Valencias Unternehmen sind nicht dana-resilient

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Valencia

Valencias Unternehmen sind nicht dana-resilient

von Redaktion

Alarmierende Lücke zwischen Einsicht und Handeln

Wie eine gemeinsame Untersuchung des Offiziellen Industriellenvereins von Valencia (COIIV) und der Beratungsfirma Improven ergab, ist die valencianische Wirtschaft schlecht auf ein erneutes Extremwetterereignis wie die vergangene DANA (tropisches Tiefdruckgebiet) vorbereitet. Lediglich 6,6 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über einen ausgearbeiteten Notfallplan. Das ist besonders bedenklich, da fast 60 Prozent der Betriebe angeben, einen solchen Plan für nötig zu halten und ihn in Erwägung zu ziehen.

Die Studie “Technologische Resilienz: Auswirkungen und Chancen nach der DANA” liefert eine Momentaufnahme des Produktionsgefüges der Region für das Jahr 2026 und basiert auf Antworten von 286 strategischen und technischen Entscheidungsträgern.

Fehlende Strategie und Digitalisierung als Hauptprobleme

Der Bericht offenbart zwei zentrale Schwachstellen: Einerseits fehlt es in den Firmen weitgehend an einer klaren Strategie für Klimarisiken. Andererseits ist die Digitalisierung der Risikomanagementsysteme kaum vorangeschritten. Dieser Mangel ist branchen- und größenübergreifend. So sind selbst nur 2,9 Prozent der Großunternehmen gewappnet – ein “besorgniserregender” Wert, wie Sergio Gordillo, geschäftsführender Gesellschafter von Improven, betont. “Große Unternehmen nutzen ihre Ressourcen nicht gut genug für ein effektives Risikomanagement”, so Gordillo. Diese Firmen seien oft “Zugpferde” für den gesamten Mittelstand, sodass ihre Verwundbarkeit Kaskadeneffekte auslösen könne.

Die Digitalisierung werde häufig nur als punktuelles Werkzeug, nicht aber als transformative Geschäfts-”Hebel” betrachtet. Bei neun von zehn Unternehmen sind digitale Tools im Risikomanagement nicht implementiert, obwohl 63 Prozent darüber nachdenken. Als Hindernisse nennen die Befragten Budgetknappheit, starre Unternehmenskulturen, Schwierigkeiten bei der Förderung und einen Mangel an Fachkräften.

Die bitteren Lehren aus der Vergangenheit

Fast 80 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie das letzte Extremereignis entweder völlig unvorbereitet traf (58 Prozent) oder ihre vorhandenen Pläne unzureichend waren (19,7 Prozent). Als Hauptfehler wurden mangelhafte Frühwarnsysteme, eine zu langsame Entscheidungsfindung, ungeschützte kritische Infrastrukturen und eine fehlende Koordination mit Behörden oder Lieferanten benannt.

Der Studie zufolge hat sich die Bedrohungslage gewandelt: Der größte Schaden durch Klimaextreme ist nicht mehr primär physischer Art, sondern die Unterbrechung des Geschäftsbetriebs (62,4 %). Dies “definiert das Klimarisiko neu als ein Problem der Betriebskontinuität”, so Gordillo. Materielle Schäden (42,7 %) und finanzielle Verluste (32,5 %) folgen auf den Plätzen.

Aufbruch zu einem neuen Risikobewusstsein

“Wir müssen uns auf den kulturellen Aspekt und die Verknüpfung mit dem Unternehmenszweck konzentrieren”, fordert Gordillo. Extreme Risiken dürften nicht länger als Ausnahmen behandelt, sondern müssten als struktureller Teil des Geschäfts integriert werden. Federico Torres, Präsident des COIIV, sieht in den ernüchternden Zahlen dennoch eine Chance. “Die DANA war ein unvorhergesehenes Phänomen, aber jetzt muss man sie als vorhersehbar betrachten”, sagte er. Ziel sei es, die valencianische Industrie widerstandsfähiger zu machen.

Als konkreten Schritt arbeitet der Industriellenverein an der Einrichtung eines “Innovations-Hubs”. Dieser soll einen öffentlich-privaten Kooperationsraum schaffen, in dem Unternehmen und Verwaltung mittelfristig konkrete Lösungen entwickeln können. Laut der Studie wünscht sich die Hälfte der Befragten den COIIV als technischen Referenzpunkt und Förderer von Pilotprojekten. 72,4 Prozent der Unternehmen – darunter 68 Prozent Klein- und Kleinstbetriebe – wären bereit, in einem solchen Hub mitzuarbeiten.

Quelle: Studie “Resiliencia Tecnológica: Impacto y Oportunidades Post-dana” des Colegio Oficial de Ingenieros Industriales de Valencia (COIIV) und Improven.

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