
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
A7 bei Málaga: Das tägliche Roulette des Stillstands
Es ist ein Déjà-vu mit blechernem Beigeschmack: Während anderswo der Morgenkaffee getrunken wird, beginnt für Tausende an der Costa del Sol das tägliche Verkehrsroulette. An diesem Dienstagmorgen war die A7, die Lebensader der Küste, erneut Schauplatz einer Kaskade von Pannen und Kollisionen, die den Verkehr lahmlegten. Ein Muster, das längst kein Zufall mehr ist, sondern Ausdruck einer chronisch überlasteten Infrastruktur.
Ein Morgen im Zeichen der Blechlawine
Gegen 8:30 Uhr, zur absoluten Hauptverkehrszeit, begann das Chaos. Im Gemeindegebiet von Benalmádena kam es auf Höhe des Kilometers 1008 in Richtung Cádiz zu einem Auffahrunfall mit drei Fahrzeugen. Die Folge, wie die Dirección General de Tráfico (DGT) mitteilte, waren bis zu acht Kilometer Stau. Während die Bergungsdienste den linken Fahrstreifen blockierten und die Unfallwagen abtransportierten, staute sich der Verkehr weiter. Erst nach der Räumung entspannte sich die Lage allmählich; die Staulänge halbierte sich und die Normalisierung setzte ein. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht.
Fast zeitgleich, nur wenige Kilometer weiter auf Höhe von Mijas (Kilometer 1021, Richtung Marbella), schlug das Verkehrschaos erneut zu. Ein Fahrzeug kollidierte mit der Leitplanke. Der Notruf 112 Andalucía alarmierte Guardia Civil, Straßenwartung und Rettungsdienste. Ein Mensch musste versorgt werden – sein Gesundheitszustand war zunächst unklar. Auch hier wurde ein Fahrstreifen gesperrt und wieder freigegeben. Zusätzliche Behinderungen gab es im Cerrado-de-Calderón-Tunnel in Richtung Málaga-Stadt durch einen weiteren Auffahrunfall.
Kein Einzelfall, sondern System
Wer diese Vorfälle als isolierte Pechsträhne abtut, verkennt die Realität. Der Dienstag setzte nur fort, was sich bereits am Montagnachmittag mit dramatischer Wucht gezeigt hatte. Damals führte eine doppelte Havarie bei Torremolinos zu neun Kilometern Stillstand. Auslöser war, wie die DGT bestätigte, ein völlig ausgebranntes Fahrzeug auf Höhe des Kilometers 1008. Kurz darauf folgte auf Kilometer 1003 eine Dreier-Kollision. Später am Tag sorgte ein weiterer Unfall mit drei beteiligten Autos an der Auffahrt zum Nagüeles-Tunnel bei Marbella für zwei Kilometer Stau. Eine makabre Serie, die erstaunlicherweise ebenfalls ohne schwere Verletzungen blieb.
Diese Häufung ist kein meteorologisches Phänomen, sondern hausgemacht. Die Autovía del Mediterráneo, konzipiert für einen anderen Verkehrsfluss, erstickt im 21. Jahrhundert an ihrem eigenen Erfolg und an fehlenden, zukunftssicheren Alternativen. Jeder kleinste Zwischenfall – ein Reifenplatzer, eine Unaufmerksamkeit – löst eine Kettenreaktion aus, die Wirtschaft und Privatleben für Stunden lähmt.
Die Lehre aus dem Stau
Die offiziellen Meldungen der DGT und des Notrufs 112 betonen stets die erfolgreiche Räumung und die „wiederhergestellte Normalität“. Doch diese Normalität ist das Problem. Sie ist geprägt von der Erwartung täglicher Staus, von verlorenen Stunden in der Blechschlange, von einer Infrastruktur am Limit. Die Politik feiert die schnelle Unfallbeseitigung, statt die Ursachen des täglichen Kollapses anzugehen: Überlastung, teils veraltete Streckenführung und eine eklatante Abhängigkeit von dieser einen Verkehrsachse.
Die wiederholten Unfälle ohne Schwerverletzte sind ein glücklicher Umstand, auf den man sich nicht verlassen kann. Sie sind aber auch das perfekte Alibi für Tatenlosigkeit. Solange es „nur“ Blechschäden und Zeitverschwendung sind, fehlt der letzte politische Druck für eine grundlegende Verkehrswende an der Küste. Bis dahin bleibt die A7 eine überfüllte Warteschlange, in der der nächste Unfall nur eine Frage der Zeit ist.
Quellen: Meldungen der Dirección General de Tráfico (DGT) und des Notrufservices 112 Andalucía zur Unfalllage am 14. und 15. Mai auf der A7 in den Gemeindegebieten von Benalmádena, Mijas, Torremolinos und Marbella.
Quelle: malagahoy.es