
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sechs Tote bei Schüssen in Krakau
Schüsse am Marktplatz
Ein 24-jähriger Pole hat am Freitagnachmittag im Zentrum von Krakau das Feuer auf Passanten eröffnet. Nach Angaben der Polizei steuerte der Mann zunächst ein Fahrzeug auf den Hauptmarkt der Stadt, stieg dann aus und gab wahllos mehrere Schüsse aus einem Sturmgewehr ab. Bei dem Angriff kamen sechs Menschen ums Leben, darunter vier Frauen und zwei Männer. Mehr als ein Dutzend weiterer Personen wurde verletzt, einige von ihnen schwer. Wie die Behörden mitteilten, befinden sich unter den Verletzten auch zwei Polizisten, die bei der Festnahme des Täters angeschossen wurden.
Festnahme nach Schusswechsel
Die ersten Einsatzkräfte erreichten den Tatort nur drei Minuten nach der ersten Meldung. Beim Eintreffen eröffnete der Angreifer den Angaben zufolge das Feuer auch auf die Beamten. Diese erwiderten die Schüsse und trafen den Mann, der daraufhin festgenommen werden konnte. In seinem Fahrzeug sicherten die Ermittler das verwendete Sturmgewehr, mehrere weitere Waffen sowie eine große Menge Munition. Zunächst war die Polizei von mehreren Tätern ausgegangen, diese Annahme wurde jedoch später verworfen.
Drei weitere Leichen entdeckt
Nach Angaben von Premierminister Donald Tusk wurden später am Tag in der Ortschaft Ostrowiec Swietokrzyski, etwa 120 Kilometer nordöstlich von Krakau, drei weitere Tote aufgefunden. Der Fundort liegt im Haus der Familie des mutmaßlichen Täters. Bei den Opfern handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um zwei Frauen und einen Mann aus dem engsten Familienkreis des Angreifers, wie Tusk bei einer Stellungnahme erklärte. Er sprach von einer „außergewöhnlichen Tragödie“ und ordnete für Montag und Dienstag eine Staatstrauer an.
Ermittlungen zu Motiv und Hintergrund
Innenminister Marcin Kierwinski äußerte sich am Abend zu den Hintergründen des Angreifers. Der Mann sei polnischer Staatsbürger, habe aus der Region Swietokrzyskie gestammt und sei laut ersten Erkenntnissen ultranationalistisch eingestellt. Es gebe Hinweise auf eine „sehr radikale Ideologie“. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter die Waffen aus dem Haus seiner Eltern hatte, da der Vater im Besitz einer Waffenlizenz war. Das Motiv der Tat ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sieben Ermittler den Fall bearbeiten und auch prüfen, ob der Täter Komplizen hatte. Der Attentäter selbst wurde nach seiner Festnahme in ein Krankenhaus gebracht. Er musste sich bereits zwei chirurgischen Eingriffen unterziehen.
Die Stadt Krakau kündigte Trauerbeflaggung bis zum 11. November an. Polens Justizminister Waldemar Zurek sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus: „Mein Herz ist bei den Familien und Angehörigen der Opfer dieser unvorstellbaren Tragödie.“ Auch Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski vom PiS äußerte sich bestürzt und forderte eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, bleibt die genaue Zahl der Verletzten zunächst unklar, da laut Innenministerium aktuell von 16 behandlungsbedürftigen Personen die Rede ist, von denen zwei das Krankenhaus bereits wieder verlassen konnten. Innenminister Kierwinski hob hervor, dass das schnelle Eingreifen der Sicherheitskräfte eine noch größere Katastrophe verhindert habe.
Quelle: europapress.es