
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Puente tritt nach Urda-Unglück zurück
Ein Rücktritt mit Ansage
Die politische Landschaft Spaniens steht Kopf: Verkehrsminister Óscar Puente hat am Dienstag überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Die Entscheidung fiel nicht spontan – sie war die logische Konsequenz einer Tragödie, die das Land erschütterte. Fast auf den Tag genau eine Woche nach dem verheerenden Zugunglück von Urda, bei dem mehrere Menschen starben, zog der Minister die Konsequenzen.
„Zwei schwere Unfälle in einem Jahr – das geht nicht“
Puente begründete seinen Schritt vor der Diputación Permanente des Kongresses mit bemerkenswerter Klarheit: „Ein Verkehrsminister eines Landes wie Spanien kann nicht im Amt bleiben, wenn es in einem Jahr zwei Unfälle dieser Schwere gibt.“ Damit spielte er nicht nur auf das Desaster von Urda an, sondern auch auf das Unglück von Adamuz, das ebenfalls zahlreiche Opfer forderte. Wer die Ereignisse der vergangenen Monate verfolgt hat, weiß: Der Druck auf Puente war in den letzten Tagen enorm gewachsen.
Rückzug aus der Politik – auch aus dem Wahlkampf
Doch damit nicht genug: Der Sozialist verzichtet zusätzlich auf seine Kandidatur als Spitzenkandidat der PSOE für die Wahlen am 29. November. Seine Heimatregion Valladolid wird also ohne ihn in den Wahlkampf ziehen. Einerseits mag man darin einen Rückzug auf Raten sehen, andererseits demonstriert Puente damit politische Größe – oder schlicht Realitätssinn. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, soll der Entschluss bereits am Tag des Unglücks selbst gefallen sein.
Ein Rücktritt mit doppeltem Boden
Interessant ist die zeitliche Abfolge: Puente wartete bewusst, bis die ersten Hilfsmaßnahmen für die Opfer im Ministerrat verabschiedet waren. Erst dann machte er seinen Rücktritt öffentlich. Pedro Sánchez, der Regierungschef, erfuhr von der Entscheidung nur wenige Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe – ein Zeichen dafür, wie überraschend der Schritt auch für die eigenen Reihen kam. Die Opposition hatte bereits seit Tagen lautstark seinen Abgang gefordert, doch Puente ließ sich nicht treiben. Er wählte den Moment selbst.
Der Anfang vom Ende
Die Kritik an seiner Amtsführung war in den vergangenen Wochen kontinuierlich gewachsen. Insbesondere sein Umgang mit den Unglücksfällen sorgte für Unmut. Nicht nur die konservative Opposition, sondern auch die linken Kooperationspartner wie Sumar und Podemos hatten seinen Rücktritt verlangt. Selbst die Gewerkschaften im Bahnsektor stellten sich gegen ihn. Zu schwer wog der Vorwurf, dass die Infrastruktur seit Jahren vernachlässigt worden sei. Dass Puente nun selbst die Reißleine zieht, könnte als Eingeständnis von Fehlern gewertet werden.
Die Entscheidung des Ministers beendet eine wochenlange Hängepartie in der spanischen Verkehrspolitik. Ob sie auch das Ende der Diskussion über die Sicherheitsstandards im Bahnverkehr bedeutet, ist allerdings mehr als fraglich. Die Angehörigen der Opfer von Urda erwarten Antworten – und die bleiben weiterhin aus.
Quelle: 20minutos.es