Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Alicante: Großverfahren um Sozialwohnungen
Richterin lädt Angeklagte und Zeugen vor
Das Justizverfahren um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Sozialwohnungen in Alicante nimmt Fahrt auf. Die zuständige Ermittlungsrichterin hat in einer Verfügung vom 21. April 2026 insgesamt 15 Personen offiziell als Untersuchungsbeschuldigte benannt. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, müssen sich diese nun vor Gericht verantworten.
Zu den Beschuldigten gehören prominente Namen aus der Lokalpolitik und Verwaltung. An erster Stelle steht die ehemalige Stadträtin für Stadtplanung, Rocío Gómez (PP), die ihr Amt nach Bekanntwerden der Vorwürfe niederlegte. Ebenfalls auf der Liste: die frühere Generaldirektorin und Leiterin der Vergabestelle der Stadt, María Pérez-Hickman, die zurücktrat, nachdem bekannt wurde, dass Verwandte von ihr zu den Begünstigten gehörten. Neben ihnen sind weitere städtische Beamte, Mitarbeiter der Wohnungsbaubehörde der valencianischen Regionalregierung sowie zehn Begünstigte der Zuteilungen angeklagt.
Hintergründe zum Wohnungsprojekt “Les Naus”
Der Kern der Ermittlungen liegt in dem Wohnprojekt “Les Naus” im Stadtteil Playa de San Juan. Dort sollen geschützte Sozialwohnungen (Viviendas de Protección Pública, VPP) nicht regelkonform vergeben worden sein. Die Richterin ordnete zudem an, dass sieben weitere Personen am 8. Mai als Zeugen aussagen müssen. Unter diesen sind drei Techniker der Stadt Alicante und vier Mitarbeiter der Wohnungsbaubehörde, darunter der Generaldirektor für Wohnungsbauplanung.
Interessant ist die Verbindung zwischen einem der Beschuldigten und einer der Begünstigten. Ein hochrangiger Techniker der Wohnungsbehörde, der wegen der Genehmigungen für diese Wohnungen bereits disziplinarisch belangt und vorübergehend suspendiert wurde, ist laut Angaben aus Ermittlerkreisen der Partner einer Architektin der Stadt Alicante. Diese Architektin wiederum erhielt selbst eine der umstrittenen Wohnungen. Der Techniker soll gegenüber einem Vorgesetzten gesagt haben: “Es tut mir leid, ich habe Mist gebaut und werde alle Verantwortung übernehmen.”
Chronologie der Anhörungen
Die Richterin hat einen genauen Zeitplan für die Anhörungen festgelegt. Die ehemalige Stadträtin Gómez und die Ex-Generaldirektorin Pérez-Hickman müssen sich gemeinsam mit einem städtischen Architekten, dem alleinigen Geschäftsführer der Baukooperative Fraorgi und dem suspendierten Behördenmitarbeiter bereits am 20. Mai vor Gericht verantworten.
Die zehn als beschuldigt benannten Begünstigten, darunter die genannte Architektin, sind für den 5. Juni zur Vernehmung geladen. Alle diese Vorladungen erfolgten auf Antrag der Staatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung. Die Richterin wies gleichzeitig einen Antrag der Bürgerbewegung von Ciudadanos ab, den suspendierten Behördenmitarbeiter nur als Zeugen und nicht als Beschuldigten zu vernehmen. Die Staatsanwaltschaft sieht in ihm einen mutmaßlich Beteiligten.
Administrative und strafrechtliche Ebene verquickt
Der Fall zeigt, wie sich administrative und strafrechtliche Verfahren überschneiden. Der suspendierte Techniker der Regionalregierung ist inzwischen wieder in seinen Dienst zurückgekehrt. Der Grund: Weil nun ein Strafverfahren läuft, muss das disziplinarische Verfahren unterbrochen werden, wie der Regierungschef der Region Valencia, Juanfran Pérez Llorca, kürzlich erläuterte. Der Mitarbeiter wird jedoch vorerst keine Aufgaben im Bereich der Bau-Genehmigungen mehr übernehmen.
Das Verfahren wirft Fragen zur Vergabepraxis von sozialem Wohnraum in einer von Wohnungsknappheit geprägten Region auf und wird von der Justiz mit hoher Priorität behandelt.