Schutzschild für Weißkittel

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Schutzschild für Weißkittel

von Sabine Keller

Klare Ansage aus Sevilla

Die andalusische Regierung zieht die Daumenschrauben an: Wer in Krankenhäusern oder Arztpraxen handgreiflich wird oder Pflegepersonal beschimpft, soll künftig tief in die Tasche greifen. Eine spezielle Lex Sanitaria soll noch dieses Jahr verabschiedet werden. Antonio Sanz, geschäftsführender Gesundheitsminister der Region, verspricht ein „scharfes Schwert“ gegen aggressive Patienten und Angehörige. Die Botschaft ist unmissverständlich: Schluss mit der Duldsamkeit.

Das Strafmaß hat es in sich

Das geplante Gesetz sieht Geldbußen von bis zu 60.000 Euro vor. Der Bogen reicht von leichten Vergehen – etwa Beleidigungen und Pöbeleien – bis zu schweren Übergriffen inklusive Tätlichkeiten. Auch digitale Attacken über soziale Netzwerke werden erfasst. Hinzu kommen flankierende Maßnahmen wie der Entzug des Zugangs zu Kliniken oder der Zwang zum Arztwechsel. Wie die Zeitung Axarquiaplus berichtet, sollen Täter künftig nicht nur juristisch belangt, sondern auch räumlich von ihren Opfern getrennt werden.

Hintergrund: Jeder weiße Fleck zählt

Die Zahlen sind alarmierend. Allein im Jahr 2025 verzeichnete Andalusien knapp 2.000 Übergriffe auf medizinisches Personal – davon 387 mit körperlicher Gewalt. Rein rechnerisch passiert das fast fünfmal am Tag. Besonders betroffen: Allgemeinmediziner in den konsultationsreichen Sprechstunden und Krankenpfleger auf den Stationen. In Sevilla, Málaga und Cádiz ballen sich die Vorfälle. Die Täter sind zunehmend psychisch kranke oder demente Patienten. Laut der regionalen Beobachtungsstelle sind 74 Prozent der Opfer Frauen.

Mehr als nur Symbolpolitik?

Die Junta hat bereits Vorsorge getroffen: Über 50.000 Kameras und Notrufsysteme hängen in den Kliniken, die Sicherheitsausgaben stiegen um 60 Prozent auf fast 60 Millionen Euro. Dennoch bleibt die Frage: Sind saftige Geldbußen wirklich der Hebel, um Verzweifelte oder psychisch Labile von Gewalt abzuhalten? Oder braucht es mehr therapeutische Angebote, Personalaufstockung und klarere Kommunikation an der Front? Die neue Lex Sanitaria ist ein starkes Signal, aber kein Allheilmittel. Entscheidend wird sein, ob sie präventiv wirkt – oder nur die Gerichte weiter überflutet.

Quelle: axarquiaplus.es


Quelle: axarquiaplus.es