Roter Himmel über Almería

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

El Ejido

Roter Himmel über Almería

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Wenn der Himmel seine Schleusen öffnet

Es ist ein Szenario, das in Andalusien mittlerweile zum traurigen Alltag gehört: Der Himmel verdunkelt sich, die ersten Tropfen fallen, und innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich Straßen in reißende Bäche. Was nun in El Ejido droht, hat jedoch eine neue Qualität. Die Wetterexperten der staatlichen Agencia Estatal de Meteorología (Aemet) haben für die Region um die Gewächshaus-Hochburg an der Almerienser Küste die höchste Alarmstufe ausgerufen – Rot bedeutet hier: Lebensgefahr durch sintflutartige Niederschläge.

60 Liter pro Stunde – ein Worst-Case-Szenario

Die nackten Zahlen sind erschreckend genug: Bis zu 60 Liter pro Quadratmeter sollen innerhalb einer einzigen Stunde vom Himmel kommen. Wer jetzt noch zögert, die Gefahr ernst zu nehmen, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Behörden haben längst die Notbremse gezogen. Antonio Sanz, Vize-Präsident der andalusischen Regionalregierung, hat die Notfallphase für Überschwemmungsrisiken ausgerufen und die operative Stufe 1 aktiviert. Das ist kein Bürokratie-Akt, das ist der Ernstfall.

EsAlert: Das Handy als Lebensretter

Erstmals in dieser Dimension greift nun die Technik: Über das EsAlert-System wurden alle Mobiltelefone in der Gefahrenzone erreicht. Kein Piepsen, das man ignorieren kann – ein durchdringender Alarmton, der die Botschaft unmissverständlich übermittelt: Bleibt zu Hause, meidet unnötige Fahrten, geht nicht in die Nähe von überfluteten Bereichen oder Flussläufen. Wer dennoch meint, er müsse jetzt noch schnell den Wagen umparken oder das Gartenmöbel retten, der spielt russisches Roulette mit seinem Leben.

Ein Flächenbrand der Unwetter

Doch El Ejido ist nur das Epizentrum eines Unwetterkomplexes, der über ganz Andalusien liegt. Auch die Provinzhauptstadt Almería selbst steht unter orangefarbenem Alarm, wo bis zu 100 Liter pro Quadratmeter in zwölf Stunden erwartet werden. Dazu gesellen sich gelbe Warnstufen für weite Teile der Region – von Málaga über Granada bis hinauf nach Jaén, Córdoba, Sevilla sowie in Teilen von Cádiz und Huelva. Überall drohen nicht nur kräftige Schauer, sondern auch Hagelschlag – als ob die Natur dem Süden Spaniens nicht schon genug zugemutet hätte.

Die Lehren aus der Vergangenheit

Man kann nur hoffen, dass die Menschen diesmal vernünftiger sind als bei früheren Unwettern. Ramblas, diese typischen Trockenflüsse, die bei Regen zu tödlichen Fallen werden, sind keine Abkürzung, sondern ein Grab. Die Empfehlungen der Notfallschutzbehörde klingen banal, sind aber überlebenswichtig: nicht campen, nicht wandern, nicht durch überflutete Straßen fahren – egal, wie harmlos das Wasser aussieht. Ein halber Meter Strömung reicht, um ein Auto mitzureißen.

Die nächsten Stunden werden zeigen, ob die Warnungen erhört werden. Die Behörden haben getan, was sie tun können. Jetzt liegt es an der Vernunft der Bevölkerung – und am gnädigen Wetter, das in Andalusien selten Gnade kennt.

Die Informationen basieren auf Meldungen der Nachrichtenagentur Europa Press sowie den offiziellen Warnungen der Aemet und der andalusischen Notfallschutzbehörde.


Quelle: europapress.es

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