Staatskredit soll Hauskauf ohne Eigenkapital ermöglichen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Staatskredit soll Hauskauf ohne Eigenkapital ermöglichen

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Der Traum von den eigenen vier Wänden scheitert in Spanien für viele nicht an der monatlichen Rate, sondern an der geforderten Anzahlung. Banken finanzieren üblicherweise nur bis zu 80 Prozent des Kaufpreises, der Rest muss aus eigener Tasche kommen. Für Haushalte ohne nennenswerte Ersparnisse ist das oft eine unüberwindbare Hürde. Genau hier setzt das neue Programm „Tu Casa“ der Zentralregierung an.

Wie aus einem am Mittwoch im Staatsanzeiger (BOE) veröffentlichten königlichen Dekret hervorgeht, soll die staatliche Kreditagentur ICO künftig diesen fehlenden Teil übernehmen. Konkret plant das Institut, entweder 20 Prozent des Immobilienwertes oder bis zu 50.000 Euro beizusteuern – je nachdem, welche Summe für die Behörde günstiger ausfällt. Zusammengenommen mit einem Standardkredit der Bank käme so eine Vollfinanzierung für Häuser und Wohnungen bis zu einem Preis von 250.000 Euro zustande.

Noch sind viele Details offen

Das Dekret legt allerdings nur den groben Rahmen fest. Die genauen Bedingungen, etwa die Einkommensgrenzen für Antragsteller oder die maximale Wohnfläche, sollen in einer späteren Sitzung des Ministerrats definiert werden. Klar ist bereits: Es gibt keine Altersbeschränkung, und der Kredit gilt ausschließlich für den Ersterwerb einer selbstgenutzten Immobilie. Auch die Rückzahlungsmodalitäten sind skizziert: Die Tilgung des Staatsdarlehens beginnt erst nach Ablauf der Hypothekenlaufzeit, die auf 30 Jahre festgelegt ist. Danach haben die Empfänger bis zu zehn Jahre Zeit, das Geld zinslos und ohne Gebühren zurückzuzahlen.

Die Finanzierung des Programms soll aus dem Etat des Wohnungsbauministeriums stammen, auch wenn die Abwicklung über den ICO läuft. Eine wichtige Auflage betrifft die spätere Nutzung: Wer eine so geförderte Immobilie wieder verkaufen möchte, darf dies nur zum ursprünglichen Kaufpreis tun, angepasst an die Inflation. Mit dieser Maßnahme will die Regierung spekulative Gewinne verhindern. Renovierungen können den Wert allerdings erhöhen.

Lob und Warnungen aus der Branche

Wie das Wirtschaftsportal „La Información Económica“ berichtet, sehen Experten das Vorhaben überwiegend positiv, verweisen aber auf mögliche Schattenseiten. Ricard Garriga, Geschäftsführer des Hypothekenvermittlers Trioteca, verweist auf ein ähnliches Modell in Katalonien, wo der regionale Finanzinstitut ICF bereits seit einiger Zeit junge Käufer unterstützt. Dort haben im ersten Jahr rund 1.800 Personen von dem Programm profitiert.

Andere Stimmen warnen vor unbeabsichtigten Folgen. Ricardo Gulias von „RN Tú Solución Hipotecaria“ befürchtet, dass die zusätzliche Nachfrage die Preise weiter anheizen könnte. Auch der Hinweis von Jorge González-Iglesias vom Vergleichsportal Gibobs.com geht in eine ähnliche Richtung: „Man sollte genau durchrechnen, ob man sich das Eigenheim auch langfristig leisten kann – nicht nur am Tag der Unterschrift.“

Banken werden vorsichtiger

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Kreditvergabe leicht an Dynamik verliert. Nach Daten der Banco de España ist der Anteil der Hypotheken, die mehr als 80 Prozent des Kaufpreises abdecken, zuletzt gesunken. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres lag er demnach bei 9,6 Prozent – der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Von rund 130.000 neu vergebenen Krediten überschritten nur etwa 12.000 diese Schwelle.

Das neue Staatsdarlehen könnte diese Lücke nun schließen und gleichzeitig den Markt beleben. Ob das Programm tatsächlich den erhofften Effekt erzielt, wird maßgeblich von den noch ausstehenden Detailregelungen abhängen.


Quelle: 20minutos.es

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