
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Überfüllte Busse auf Mallorca – Regierung unter Druck
Voller als voll: Alltag im TIB-Bus
Ein Video, das diese Woche in den sozialen Medien die Runde macht, zeigt kein außergewöhnliches Großstadtszenario, sondern den Alltag im öffentlichen Nahverkehr auf Mallorca. Die Aufnahmen, die der Nutzer Pep Socies teilte, zeigen einen komplett überfüllten Bus des Transport-Insular-Bus (TIB). Passagiere stehen dicht gedrängt, ein Bewegen ist kaum möglich. Der Nutzer kommentiert die Bilder scharf: "Das ist die öffentliche Linie, Verantwortung der Regierung. Ich bin nicht der Erste, der das anprangert. Aber was macht die Regierung? Nichts." Er wirft der balearischen Führung vor, Geld in unnötige Projekte zu investieren, anstatt den als essenziell eingestuften Dienst zu verbessern, und spricht von einem "skandalösen" Zustand.
In seiner direkten Ansprache an die Präsidentin des balearischen Govern, Marga Prohens, stellt er deren Darstellung infrage: "Prohens, kommen Sie mir nicht mit der Predigt von der 'punktuellen Überlastung'." Seine zentrale Kritik: Ein Mangel an Praxisnähe. "Hat sie den Mut, den öffentlichen Verkehr zu nutzen, um die Realität zu sehen, die wir Bürger erleiden? Wahrscheinlich nicht", so Socies. Er fordert die politisch Verantwortlichen auf, vom Betreiber die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und eine Erhöhung der Taktfrequenzen einzufordern.
"Damit wir nicht zu spät zur Arbeit kommen"
Die viralen Bilder sind kein Einzelfall, wie zahlreiche Reaktionen im Netz belegen. Besonders eindrücklich ist der Erfahrungsbericht einer jungen Bewohnerin aus Valldemossa. Unter dem TikTok-Namen "Karenciaexistencial" schilderte sie kürzlich die täglichen Hürden. An Haltestellen bilden sich demnach lange vor der Ankunft des Busses Schlangen. Da die Kapazitäten nicht ausreichen, müssten viele Fahrgäste auf den nächsten Bus warten – manchmal über eine Stunde.
Ihr offenes Geständnis löste eine Debatte aus: Um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen, stellen sich die Einheimischen einfach vor die wartenden Touristen. "Wir schummeln uns in die Warteschlange, bevor die Touristen kommen", gab die junge Frau zu. Dieses Verhalten offenbart den frustrierenden Wettbewerb um einen Sitzplatz in einem System, das an seine Grenzen stößt.
Parlamentarischer Vorstoß gegen Stillstand
Die politische Opposition hat die Problematik nun offiziell auf die Agenda gesetzt. Wie der Abgeordnete Ferran Rosa von Més per Mallorca im Parlament darlegte, ignoriere die Regierung ein seit sieben Monaten bestehendes Mandat. Am 10. September letzten Jahres hatte das Parlament beschlossen, das interurbane Busnetz gezielt zu verstärken, vor allem auf den am stärksten frequentierten Strecken.
"Sieben Monate später wurden keine signifikanten Maßnahmen ergriffen", kritisierte Rosa und lud den zuständigen Mobilitätsminister ins Plenum ein. In einer Reihe direkter Fragen forderte er den Minister auf, die Situation einzuschätzen: Ob die Busse überfüllt seien, ob das Angebot ausreiche, ob die Bewohner Mallorquins sich "in unserem eigenen Zuhause bewegen können" und ob es überhaupt Garantien gebe, zur benötigten Zeit einen Bus zu erwischen. Rosa erinnerte daran, dass diese Probleme bereits vor einem Jahr bestanden, als seine Partei die Priorisierung der Residenten forderte – und dass sie heute unverändert aktuell sind.
Die Bilder der übervollen Busse sind somit mehr als ein viraler Moment. Sie sind ein sichtbares Symptom für ein Verkehrssystem, das mit den Anforderungen der Insel, besonders in der beginnenden Saison, nicht mehr Schritt hält. Der Druck auf die Regierung, den parlamentarischen Beschluss endlich umzusetzen, wächst.