Rekordsumme für Immobilienkredite trotz Zinswende

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Spanien

Rekordsumme für Immobilienkredite trotz Zinswende

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Die spanischen Hypothekenmärkte trotzen weiterhin den widrigen Bedingungen: Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen anhebt und Immobilienpreise auf Rekordniveau liegen, werden weiterhin viele Kredite vergeben. Allerdings zeigt sich eine deutliche Veränderung: Die Kreditnehmer müssen immer höhere Summen aufnehmen, wie aktuelle Zahlen des Nationalen Statistikinstituts (INE) belegen.

Durchschnittliche Kreditsumme steigt auf 181.285 Euro

Im August erreichte das durchschnittliche Hypothekenvolumen für Wohneigentum mit 181.285 Euro einen historischen Höchststand. Das ist ein Anstieg von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir sind besorgt, weil wir das Jahr mit rund 169.000 Euro begonnen haben. In nur acht Monaten ist die benötigte Finanzierungssumme um fast zehn Prozent gestiegen", erklärt Ricard Garriga, Direktor und Mitgründer des Vergleichsportals Trioteca. Es ist bereits der zweite Monat in Folge, in dem die durchschnittliche Hypothek die 180.000-Euro-Marke überschreitet.

Die Folge: Das Gesamtvolumen der von Banken vergebenen Immobilienkredite wächst wesentlich schneller als die reine Anzahl der Verträge. Im August vergaben die Geldhäuser insgesamt rund 6,13 Milliarden Euro – ein Plus von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Zahl der abgeschlossenen Hypothekenverträge stieg hingegen nur um 2,3 Prozent auf 33.841. Das bedeutet: Es werden ähnlich viele Kredite abgeschlossen, aber für deutlich größere Beträge.

Banken werden selektiver

"Die Finanzinstitute agieren selektiver, ihre Angebote werden weniger aggressiv, und sie priorisieren Rentabilität und Risikoqualität gegenüber dem Volumen neuer Geschäfte", konstatiert María Matos, Studienleiterin beim Immobilienportal Fotocasa. Für Käufer bedeutet das neben höheren Kreditsummen auch einen höheren Eigenkapitalbedarf für die Anzahlung und größere monatliche Belastungen.

Die Zinsentwicklung verschärft die Situation zusätzlich. Im August lag der durchschnittliche Hypothekenzins bei 3,08 Prozent – der höchste Stand seit Anfang 2025. Vor einem Jahr waren es noch 2,88 Prozent. Die EZB hatte im Juni und September die Leitzinsen angehoben, um die Inflation im Euroraum angesichts der Energiekrise nach dem Krieg im Iran zu bekämpfen.

Wachstum verlangsamt sich spürbar

Die Auswirkungen der Zinserhöhungen zeigen sich in der Dynamik des Marktes. Zwar wurden von Januar bis August insgesamt 336.897 Immobilienkredite vergeben, ein Plus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch das Wachstum schwächt sich deutlich ab: Während es im Februar noch 16,3 Prozent und im März neun Prozent waren, lag es im August nur noch bei 2,3 Prozent. Im Juli wurde sogar ein Rückgang von 3,5 Prozent verzeichnet.

"Der Trend ist weiterhin steigend, aber die Intensität nimmt ab", sagt Garriga. Er führt diese Entwicklung auf die Zinserhöhungen und das begrenzte Angebot an verfügbaren Wohnungen zurück. Für das Jahresende erwartet er teurere Hypotheken und weniger Transaktionen. "Der Markt rechnet zunehmend damit, dass die Zinsen länger hoch bleiben", ergänzt Ricardo Gulias, CEO von RN Tu Solución Hipotecaria.

Kaufzahlen sinken leicht

Unterdessen zeigt sich am Immobilienmarkt selbst eine leichte Abkühlung: Zwischen Januar und August wurden 2,3 Prozent weniger Wohnungen verkauft als im Vorjahreszeitraum. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Käufe ohne Hypothek abnimmt. Im August verzeichnete das INE zwar 49.319 Kaufverträge, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – doch dieser Anstieg konnte die Rückgänge der Vormonate nicht ausgleichen.

Matos betont, dass die Veränderung der finanziellen Rahmenbedingungen nun sichtbarer in den Transaktionen ankomme. Sie verweist darauf, dass viele der im August formalisierten Hypotheken auf Verkaufsverhandlungen zurückgehen, die schon Wochen oder Monate zuvor begannen. Erst in den kommenden Monaten werde sich das volle Ausmaß der Zinserhöhungen zeigen. "Zu erwarten ist eine schrittweise Abkühlung mit weniger Transaktionen und Hypotheken nach dem Rekordjahr 2025, selektiveren Käufern und vorsichtigeren Banken. Die große Herausforderung bleibt die Erschwinglichkeit", so Matos. Wie das Wirtschaftsressort der Zeitung 20 Minutos berichtet, bleibt damit die Frage der Finanzierbarkeit von Wohneigentum das zentrale Thema am spanischen Immobilienmarkt.


Quelle: 20minutos.es

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