
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wie Mallorca zum Papier-Paradies wurde
Vom Geheimtipp zum Massentraum
Mallorca ist heute das Synonym für Urlaub schlechthin – doch das war nicht immer so. Die Insel musste erst erfunden werden, und zwar auf Papier. Die Ausstellung "Viatgers a l'illa. Un paradís de paper" in der Fundación Cultural Coll Bardolet in Valldemossa erzählt nun genau diese Metamorphose: Wie aus einer kaum bekannten Mittelmeerinsel ein Mythos wurde, der Maler, Schriftsteller und reisehungrige Elite anzog.
Die Schau stützt sich auf Originalmaterialien der Sammlung Pons Company – Kupferstiche, Reisebriefe, Karten und Plakate, die zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert das Bild der Insel prägten. Es waren nicht die Strände, die Mallorca zuerst berühmt machten, sondern die Maler und Literaten, die die Lichtverhältnisse, die Tramuntana-Berge und die Klöster romantisch überhöhten. Wer heute behauptet, der Massentourismus sei das Schicksal der Insel gewesen, übersieht: Der Tourismus war eine Inszenierung – und zwar eine sehr erfolgreiche.
Die damaligen Reiseberichte und illustrierten Magazine wirkten wie ein Sehnsuchtsverstärker. Sie zeigten eine Insel, die authentischer und ursprünglicher schien als das industrialisierte Festland. Gerade dieser Kontrast machte Mallorca für die europäische Oberschicht so attraktiv. Die Ausstellung macht deutlich, dass es sich hier um einen frühen Fall von „Nation Branding“ handelte – lange bevor dieser Begriff existierte.
Die Inselverwaltung unterstützt das Projekt finanziell: 60.000 Euro fließen im Jahr 2026 von der Inselregierung an die Stiftung. Diese Förderung ist Teil des Programms "Art, cultura i patrimoni", mit dem das Konsistorium die visuellen Künste auf Mallorca fördert. Kritiker mögen einwenden, dass 60.000 Euro für einen Ausstellungsbetrieb wenig sind. Doch es geht hier nicht um die reine Summe – es geht um ein kulturelles Statement, das man in Zeiten von Übernachtungssteuern und Tourismusdebatten nicht hoch genug einschätzen kann.
Die Kulturdezernentin Antònia Roca betonte bei der Eröffnung, dass solche Ausstellungen der Bevölkerung helfen, die Geschichte der Insel über Bilder und Dokumente zu begreifen. Das ist richtig, aber es greift zu kurz: Diese Schau ist mehr als ein historischer Rückblick. Sie ist eine Erinnerung daran, dass der Tourismus auf Mallorca kein Zufallsprodukt war, sondern das Ergebnis einer gesteuerten Verklärung – eines „Papier-Paradieses“, das bis heute nachwirkt.
Die Ausstellung ist ein Lehrstück für alle, die glauben, dass Tourismus einfach so entsteht. Er entsteht nicht am Strand, sondern im Kopf – und der Kopf wird bekanntlich über Bücher, Bilder und Postkarten bedient. Genau diese Erkenntnis macht die Schau in Valldemossa so relevant, nicht nur für Mallorca, sondern für jede Region, die sich heute touristisch vermarkten will.
Wie der Consell de Mallorca berichtet, läuft die Ausstellung bis ins kommende Jahr und ist Teil eines größeren kulturellen Engagements der Institution. Wer also verstehen will, warum Mallorca heute Millionen anzieht, sollte sich auf Spurensuche begeben – dorthin, wo die Insel tatsächlich entstanden ist: auf Papier.
Quelle: europapress.es