijóo, stünde im PP die Frage an, wer der nächste Spitzenkandidat sein soll: der gemäßigte Andalusier Moreno oder die polarisierende Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso. Innerparteilich genießt Moreno derzeit mehr Rückhalt.

Sollte die absolute Mehrheit knapp verfehlt werden, müsste der PP-Chef mit der rechtspopulistischen Vox verhandeln. Für seine Wiederwahl als Regierungschef bräuchte er dann mehr Ja- als Nein-Stimmen; eine Enthaltung Vox' würde genügen. Ähnliche Pakte in Extremadura und Aragonien lassen Experten jedoch nicht von einer blockierten Legislatur ausgehen. Vox würde jede Unterstützung nutzen, um die eigene nationale Strategie voranzutreiben.

Die Linke im Umbruch

Für die andalusischen Sozialisten (PSOE) droht diese Wahl zur Zerreissprobe zu werden. Jedes Ergebnis unter ihren aktuellen 30 Sitzen – bereits das historisch schlechteste der Partei – würde eine offene Führungskrise auslösen. Die Spitzenkandidatin und aktuelle Generalsekretärin, María Jesús Montero, dürfte zwar nicht sofort zurücktreten, da die Partei sich auf anstehende Kommunal- und nationale Wahlen konzentrieren muss. Doch eine Niederlage würde den überfälligen Erneuerungsprozess erzwingen, der auf dem Parteitag in Granada vor einem Jahr ausgeblieben war.

Montero und ihr Organisationssekretär, Francisco Rodríguez, wurden vor allem mit ihren Regierungsämtern in Verbindung gebracht, weniger mit Parteiarbeit. Beide gehören zur Generation der 1960er Jahrgänge, die langsam abtritt. Eine schwere Wahlniederlage würde den Ruf nach jüngeren Gesichtern verstärken und alte Rivalitäten zwischen den Provinzen, insbesondere zwischen Sevilla und Jaén, wieder aufbrechen lassen. Als mögliche Nachfolger werden die Abgeordnete María Márquez aus Huelva oder der Sevillaner Javier Fernández gehandelt. Die endgültige Neuaufstellung wird aber wohl erst nach den nächsten spanischen Parlamentswahlen erfolgen.

Kleine Parteien mit großen Ambitionen

Spannend ist auch das Rennen im linken Spektrum. Die links-nationalistische Formation "Adelante Andalucía" will ihre derzeit zwei Sitze ausbauen. Nähert sie sich der Fünf-Sitze-Marke oder überholt sie sogar das Bündnis "Por Andalucía", könnte sie sich als feste, parteiunabhängige Kraft etablieren. Ihr langfristiges Ziel ist es, bei den nächsten spanischen Parlamentswahlen mindestens einen Abgeordneten aus den Provinzen Cádiz oder Sevilla nach Madrid zu entsenden. Dies würde der ursprünglich von "Anticapitalistas" gegründeten Bewegung um Ex-Chefin Teresa Rodriguez entscheidenden Aufwind geben.

Für "Por Andalucía" und ihren Koordinator Antonio Maíllo ist die Wahl eine Bewährungsprobe. Sie müssen ihre fünf Sitze mindestens halten, um ihren Anspruch als beratende Instanz für die Neuordnung der gesamtspanischen Linken aufrechtzuerhalten. Verluste würden eine tiefe Krise auf Bundesebene auslösen.

Vox vor der Bewährungsprobe

Auch für die rechtspopulistische Vox ist dieser Urnengang von großer Bedeutung. Nach ihrem historischen Einzug 2018 steht die Partei von Santiago Abascal unter Druck, ihr Ergebnis zu halten oder zu verbessern. Ihr Einfluss auf die Sitzverteilung nach dem D'Hondt-Verfahren ist entscheidend für die Frage der absoluten Mehrheit des PP. Ein schlechtes Abschneiden könnte interne Diskussionen über Strategie und Führung befeuern, während ein stabiles Ergebnis ihre Rolle als parlamentarischer Zünglein an der Waage in mehreren Regionen Spaniens festigen würde.

Die Ergebnisse dieser Wahl werden somit weit über die Grenzen Andalusiens hinaus strahlen und die politische Landschaft Spaniens für die kommenden Jahre mitprägen.


Quelle: malagahoy.es