Narcos rüsten auf: Kriegswaffen durchdringen Polizeischutz

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Narcos rüsten auf: Kriegswaffen durchdringen Polizeischutz

von Jonas Beck

Eine neue Bedrohungslage: Vom alten AK-47 zur Hightech-Waffe

Die Sicherheitsbehörden in Südspanien dokumentieren einen gefährlichen Wandel in der Bewaffnung krimineller Drogenbanden. Während früher vor allem veraltete sowjetische Kalaschnikows aus den Zeiten des Kalten Krieges beschlagnahmt wurden, treten nun zunehmend moderne Sturmgewehre der neuesten Generation in Erscheinung. Zu diesen Modellen gehören aktuelle Versionen des Kalaschnikow sowie Hochleistungsgewehre des deutschen Herstellers Heckler & Koch (HK). Diese Waffen, die für militärische Konflikte konstruiert wurden, verändern die Gefahrenlage für die Einsatzkräfte fundamental, wie interne Quellen der Guardia Civil im Campo de Gibraltar gegenüber dieser Redaktion schildern.

Diese Eskalation wurde in der Nacht zum vergangenen Donnerstag bei einem Einsatz bei Punta Umbría in der Provinz Huelva schmerzlich deutlich. Als ein Team des Equipo de Delincuencia Organizada y Antidroga (EDOA) eine Haschisch-Landung vereiteln wollte, eröffneten die Narcos das Feuer mit automatischen Waffen. Die Beamten erwiderten das Feuer, was in einen schweren Schusswechsel mündete. Zwar blieben die Guardias Civiles unverletzt, doch ihr Fahrzeug wurde durchlöchert. Berufsverbände wie die AUGC und JUCIL warnen seit langem vor den tödlichen Risiken, die entstehen, wenn die Polizei mit unzureichender Ausrüstung einer hochgerüsteten Gegenseite gegenübersteht.

Das tödliche Problem: Munition, die Schutzwesten "wie Butter" durchschlägt

Das zentrale Problem liegt weniger in den Waffen selbst, sondern in der von ihnen verschossenen Munition. "Was uns am meisten Sorgen bereitet, ist der Einsatz von Kriegsmunition", erklären die Sicherheitskreise. Konkret handelt es sich um Kaliber wie die NATO-Standardmunition 5,56 x 45 mm oder das russische 7,62 x 39 mm Kaliber. Diese Geschosse sind darauf ausgelegt, schwere Schutzwesten zu durchdringen.

"Sie durchbohren jede Art von ballistischer Platte, die die Guardia Civil standardmäßig verwendet, als wäre sie Butter", so die drastische Beschreibung der Beamten. Der Grund: Die üblichen weichen Westen der Polizei und Guardia Civil sind für Pistolen- und Revolvergeschosse konzipiert. Der Schutz gegen Hochgeschwindigkeits-Projektile aus Sturmgewehren erfordert schwere, starre Platten, wie sie nur Spezialeinheiten und das Militär tragen. Für den täglichen Streifendienst sind diese ungeeignet.

Die Lieferketten des Todes: Waffen folgen den Drogenrouten

Die Herkunft dieser Kriegswaffen ist international. Der Hauptweg führt über Marokko und die Straße von Gibraltar – dieselben Routen, die für den Haschisch-Schmuggel genutzt werden. "Die Waffen kommen mit den Drogenlieferungen", berichten die Ermittler. Die kriminellen Netzwerke nutzen ihre schnellen Narcolanchas (Drogenboote) als Allesfrachter, ob für Rauschgift, Waffen oder sogar Menschen.

Die Palette der sichergestellten Waffen ist breit und weist auf verschiedene Krisenherde hin. Ein Teil stammt mutmaßlich aus der Ukraine, wo der anhaltende Krieg einen schwunghaften Waffenhandel befördert. Türkische Mafias sind im Schmuggel von türkischen Waffen mit NATO-Munition aktiv. Sogar halbautomatische US-amerikanische AR-15-Gewehre wurden bereits sichergestellt.

Dennoch stammt ein Großteil des Arsenals nach wie vor aus Osteuropa, speziell aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Hier wurden Waffen aus den Balkankriegen der 1990er Jahre auf den Schwarzmarkt gespült. Ein häufig beschlagnahmtes Modell ist das Zastava-Sturmgewehr, die jugoslawische Version der Kalaschnikow. Ebenso tauchen tschechoslowakische Skorpion-Maschinenpistolen auf.

Die nächste Stufe: Handgranaten und Maschinengewehre

Die Bewaffnung geht über Handfeuerwaffen hinaus. Wie die Guardia Civil berichtet, wurden in größeren Lieferungen auch Maschinengewehre und Handgranaten vom Typ M75 jugoslawischer Herkunft entdeckt. Diese Granaten sind besonders verheerend, da sie mit Stahlkugeln gefüllt sind, die bei der Explosion als tödliche Schrapnelle wirken und massive Verluste verursachen können.

Die Sicherheitsbehörden stehen damit vor einer dreifachen Herausforderung: einer zunehmend militarisierten Gegnerschaft, einer eigenen Ausrüstung, die gegen diese neuen Bedrohungen nicht mehr ausreicht, und einem globalen Schwarzmarkthandel, der von regionalen Konflikten gespeist wird. Die Forderung nach besserem Schutz und mehr Mitteln für die Frontbeamten wird angesichts dieser Entwicklungen dringlicher denn je.

Bericht unter Verwendung von Informationen aus Sicherheitskreisen der Guardia Civil und öffentlichen Stellungnahmen der Berufsverbände AUGC und JUCIL.


Quelle: 20minutos.es