Mehr als nur Paddel und Paintball

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Mehr als nur Paddel und Paintball

von Sabine Keller

Gratis-Abenteuer als Jugendpolitik? Eine Analyse

Wer zwischen 18 und 35 Jahre alt ist und in der Provinz Málaga lebt, darf sich diesen Sommer auf kostenfreie Action freuen. Die Diputación de Málaga schickt ihre dritte Auflage des Programms „Veranea“ an den Start – mit erweitertem Angebot und tausend Plätzen mehr als im Vorjahr. Über 3.000 junge Menschen sollen so in den Monaten Juli und August Sport, Kultur und Unterhaltung erleben, ohne einen Cent ausgeben zu müssen. Ein nobler Zug, fragt sich nur: Ist das moderne Jugendförderung oder bloß teure Beschäftigungstherapie?

Der zuständige Jugenddezernent, José Santaolalla, preist das Programm laut dem Bericht auf Axarquía Plus als Beleg für den „Kompromiss mit dem jungen Sektor“. Man habe neue Aktivitäten aufgenommen und die Stunden für „Spaß und Unterhaltung“ ausgeweitet. Die Rhetorik ist geschickt gewählt, doch sie kaschiert eine grundsätzliche Frage: Sollte öffentliche Jugendpolitik nicht mehr sein als die Organisation von Freizeitpark-Erlebnissen? Die Opposition wird zweifellos nach dem Mehrwert für Bildung, Integration oder berufliche Perspektive fragen.

Das Angebot: Vom Kletterfelsen ins Museum

Die Bandbreite der geplanten Aktivitäten ist zweifellos beeindruckend und geht weit über bloße Strandausflüge hinaus. Ein Fokus liegt dieses Jahr auf der Region Axarquía. Hier können Teilnehmer etwa Paddle-Surf und Hydropedales an der Playa de Burriana in Nerja ausprobieren oder die Herausforderung der Vía Ferrata del Turrión in Comares annehmen.

Das Programm erstreckt sich aber über die gesamte Provinz. Es inkludiert Klassiker wie den Caminito del Rey, die längste Seilrutsche Andalusiens in Alhaurín de la Torre oder Klettersteige in Archidona, Benalauría und Casares. Für Abenteuer unter der Erde sorgen Höhlenforschung in Archidona und Igualeja sowie Canyoning in Yunquera und Júzcar.

Als Neuheiten listet die Diputación dieses Jahr Sicherheitstrainings für Motorradfahrer, Paintball-Wettkämpfe und Besuche im Museo del Automóvil y de la Moda auf. Auch Kart-Meisterschaften, Besuche im Abenteuerpark Amazonia und im OXO Museo del Videojuego stehen auf dem Plan. Die sogenannten „Großen Sommer-Herausforderungen“, bei denen Jugendliche ihre Heimatgemeinden in Geschicklichkeitswettbewerben vertreten, kehren ebenfalls zurück.

Der Zugang und die Krux mit der Digitalisierung

Die Teilnahme ist an zwei Bedingungen geknüpft: das Alter und den Wohnort. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich online über das Portal www.juventudmalaga.es. Ab dem 18. Juni können sich zunächst junge Menschen aus Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern registrieren, ab dem 22. Juni dann alle übrigen Interessierten aus der Provinz. Für den Antrag sind Personalausweis und ein Meldenachweis erforderlich.

Diese digitale Schlagleiste ist eine Hürde, die gerne übersehen wird. Sie setzt funktionierende Internetverbindung, digitales Know-how und administrative Bürokratiekenntnis voraus – Ressourcen, die in ländlichen Gebieten der Axarquía oder entlegenen Dörfern nicht selbstverständlich sind. Ein Programm, das für alle da sein will, muss auch analoge Zugangswege anbieten.

Fazit: Ein Tropfen auf den heißen Stein?

„Veranea“ ist ein populäres und sicherlich gut gemeintes Projekt. Es bietet tausenden Jugendlichen unvergessliche Sommererlebnisse und erschließt ihnen die naturschöne Heimatprovinz. Als alleinige Antwort auf die vielschichtigen Probleme einer Generation – von prekären Jobaussichten über explodierende Lebenshaltungskosten bis zur Klimaangst – reicht es jedoch nicht.

Die Diputación kauft sich mit diesem Event-Programm jugendpolitische Glaubwürdigkeit. Die wahre Arbeit aber beginnt danach: nach dem Paddel-Kurs, nach der Klettertour. Wo bleiben die bezahlbaren Wohnungen, die stabilen Ausbildungsplätze, die Zukunftsperspektiven in eben jenen ländlichen Gemeinden, die man im Sommer so attraktiv in Szene setzt? Abenteuerurlaub auf Staatskosten ist ein nettes Geschenk. Eine echte Jugendstrategie sieht anders aus.

Quellen: Programmdetails und Zitate gemäß Bericht auf Axarquía Plus.


Quelle: axarquiaplus.es

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