Kokain-Rückgang: Ein Sieg, den niemand feiern sollte

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Kokain-Rückgang: Ein Sieg, den niemand feiern sollte

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Die trügerische Statistik

Der jährliche Drogenreport des Innenministeriums – erstellt vom Zentrum für Terrorismus- und Organisierte Kriminalität (CITCO) – ist ein Meisterwerk der Interpretation. Während die Behörden den Rückgang der Kokain-Beschlagnahmungen um 37 Prozent als Triumph der Polizeiarbeit verkaufen, verraten die Zahlen eine unbequeme Wahrheit: Der Kampf gegen den Drogenhandel ist kein Erfolg, sondern eine Schachpartie, bei der die Gegner immer einen Zug voraus sind.

Die Fakten: Insgesamt wurden im Jahr 2025 über 370 Tonnen Kokain, Haschisch, Marihuana und Heroin beschlagnahmt – eine Zahl, die auf den ersten Blick beeindruckt. Doch der Rückgang beim Kokain wird von einer gleichzeitigen Steigerung beim Haschisch um 29 Prozent begleitet. Mit 257 Tonnen liegt die Menge zwar wieder höher als im Vorjahr, bleibt aber weit unter den Werten von 2021 (672 Tonnen) oder 2023 (357 Tonnen). Das Innenministerium spricht von „erfolgreicher Zerschlagung großer Netzwerke“. Ich nenne das: Verschiebung der Probleme.

Wenn der Markt sich anpasst

Wer dem Innenministerium glaubt, dass weniger Beschlagnahmungen gleich weniger Konsum bedeuten, der verkennt die Kreativität krimineller Organisationen. Während die Polizei ihre Ressourcen auf die klassischen Routen im Atlantik konzentriert, entstehen längst neue Kanäle. Die Statistik weist einen deutlichen Anstieg bei bislang unbedeutenden Substanzen wie Lachgas, Tusi (einer Mischung aus Ketamin und MDMA) und Ketamin aus – den bevorzugten Drogen der jungen Generation. Sind das nicht Warnsignale? Offenbar nicht für jene, die lieber in Erfolgsmeldungen schwelgen.

Die Zahl der Festnahmen ist im Übrigen um 8,72 Prozent gesunken, während die Anzeigen konstant bleiben. Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder ermittelt die Polizei präziser – oder sie ist schlicht überfordert. Angesichts der Tatsache, dass Andalusien, Madrid und Valencia weiterhin die meisten Festnahmen melden, sieht es eher nach einer Überforderung aus, die mit Symbolpolitik überdeckt wird.

Mehr Prävention, weniger Selbstlob

Anstatt sich auf die Schulter zu klopfen, sollte das Innenministerium endlich begreifen, dass Repression allein das Problem nicht löst. Die neuen psychoaktiven Substanzen – oft legal zu erwerben, chemisch variabel und für Jugendliche leicht zugänglich – werden auf dem Markt etabliert, während die Behörden noch über Verbote diskutieren. Wir brauchen eine ehrliche Debatte über Prävention und Aufklärung, nicht noch mehr Narco-Boote und Haftstrafen, die den Drogenhandel lediglich verlagern.

Die Bilanz 2025 ist keine Erfolgsgeschichte – sie ist die Bestätigung, dass Spanien im Kampf gegen Drogen weiterhin nur die Symptome bekämpft. Es wird Zeit, die Taktik zu ändern, bevor die nächste Statistik wieder als Sieg verkauft wird, der keiner ist.


Quelle: 20minutos.es

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